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Psychische Gesundheit: Das Impostor-Phänomen: Habe ich meinen Erfolg verdient – oder bin ich ein Hochstapler?!

Wenn sich deine Erfolge wie pure Hochstapelei anfühlen, dann leidest du vermutlich am sogenannten "Impostor-Phänomen". Was genau es damit auf sich hat und was du dagegen tun kannst, erfährst du in unserer Fotostrecke zum Thema.

Von Flavia Klingenhäger

Neon-Schrift "Slow Down" und Frau mit ernstem Gesicht.

Anforderungen korrigieren

Versuche, die Maßstäbe, die du dir selbst setzt, mal ein bisschen herunterzuschrauben. Das, was du von dir selbst erwartest, erwartest du vermutlich von niemandem sonst – weil dir bewusst ist, dass du sie damit unter Druck setzen würdest. Und weißt du was? Das Gleiche lösen deine hohen Ansprüche auch bei dir selbst aus, denn: Du bist, genau wie alle anderen, auch "nur" ein Mensch. Klar, Fehler machen findet niemand cool. Aber: Nobody (!!) is perfect. Versuche, ein neutraleres Verhältnis zu möglichen Fehlern zu entwickeln und sie eher als Herausforderung als ein Karriere-Aus zu sehen.

Unsplash

Schwitzige Handflächen, zehn Minuten Redezeit und weiche Knie: Meine mündliche Abi-Prüfung in Kunst ist jetzt fast ein Jahr her. Ich kann mich daran erinnern, als ob das Ganze keine zwei Wochen her wäre. In keine andere Präsentation habe ich bisher so viel Arbeit und Herz und Mühe investiert. Ich hatte tatsächlich richtig Spaß während der Vorbereitung, und ich hatte das Gefühl, die Sache echt gut im Griff zu haben.

Am Tag der Prüfung haben sich meine Knie dann aber mehr nach zu lange gekochten Nudeln angefühlt und meine Herzfrequenz war auf gefühlt 180. Na ja, Augen zu und durch oder so – die Prüfung ist schneller vergangen, als ich gucken konnte. Und plötzlich hatte ich das Gefühl, dass ich da gerade die Definition des Wortes "schlecht" vor mich hingeredet hatte.

Note 1,0? "Da hab ich wohl einfach Glück gehabt!"

Als mir die Prüfer dann meine Note verkündet haben, musste ich mich erstmal setzen. Konnte gar nicht glauben, was ich da hörte. Und anstatt mich wie verrückt über meine verdammte 1,0 zu freuen, war mein erster Gedanke: "Oh, da hab ich wohl einfach Glück gehabt, die Prüfer haben bestimmt super Laune heute."

Heute denke ich mir hingegen nur: "What the Hell!" Anstatt das Ganze anzunehmen und mich darüber zu freuen, dass meine harte Arbeit erfolgreich war, konnte ich gar nicht mehr aufhören, meine Leistung herunterzuspielen. Ich hatte das Gefühl, diesen Standard von nun an in ALLEM halten zu müssen, weil ich sonst als Hochstaplerin entlarvt werden würde. Und dann für immer in Ungnade bei allen meinen Mitmenschen fallen würde, weil ich ja so unendlich fake bin.

Wenn du dir jetzt denkst "Hm, das Szenario kommt mir irgendwie bekannt vor" – herzlich willkommen im Impostor-Phänomen-Club. Dass du definitiv Teil dieses Clubs bist, merkst du daran, dass du zwar vermutlich in dem, was du tust, sehr erfolgreich bist (egal, was das ist), dafür aber nur den Zufall verantwortlich machst. Du stellst sehr hohe Ansprüche an dich selbst, glaubst, dass dich alle maßlos überschätzen und hast massive Angst davor, Fehler zu machen und – um Himmels Willen! – auch noch darauf angesprochen zu werden. Du bist aber nicht allein damit. Und, was noch viel wichtiger ist: Sobald man den Feind erkannt hat, ist es viel einfacher, ihn zu besiegen.

Und was ist das jetzt genau?

Was sich erstmal anhört wie ein Zauberspruch von Mr. Potter persönlich, ist in Wahrheit ein weit verbreitetes psychologisches Phänomen. Erstmalig erforscht und eingeführt wurde der Begriff – zu Deutsch: Hochstapler-Phänomen – in den 70er-Jahren von den amerikanischen Psychologinnen Pauline R. Clance und Suzanne A. Imes. Die beiden Forscherinnen beobachteten, dass viele sehr erfolgreiche Frauen glauben, dass sie nicht besonders intelligent seien und ihre Leistungen von anderen schlichtweg überschätzt würden.

So entkräftete beispielsweise eine Professorin ihren beruflichen Erfolg mit dem Einwand: "Ich bin nicht gut genug, um an dieser Fakultät zu arbeiten. Im Auswahlprozess muss ein Fehler aufgetreten sein." Als klinische Symptome werden in dieser Studie allgemeine Ängstlichkeit, fehlendes Selbstvertrauen, Depression und Frustration aufgrund der nicht erreichbaren eigenen Standards genannt. Das biologische Geschlecht hat aber gar keinen signifikanten Anteil daran, ob jemand am Impostor-Phänomen leidet oder nicht. Die Anfälligkeit hängt viel stärker damit zusammen, ob sich jemand stereotypisch weibliche Attribute zuschreibt oder eben nicht. Menschen, die sich selbst als empathisch und feinfühlig wahrnehmen, neigen eher zum diesem Phänomen, ganz egal welches Geschlecht sie haben.

