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Computerspielsucht: Psychologe: "'Fortnite'" ist das Heroin unter den Computerspielen"

Schweizer Psychologe fordert reguliertere Altersbeschränkungen und Warnhinweise auf Videospielen, dabei vergleicht er "Fortnite" sogar mit Heroin.

Junge spielt "Fortnite"

Aktuell gibt es 250 Millionen registrierte Spieler bei "Fortnite"

Unsplash

Du triffst dich mit deinen Freunden, das Wetter ist schön, aber eigentlich willst du nur eins: nach Hause und zocken. Wenn du spielst, bist du im Zentrum der Welt, kannst alles kontrollieren, weit weg von der Realität - so oder so ähnlich haben Junkies auch schon ihre Highs beschrieben.

Seit letztem Jahr gilt Computersucht laut WHO offiziell als Krankheit und wird auf die 2022 in Kraft tretende internationale Liste der Krankheiten gesetzt. In der Schweiz soll der Jugendschutz zusätzlich verstärkt werden, wozu sich der Schweizer Fachverband Sucht gegenüber dem Onlinemagazin "20min.ch" äußerte. Sie fordern beispielsweise eine transparentere Festlegung der Alterslimits. Aktuell dürfen Spielehersteller dies selbst organisieren. Um das Alterslimit festzulegen, müssen derzeit Spiele zum Beispiel nicht auf ihre Suchtgefahr geprüft werden, dies kritisiert der stellvertretende Generalsekretär des Verbandes, Manuel Herrmann.

Achtung Suchtgefahr

Schon 2017 legte eine Expertise der Universität zu Lübeck Merkmale fest, die besonders suchtfördernd sind:

  • Der Spielerfolg hängt bedeutsam von sozialen Interaktionen ab.
  • Es werden zahlreiche Formen von Belohnungen aus verschiedenen Kategorien genutzt.
  • Das Belohnungssystem ist sehr komplex und hat einen hohen Grad an Unvorhersagbarkeit.
  • Das Belohnungssystem ist anfangs konstant wird aber später weniger
  • Spielunterbrechungen wirken sich negativ auf den Erfolg des Spielers aus
  • Es gibt Bezahlsysteme, sowie die Möglichkeit von Erwerb und Verkauf von Spielgütern

All diese Punkte treffen zum Beispiel auf das beliebte Spiel "Fortnite" zu, weshalb der Schweizer Psychologe Franz Eidenbenz sogar soweit geht und "Fortnite" mit Heroin gleichsetzt. Er fordert Warnhinweise auf Spielen, da Altersbegrenzungen oft nicht eingehalten würden. Eidenbenz schätzt, dass zehn Prozent aller 14-18-Jährigen spielsüchtig sind. "Die meisten Suchtfälle haben wir bei Fortnite", sagte er gegenüber "20min.ch".

Games als Kulturgut

Für ein Verbot von Videospielen sind allerdings weder der stellvertretende Generalsekretär des Schweizer Fachverbandes Sucht, noch der Psychologe. 99 Prozent der Spielenden hätten kein Suchtproblem, weshalb sich beide auch gegen eine Stigmatisierung oder Verbote aussprechen. "Games sind zu einem Kulturgut geworden", sagt Eidenbenz. "Wir müssen den Nutzen der Games optimieren und die Risiken minimieren."

Quelle: "20min.ch"

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