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Alle irre!: Macht Reisen uns wirklich zu besseren Menschen?

Nach dem Abi Au-pair und Erasmus, später Rucksackreisen und Sabbatical – der #wanderlust-Terror hört nie auf. Muss man denn immer über den geografischen Tellerrand gucken?

Ein junger Mann steht im Sonnenuntergang am Wasser

Dem mittlerweile radikalisierten Weltenbummler-Ideal, diesem Fernweh-Terror, ist kaum etwas entgegenzusetzen – meint unsere Autorin (Symbolbild)

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Manchmal schauen mich die Menschen an, und ich sehe, dass sie mich dumm finden. Sie lächeln und sagen höfliche Dinge (das liegt daran, dass ich mich nicht mit Assis unterhalte), aber trotzdem sehe ich diesen Gedanken: Mädchen, du hast wirklich keine Ahnung.

Und das stimmt ja auch. Ich weiß nicht, welchen Zielflughafen man ins Trivago-Suchfeld eintippen muss, um auf Bali zu landen, ich kenne die Einreisebestimmungen für Teheran nicht im Detail (und auch eher nicht grob), und ob man in Thailand lieber nie oder ausschließlich in Garküchen essen sollte? Keine Ahnung. Ich war da noch nie. Und – das ist der Punkt, an dem die Blicke einsetzen – ich finde das auch gar nicht schlimm. Wenn ich irgendwann jemandem begegnen sollte, den ich mag und dessen Herzenswunsch es ist, einmal quer durch die Pyrenäen zu wandern – bitte sehr, kauf ich mir halt Bergsteigerschuhe. Aber ganz persönlich, so aus mir heraus, nö, kann ich keinen Wunsch feststellen, da dringend hinzumüssen.

Immer auf Reisen – oder: the Power of #wanderlust

Mich macht diese Reiseabgewandtheit immer wieder zum Außenseiter. In den vergangenen sieben Jahren war ich dreimal länger als eine Woche von zu Hause weg. Einmal auf Mallorca, zweimal in Los Angeles, einmal davon beruflich. Und genau das illustriert mein Verhältnis zum ganz gut: Statt in den Ferien an einen Ort zu fliegen, den ich noch nie gesehen habe, buche ich ein Ticket dahin, wo ich zuletzt war und es schön fand. Hätte auch Amrum sein können, war nur halt zufällig L.A.

Das aber scheint irgendwie nicht okay, denn wenn es eine Sache gibt, auf die sich alle einigen können, ist es ja: the Power of #wanderlust. Dem mittlerweile radikalisierten Weltenbummler-Ideal, diesem Fernweh-Terror, ist kaum etwas entgegenzusetzen. Der Scheuklappenblick in die Ferne lässt die Leute schon Bissreflexe entwickeln, wenn man sie nur fragt, ob das wirklich so wichtig ist, jeden Landesstempel der Welt in seinem Reisepass zu haben, den man dann mit Freischwimmerstolz offen herumliegen lässt, wenn ein Date zu Besuch kommt. Ist ja nicht so, dass ich ihnen mit biologischen Fußabdrücken, CO²-Bilanzen oder der Ausbeutung in der Tourismusindustrie kommen würde. Und ich glaube auch sehr wohl, dass Reisen den Horizont erweitern, die Sicht auf die Welt einmal auf Panorama aufziehen kann. Aber hinfahren, ein paar alte Tempel angaffen, sich den Magen verderben und dreimal mit Einheimischen reden (zwei davon sind Arzt und Apotheker) macht einen doch noch nicht automatisch zu einem besseren Menschen, oder?

Vielleicht bin ich der langweiligste Tourist der Welt, aber ich hatte einen super Tag

Wieso dann also diese Arroganz gegenüber Leuten, die sagen: Ich habe die Welt vom Aufstehen bis zum Einschlafen über TV, Internet und Zeitung permanent um mich, ich möchte in meinen Ferien gerne bloß den kleinsten Ausschnitt dieser Wirklichkeit wahrnehmen, ich will vom Handtuch bis zum Meer laufen und wieder zurück, und wo genau dieses Handtuch und dieses Meer liegen: mir relativ egal. Ich lese unterwegs drei Bücher (und reise damit im Kopf möglicherweise weiter als jeder Lifestyle-Globetrotter), schreibe Freunden endlich mal in Ruhe zurück, und wenn ich abends in mein Hotelzimmer komme, bin ich vielleicht der langweiligste Tourist der Welt aber ich hatte einen super Tag. Und genau das ist Urlaub doch: Selbstzweck. Ist ja nicht so, dass die Tempelanlagen von Baalbek seit Jahren totbeleidigt sind, weil ich sie immer noch nicht besucht habe. Die Welt und ich sind also cool miteinander. Probiert ihr das doch auch mal.

Alle irre! Macht Reisen uns wirklich zu besseren Menschen?