Eigentlich kann es jeden treffen, am häufigsten stolpert man aber in akademischen Berufen und im Hochschulbereich darüber. In jüngeren Studien wird deutlich, dass besonders Personen mit hohem Bildungsniveau von diesem Syndrom betroffen sind: Zwei Drittel aller deutschen Ärzte und jeder zweite Student fühlen sich gelegentlich als Hochstapler. Wenn so viele Leute mehr oder minder unter dem Impostor-Phänomen leiden, warum hört man dann nicht viel mehr darüber?

Es fehlt an Aufklärung über dieses Thema – gerade weil die damit verbundenen Versagensängste in unserer leistungsorientierten Gesellschaft leider immer noch ein viel zu großes Tabu-Thema sind. Wir müssen in den offenen Dialog gehen, um die Thematik nach und nach zu entschamifizieren. Das Hochstapler-Phänomen ist keine Krankheit – obwohl es im Volksmund oft "Impostor-Syndrom" genannt wird – sondern ein psychologisches Phänomen, ein verinnerlichter Dialog, durch den die Leute denken, sie seien nicht gut genug. Dieses belastende Denkmuster, manifestiert sich in verschiedenen Menschen ganz unterschiedlich– man unterscheidet allgemein zwischen fünf Typen.

Das Naturtalent

Du musst für deinen Erfolg nicht endlos schuften, sondern es läuft irgendwie ganz von selbst. Und gerade deshalb hast du das Gefühl, dass du deinen Erfolg nicht verdienst: Weil die meisten deiner Menschen für die gleichen Ergebnisse richtig schuften müssen. Naturtalente sind besonders häufig vom Impostor-Phänomen betroffen.

Der Perfektionist     

Du gibst immer 250 Prozent, optimierst alles bis ins kleinste Detail und lässt nicht mal eine Haaresbreite Raum für Fehler (die übrigens – surprise! – völlig menschlich und okay sind). Aus Angst, "enttarnt" zu werden, perfektionierst du alles, um keine Angriffsfläche zu bieten.

Der Einzelgänger

Du lehnst alle Hilfe ab und erledigst deine Aufgaben lieber alleine, um deiner Umwelt und vor allem dir selbst zu beweisen, dass du sehr wohl alleine klar kommst und kein Hochstapler bist.

Der Experte

Du hast unzählige Bücher über deinen Job oder deinen Studiengang im Regal stehen, besuchst regelmäßig Events zum Thema und liest jedes Buch darüber, das du in die Finger bekommst. Du bist ein absoluter Experte auf deinem Gebiet, damit bloß keiner deine "Unfähigkeit" bemerkt.

Das Arbeitstier

Du machst regelmäßig Studien, meldest dich freiwillig für Extra-Aufgaben und arbeitest besonders viel und immer so lange wie möglich, auch wenn dich das an den Rand deiner Energiereserven bringt. Durch diese zusätzliche Arbeitslast versuchst du, das Gefühl der eigenen Unzulänglichkeit zu überspielen.

Viele Wissenschaftler sind davon überzeugt, dass hinter dem Phänomen häufig negative Kindheitserfahrungen stecken. Diese Menschen haben zum Beispiel im Elternhaus gelernt, dass sie nur geliebt werden, wenn sie permanent bestimmte Leistungen erzielen. Motto: Wir sind nur stolz auf dich, wenn du sehr hohe Ziele erreichst. Klappt das, bekommst du eine Belohnung. Klappt es nicht, gibt es auch keine Anerkennung. Entsprechend schwach ist ihr Selbstvertrauen ausgeprägt.

Typisch für am Impostor-Phänomen leidende Menschen sind häufig auch drei massive Wahrnehmungsfehler: Eine überdimensionierte Vorstellung von Kompetenz, eine komplexe Meinung zu Erfolg sowie eine große Furcht vor negativer Kritik von anderen.

Auch wenn dir jetzt vielleicht erstmal der Kopf brummt und dir ein bisschen schlecht ist – keine Sorge. Der wichtigste Schritt ist schon geschafft: Du hast den Feind entlarvt. Und der bist auf keinen Fall du selbst, sondern deine Selbstzweifel. Wir haben ein paar Tipps zusammengestellt, die dir helfen können, besser mit dem Phänomen umzugehen oder es im besten Fall komplett zu überwinden.

Ganz wichtig an dieser Stelle: Wenn du dich von deinen Selbstzweifeln so stark eingeschränkt fühlst, dass sie sich in Form einer ernsten psychischen Erkrankung manifestieren, solltest du nicht davor zurückscheuen, dir professionelle Hilfe zu suchen!

Themen in diesem Artikel
kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(