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Plädoyer für Dates: Mein Jahr auf Tinder: Diese Situationen kennt jeder, der schon mal nach rechts geswipt hat

Links pfui, rechts hui, hoch super-hui. Bei hui ein Match, dann ein Date. Tinder-Sprache. Klingt komisch? Ist es auch. Und das, was man auf dem Weg zum Date alles erlebt erst recht. Unsere Autorin erzählt, wie nervenaufreibend und zugleich schön das Online-Dating sein kann.

Von NEON-Community-Mitglied Katy Neumann

Frau sitzt in Bahn mit Handy in der Hand

Online-Dating ist kann nervenaufreibend sein – unsere Autorin erklärt, warum Tinder trotzdem praktisch ist (Symbolbild)

Getty Images

App installieren, Fotos hochladen und los geht’s. In den Wischmodus kommt man schnell. Pro Tag kann ein Superlike vergeben werden: Wer einen bekommt, sieht, wer einen super findet. Sonst bleibt das ungewiss und jedes "hui" wird zum Nervenkitzel. Bei meinen ersten Superlikes schoss mein Ego hoch in den Himmel. Mittlerweile weiß ich, dass die gar nicht so super sind. Im Gegenteil, das ist wie vordrängeln. "Los. Hier. Schau mich an." Wie diese schnippenden Fingerheber in der Schule, die auf ihrem Stuhl knieten und die Lehrer anbettelten, drangenommen zu werden. Pfui. Die kommen direkt nach links.

Männer – ist das euer Ernst? 

Genau wie Extremsportler, die passen nicht zu mir. Lachsfarbene Shorts und Segelschuhe? Weg. Hundebilder? Weg. Wellenspiegel-Selfie? Weg. Oberkörperfrei? Weg. Männer – das kann doch nicht euer Ernst sein? Würden die sich selbst ernsthaft nach rechts wischen? Oder noch schlimmer, sich ein Superlike geben? Es lebe das Schubladendenken und die Oberflächlichkeit. Willkommen im Tinderland.

Allen sind gutes Essen und interessante Gespräche wichtig. Wer steht denn auf schlechtes Essen mit langweiligen Menschen? Gin trinken, die Welt mit dem Rucksack bereisen, CEO vom eigenen Start-Up, mit beiden Beinen im Leben stehen. Living the dream. Jeder weiß was er will, vor allem aber, was er explizit nicht will. Keine Tussis. Keine Sneaker tragenden Frauen. Keine Snapchat-Filter. Keine Schminke. Keine Brieffreundschaften. Nichts Festes. Niemanden für nur eine Nacht.

Vom Match zum Date – kein leichter Weg

Die Theorie klingt simple: wischen, matchen, treffen. Die Praxis entpuppt sich, wie so oft, als etwas komplexer. "Er mag dich auch. Lass ihn nicht warten. Schreib ihm!" Danke, Tinder für diese Benachrichtigung. Tinder übernimmt den Part der Freundinnen im Club. "Komm, jetzt geh rüber zu dem und sprich ihn an. Der schaut schon die ganze Zeit." Tipps zur Kontaktaufnahme wären für den ein oder anderen möglicherweise hilfreich. Wie sähen manche Konversationen wohl im echten Leben aus? Eine Typologie:

Der Minimalist. Geht sparsam mit Worten um. "Hallo." "Hallo." Hallo, Echo. Kommt da noch was? Diese Unterhaltung verhallt ziemlich schnell. Im Club würde man wortlos dastehen, betreten lächeln, vielleicht nicken. Schnell weiter gehen.

Der Kreative. Möchte mit seiner Nachricht herausstechen. Er fragt, mit welcher Person, tot oder lebendig, man gerne etwas trinken gehen würde. Und du warst nochmal wer?

Der Match-Sammler. Er schreibt nichts. Freut sich im Stillen. Vermutlich hat er früher Sterne bei Super Mario Bros gesammelt. Nicht jeder muss ein Jäger sein, aber ist die Idee nicht die, sich mit jemandem zu treffen?

Der Direkte. Er kommt sofort zur Sache und fragt nach Vorlieben und Fantasien im Bett. Interessanter Gesprächseinstieg. Umdrehen und gehen.

Das erste Date

Es gibt aber auch die, die auf Anhieb sympathisch wirken. Die ohne detailliertes Anforderungsprofil an die Bewerberin auskommen. Die in der Lage sind, ganze Sätze zu tippen und eine Konversation zu führen. Da war der Weg zum Date ein leichter.

Der 28-jährige Student. Meine erstes Tinder-Date. Bei unserem ersten Treffen schenkte er mir eine Flasche Gin. Fand ich gut. Seine Tagesaufgabe bestand aus Fitness, einkaufen gehen, das Bett frisch beziehen oder Film schauen. Ich arbeitete Vollzeit, 45 Stunden die Woche. Es prallten Welten aufeinander. Anfangs ganz lustig, irgendwann fühlte ich mich einfach nur noch alt. Der Kontakt wurde mit der Zeit weniger, irgendwann schrieb ich, dass das genug Gin war zwischen uns.

