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Partnerschaft Daten aus Familienstudie: Wer viele Freunde hat, braucht keine Beziehung

Wer erfüllt in seinen anderen Sozialbeziehungen ist, sucht nicht unbedingt nach einem Partner
Wer erfüllt in seinen anderen Sozialbeziehungen ist, sucht nicht unbedingt nach einem Partner
© Robert Kneschke/ / Picture Alliance
Nicht jeder wünscht sich automatisch eine Paarbeziehung. Das zumindest sagt der Autor eines Fachartikels, der jüngst im "Journal of Social and Personal Relationships" veröffentlicht wurde. Denn: Wer erfüllt in seinen anderen Sozialbeziehungen ist, sucht nicht unbedingt nach einem Partner.

Einen Partner fürs Leben finden, heiraten, Kinder bekommen – das scheint zumindest nicht mehr unbedingt der Wunsch aller Singles zu sein. Der israelische Wissenschaftler Elyakim Kislev hat dazu einen Fachartikel im "Journal of Social and Personal Relationships" verfasst und nutzte dafür die Daten einer Deutschen Studie: In der Panel Analysis of Intimate Relationships and Family Dynamics (Pairfam) werden 12.000 Menschen und ihre Partner über einen langen Zeitraum begleitet. Kislev konzentriert sich in seiner Forschung generell auf Singles und fokussiert sich bei der Untersuchung auf diejenigen, die nicht aktiv auf der Suche nach einer Partnerschaft sind. Der Forscher der Hebräischen Universität Jerusalem untersucht dabei nicht nur die Bereitschaft sich zu binden, sondern setzt diese in Relation dazu, wie sehr die befragten Singles ihre Freundschaften pflegen.

Partnerschaft: Wie groß ist das Verlangen danach? 

Kislev fragt also: Wie groß ist das Bedürfnis nach einer Partnerschaft und wie viele intensive Freundschaften haben die Befragten tatsächlich? Und er stellte fest, dass der größte Zusammenhang zwischen Zufriedenheit mit Freundschaften und dem Wunsch nach einem Partner bestand. "Menschen, die einen stärkeren Wunsch nach Beziehungen haben, tendieren dazu, ihren Freundschaften eine geringere Bedeutung zuzuschreiben," sagt Kislev gegenüber "PsyPost". Auf der anderen Seite legten Singles, die keinen Beziehungswunsch hegen, einen größeren Wert auf ihre Freundschaften. "Kurz gesagt, diese Ergebnisse zeigen, dass Singles mit geringem Beziehungswunsch sozialer sind und mehr Unterstützung von ihren Freunden erhalten. Diese Ergebnisse stehen vor allem im Gegensatz zu der allgemeinen negativen Wahrnehmung, dass Singles mit geringem Beziehungswunsch, sozial inkompatibel seien", so Kislev.

Die Single-Landschaft verändert sich 

Kislevs Forschungsgebiet sind Alleinstehende und die sich verändernde Single-Landschaft, die er vor allem in der Großstadt New York erlebt hat, als er dort hinzog, um sich seiner Doktorarbeit zu widmen. Seine Erkenntnisse hat der Forscher in seinem Buch "Happy Singlehood: The Rising Acceptance and Celebration of Solo Living” (Deutsch: Glückliches Single-Dasein: Die steigende Akzeptanz und Feier des Solo-Lebens) zusammengefasst. Darin möchte Kislev nicht nur das Single-Dasein entstigmatisieren, sondern auch aufzeigen, dass es eine große Gruppe von jungen Menschen gibt, die freiwillig und gerne lieber alleine bleiben. Laut seiner Einschätzung handelt es sich dabei um etwa 20 Prozent der Alleinstehenden. In seinem Buch beschreibt der Autor auch, dass Singles im Vergleich zu verheirateten Paaren oft besser darin seien, sich ein gutes soziales Netzwerk aufzubauen. Kislev ist noch nicht am Ende seiner Forschung: "Wir sollten uns fragen, wie die 'neuen Singles' es schaffen, Gemeinschaften zu bilden, wie sie soziale Unterstützung von ihren Freunden und ihrer Familie erhalten und wie dieses neue Lebensmodell sich auf das allgemeine Wohlbefinden der Singles im Laufe ihres Lebens auswirken."

Deutschland: Jeder fünfte Haushalt ist ein Single-Haushalt 

Das Statistische Bundesamt prognostiziert für 2040, dass gut die Hälfte aller Haushalte in Deutschland von Alleinstehenden bewohnt sein wird. Bei der Erfassung im Jahr 2018 war schon jeder fünfte Haushalt mit Alleinstehenden besetzt. Elyakim Kislev findet, dass sich die Sozialforschung noch viel zu wenig mit dieser stetig wachsenden Bevölkerungsgruppe beschäftigt. "Ich glaube, Singles verdienen als solche mehr Aufmerksamkeit. Ich wage sogar zu behaupten, dass wir das Single-Dasein mehr akzeptieren und annehmen müssen. Einer Beziehung hinterherzulaufen ist in Ordnung, solange wir dabei unsere gewünschten Ziele verfolgen und nicht denen unserer Familie oder der Gesellschaft genügen wollen."

Quelle: PsyPost,Statistisches Bundesam


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