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Schwindel ohne Heirat: Tinder-Betrüger: Simon Leviev ist die moderne Version eines Heiratsschwindlers

Dieser Mann hat den Job des Heiratsschwindlers perfektioniert – mit Tinder aber ohne Heirat. Mehrere junge Frauen haben ihm sehr viel Geld geliehen, mit dem er sich sein Luxusleben finanziert. Wie konnte es so weit kommen?

Die Geschichte vom Tinder-Betrüger Simon Leviev

Mit Geld von anderen Frauen machte sich Simon Leviev ein schönes Leben – inklusive Privatjet (Symbolbild)

Getty Images

"Das Schlimmste war am Anfang der Liebeskummer. Als ich herausgefunden habe, dass mein Freund gar nicht mein Freund ist", erzählt die Norwegerin Cecilie Fjellhøy, die in London wohnt, im Interview mit dem norwegischen Magazin VG. Das Magazin hat den Fall in einem großen Spezial aufgearbeitet. "Es war fast, als käme das Geld erst an zweiter Stelle. Es war ein Schock." 2,1 Millionen Norwegische Kronen, das entspricht etwa 215.000 Euro hat Cecilie ihrem vermeintlichen Freund geliehen, hat dafür Kredite bei zehn Banken aufgenommen. Das Geld wird sie wahrscheinlich nie wiedersehen – das weiß sie heute. 

"Ich habe lange darüber nachgedacht, wie es so weit kommen konnte", sagt sie. Sie habe eine Gehirnwäsche bekommen, hätte nie gedacht, dass so etwas ihr widerfahren könnte. Wie hat dieser Typ das nur gemacht?

Es fing als harmloser Flirt auf Tinder an. Simon Leviev gibt vor, in der Diamanten-Branche zu arbeiten. Alle Zeichen stehen auf reicher Geschäftsmann. Zum ersten Date verabreden sich die beiden in einem Londoner Luxushotel, Cecilie ist beeindruckt. Simon gibt sich als Gentleman, er ist höflich, attraktiv, gut gekleidet. Nach einem Kaffee treffen die beiden auf sein Team: ein Bodyguard, ein Geschäftspartner und ein Assistent. Sie wollen am selben Tag noch mit dem Privatjet für ein Meeting nach Bulgarien fliegen. Er lädt Cecilie ein, mitzukommen. Für Cecilie gibt es augenscheinlich keinen Grund für Zweifel an seiner Story. Sie fliegt mit und ist überwältigt von all dem Luxus. 

Aus dem Tinder-Date wird eine Liebesgeschichte

Auch nach dem Trip schreiben die beiden über Whatsapp, in Sprachnachrichten gesteht Simon Cecilie immer wieder seine Gefühle, macht ihr Komplimente, schickt Videos aus Privatjets, schickt ihr 100 Rosen, weil er es nicht zu ihrem 30. Geburtstag schafft. Er wirkt aufmerksam und interessiert. Einmal schreibt er sogar: "Ich liebe dich, meine zukünftige Frau". 

Nach einigen Wochen berichtet Simon, dass er angegriffen wird von Konkurrenten aus der Diamanten-Branche, schickt später sogar Beweisvideos von seinem blutenden Bodyguard im Krankenwagen. Cecilie bekommt Angst um ihren Freund. Nach einem weiteren Treffen, bittet er seine Freundin um einen Gefallen: Sie solle ihm ihre Kreditkartendaten leihen, damit er unerkannt von seinen Angreifern Geld abheben kann. Cecilie zögert nicht lang, sie denkt: Wer so ein Luxusleben führt, hat keine Probleme, Geld zurückzuzahlen. Die beiden treffen sich regelmäßig, schreiben jeden Tag, suchen sogar eine gemeinsame Wohnung in London. 

Was sie nicht weiß: 2015 wurde ihr Freund bereits verurteilt wegen schweren Betruges an drei finnischen Frauen. Mit gefälschten Nachweisen über eine Rückzahlung, will er Cecilie beruhigen. Doch das reicht ihr nicht. Sie will keine Geschäftsbeziehung, sie will sich mit Simon in Oslo treffen, damit er ihre Freunde und Familie kennenlernt. Sie verabreden sich, Cecilie bereitet alles vor, alle Gäste warten auf ihn. Doch Simon kommt nicht. Stattdessen fragt er nach mehr Geld.

Der echte Simon Leviev kommt ans Licht

Da dämmerte es Cecilie – sie war am Boden zerstört. Im Interview kommen ihr immer wieder die Tränen. Wegen Simon hat sie nun enorme Schulden, ihre Mutter muss ihr finanziell und emotional zur Seite stehen. Einen Tag nachdem Cecilie Simon in Norwegen und England angezeigt und blockiert hatte, bekam sie einen Anruf von einer unbekannten Nummer. Sie ging nicht ran, also hinterließ der Anrufer eine Nachricht. Es war Simon, der seiner "Ex-Freundin" drohte, dass alles Konsequenzen habe. Zu dem ohnehin schon schlimmen Betrug, kommt nun auch noch eine Drohung.

Trotzdem wendet sich Cecilie mit ihrer Story an VG. Die Reporter recherchieren, suchen nach Simon in seiner Heimat in Israel. Auch die Polizei fahndet seit dem Jahr 2011 nach ihm wegen Diebstahls, Urkundenfälschung und Betrugs. Er kam nicht zum Gerichtstermin, sondern floh nach Europa. Es stellt sich heraus: Auch sein Name ist gelogen. Simon Leviev heißt in Wirklichkeit anders. 

Während der Recherche stoßen die Reporter auf eine weitere Frau: Pernilla Sjoholm aus Schweden. Simon nutzte das Geld, das er von Cecilie bekommen hatte, um Flugtickets für Pernilla zu bezahlen. So funktionierte also seine Masche: Geld von der einen Frau leihen, damit die andere Frau, die er über Tinder kennenlernt, bezirzen und sich Geld von dieser leihen. Ein perfider Kreislauf. Im Gegensatz zu Cecilie war Pernilla nur mit ihm befreundet – trotzdem schuldet er ihr umgerechnet fast 41.000 Euro. Auch sie ist schockiert, als sie die Wahrheit erfährt. Doch sie ist mit Simon in einem Münchener Luxushotel verabredet, erzählt sie VG. Das Team reist mit nach Deutschland, hält sich bedeckt und beobachtet die beiden nur aus der Ferne. Permilla versucht, sich während des Treffens mit Simon nichts anmerken zu lassen. "Es ist schwer, mit jemandem zu reden und ihm zuzuhören, wenn du weißt, dass so gut wie alles gelogen ist", sagt sie im Interview. Sie fahren mit einem Maserati und Pernilla fragt sich nur: "Wer hat dafür bezahlt?" 

Zur Konfrontation kommt es aber erst später in Anwesenheit von VG in Oslo – und zwar per Telefon. Wie schon bei Cecilie zuvor, leugnet Simon alles und droht der Frau: "Du wirst einen Preis dafür zahlen und ich verspreche dir, der wird größer als Geld sein." Permilla zeigt ihn trotzdem in Schweden an. Es gibt laut VG keine Spur von Simon, nicht einmal sein israelischer Anwalt habe Kontakt zu seinem Mandanten. Die norwegische Polizei hat die Ermittlungen eingestellt. Simon ist weiter auf der Flucht.

+++ Die ganze, wirklich toll dokumentierte und illustrierte Geschichte von Cecilie, Pernilla und Simon findet ihr bei VG +++

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