Die Tinder-Typen

Der Nackte. Der Name war Programm. So öffnete er mir eines Abends sogar die Tür. Vier oder fünf Treffen, dann meldete er sich nicht mehr. Ein Jahr später erhielt ich ein Superlike von ihm. Seine Nachricht dazu: "Ein Superlike und ein Welcome back!" Habe ihn aber doch nicht wieder getroffen.

Der Langweiler. Groß, blond, aus Hamburg. Wir waren in der Kneipe, haben Risotto gekocht und Tischtennis im Park gespielt. War nett. Mehr aber nicht. Er hat sich nie mehr gemeldet.

Der australische Surfer aus Portugal. Getroffen habe ich ihn im Urlaub in Lissabon. Vinho Verde mit Blick auf den Atlantik, Sonnenuntergänge. Ich besuchte ihn, er mich, er lernte meine Freunde kennen. Wir haben Ausflüge gemacht, waren Essen, haben Filme geschaut. Aber ein 34-Jähriger, der Sexszenen vorspult? Kommentarlos! Ich saß sprachlos daneben. Nach meinem letzten Besuch hörte ich nie wieder von ihm.

Der "Sorry, zu spät"-Typ. Bevor wir uns überhaupt treffen konnten hatte er wen anders kennengelernt. Über Instagram blieben wir in Kontakt – ein halbes Jahr später waren wir zufällig in derselben Stadt im Urlaub. Er wieder, ich noch immer allein. Also trafen wir uns spontan in einer Bar. Nach dem Urlaub besuchte er mich. Zu einem nächsten Treffen kam es jedoch nicht. Er hatte wieder jemanden kennengelernt. Mittlerweile ist er wieder allein und bald zu Besuch.

Der Yogi aus dem Bali-Urlaub. Wir verabredeten uns zum Sonnenuntergang. Er brachte Kombucha mit, dann fuhren wir mit seinem Roller zum Essen. Die nächsten Tage verbrachten wir gemeinsam am Strand, tranken frische Kokosnüsse, gingen balinesisch essen und zur Massage. 5 Tage wie im Film. Bali-Zauber. Er flog zurück nach Neuseeland, ich nach Deutschland.

Der Unentschlossene. Kochen oder essen gehen? Zehn Minuten zerbrach er sich darüber den Kopf. Darüber und über alles andere auch. Ein nachdenklicher Mensch, dachte ich. Einer, der die Dinge hinterfragt. Hinterfragt hat er vor allem, ob er mich weiter treffen wollte, oder nicht. Meine letzte Nachricht blieb unbeantwortet. Drei Wochen lang. Wie sich herausstellte war er einer der Männer mit gebrochenem Herzen, die auf Tinder nach Ablenkung suchen. Auf Kosten anderer Herzen.

So schnell, wie sie in dein Leben kommen, verschwinden sie auch

Ein auf und ab der Gefühle. Selbstzweifel. In einem Moment schlagen die Herzen höher, im nächsten zerbrechen sie in kleine Teile. Meldet er sich? Melde ich mich? Man trifft sich, versteht sich, es verläuft sich. Man verschwindet aus dem Leben des anderen. Oft ohne ein Wort, feige und brutal. Bei einigen Typen ist das ok, bei anderen tut es weh. Tinder holt einen in jedem Fall immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurück.

Manchmal sanft, manchmal mit einem Knall. Ich bin froh, meine Teenagerzeit hinter mir zu haben. Es gab jedoch Tage, an denen ich zurückkatapultiert wurde. Braucht man das mit 34? Ich bin mir nicht sicher, was schlimmer ist: tindern oder 16 sein. Mit 16 wusste ich es nicht besser. Jetzt weiß ich es zwar besser, setze mich immer wieder dieser Gefahr, der durch Tinder ausgelösten Herz-Rhythmus-Störungen aus.

Weniger erwarten und mehr Spaß haben 

Tinder ist auch nicht der Teufel. Man trifft Leute, die man so nie getroffen hätte. Wo auch? Die Zeiten der Studenten- und WG-Partys sind vorbei. Im Supermarkt hat mir noch nie jemand seine Nummer gegeben. Morgens in der S-Bahn starrt jeder nur auf sein Handy. Ich bin in keinem Sportverein und von Kollegen soll man sich bekanntlich fernhalten. Da ist Tinder schon praktisch. Mit den Typen, die ich getroffen habe, hatte ich wirklich gute Zeiten. Das waren alles tolle Männer. Ich hatte filmreife Dates, lange Unterhaltungen, habe viel gelacht, gut gegessen und die ein oder andere wilde Nacht verbracht. Ich habe viel über mich selbst gelernt. Über meine Intuition und meine Menschenkenntnis. Dass man sich auch mit jemandem treffen kann, ohne, dass es gleich die große Liebe sein muss.

Woher kommt nur immer dieser Zwang, diese Erwartung, dass ein Abend in einer Bar zu "mehr" führen muss? Kann man nicht einfach zusammen Gin Basil Smash trinken und sich über den schönen Abend freuen? Schaut bitte weniger Disney-Filme. Ein Happy-End ist doch nicht der Mann auf dem blöden, weißen Pony. Kleine Lieben haben auch was Schönes. Und keine Lieben sind auch ok.

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kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(