NEON-Redakteurin Lena Steeg

Man darf sich nicht in das Leben anderer einmischen, findet NEON-Redakteurin Lena Steeg, 33 macht es aber trotzdem. Willst du auch, dass Lena sich in dein Leben einmischt? Schreib ihr deine Frage an: alleirre@neon.de

Themen in diesem Artikel
Dachüberstand beim Gerätehaus und Mindestabstand Grenze zum Nachbarn
Ich wohne in Baden-Württemberg und plane auf meinem Grundstück einen alten Schuppen durch ein neues Gerätehaus (kein Aufenthaltsraum, keine Feuerstätte im Gebäude!) mit den Grundmaßen 3,50 m x 2,50 m und Firsthöhe von 2,21 m zu ersetzen. Da die neue Anlage etwa 60 cm in einer Geländestufe aufgestellt wird, ist die Wand gegenüber dem Nachbarn tatsächlich nur ca. 1,6 m gegenüber der OK des Gartens hoch. Es soll eine verfahrensfreie Umsetzung in einer Grenzbebauung durchgeführt werden. Auf dem Nachbargrundstück ist eine ca. 3m hohe Thuja Hecke, die geringfügig über die Grenze herüber ragt. Nun hat das geplante Gerätehaus einen umlaufenden Dachüberstand von ca. 20 cm, sodaß die Außenmasse des Fundaments etwa 20 cm von der Grundstücksgrenze entfernt ist. Damit ist sichergestellt, dass der Dachüberstand nicht mit dem Nachbargruzdstück überlappt. Wie sieht es nun entsprechend der LBO Baden-Würtenberg mit der Regelung zum Mindestabstand gegenüber der Grenze des Nachbarn aus? Ich sehe 3 Möglichkeiten: a) es gilt als Grenzbebauung. Die überhängende Thuja-Hecke stört mich nicht. b) es müssen 50 cm Mindestabstand eingehalten werden. c) der Überstand am Gerätehaus an der Grenze zum Nachbarn muss entfernt werden, damit der Aufbau als Grenzbebauung anerkannt wird. PS: Zusammen mit der Länge der Garage des Nachbarn wird eine Grenzbebauung von 9m nicht überschritten. Mit der Bitte um eine Rückmeldung, sodaß ich meinen Plan vernünftig abschließen kann. mfg
Buchtitel gesucht. Die Rückkehr ...
Der Titel des zweiten Bandes lautet "Die Rückkehr des <xyz>" Autor ist ein irischer Schriftsteller. Es geht um einen Mönch mit einem Sprachfehler. Als das Kloster von Dämonen angegriffen wird, kann er die Abwehr-Gebete, wegen seines Sprachfehlers, nicht so deutlich sprechen, wie seine Mönchsbrüder und der Geist einer Hexe geht deshalb auf ihn über. Seine Mönchsbrüder wollen ihn, um zumindest seine Seele zu retten, nun auf dem Scheiterhaufen verbrennen. Mit dem Geist der Hexe und etwas Flug-Salbe gelingt ihm aber die Flucht, auf einem Besen durch die Luft reitend. Zufällig belauscht er das Gespräch einer Frau, in die er sich verliebt hat und von der er sich ebenfalls geliebt fühlt. Dabei findet er heraus, dass sie ihn nicht als Mann liebt, sondern dass sie ihn für einen solchen Trottel hält, dass er ohne ihre mütterliche Fürsorge nicht lebenstüchtig sei und dass sie sich deshalb verantwortlich fühlt ihn mit ihrer Mutterliebe zu umsorgen. Tief verletzt hängt er seine Versuche, ein guter Mensch zu sein an den Nagel, will nun böse werden und schließt zu diesem Zweck einen Packt mit dem Teufel. Um den Packt zu besiegeln muss er ein mit Blut unterschriebenes Pergament mit dem Vertragstext verschlucken. Bei der anschließenden Überfahrt nach Frankreich wird er jedoch seekrank und kotzt sich seine Seele aus dem Leib. Dabei geht auch das Pergament mit dem Teufelspackt mit über Bord. Dadurch ist er an den Packt mit dem Teufel nicht mehr gebunden, plant aber weiterhin, mit Hilfe des Teufels ein böser Mensch zu werden. Dabei stellt er sich aber jedesmal so dusselig an, dass immer etwas Gutes dabei heraus kommt. Trotz der tiefen Verletzung durch die Frau, die er liebt, kann er sie doch nicht vergessen und schmachtet ihr auch weiterhin nach. Bei einem Hexenmeister lernt er einen Liebestrank zu brauen. Was er dann auch tut. Der Trank muss sehr lange ziehen. Während also der Trank auch während einer Abwesenheit weiter zieht, dringt eine Kuh in die Höhle ein, in der der Trank gebraut wird und säuft den Trank aus. Als der Mönch in die Höhle zurück kehrt, verliebt sich die Kuh augenblicklich in ihn und weicht ihm von da an nicht mehr von der Seite. Wie heißt der Mönch, der Held dieser Geschichte, und auch titel-gebend ist. Und wer ist der irische Autor?