HOME

Hannah Gavios: Frau will Angreifer entkommen und bricht sich die Wirbelsäule – jetzt läuft sie einen Marathon

Vor zwei Jahren stürzte Hannah Gavios auf der Flucht vor einem Angreifer in die Tiefe und brach sich dabei die Wirbelsäule. Doch nun übertrifft sie alle Erwartungen.

Hannah Gavios nach der Attacke

Hannah Gavios nach der Attacke – auch zwei Jahre später kann sie ihre Füße noch nicht spüren

Als Hannah Gavios 2016 am Boden einer Klippe in Thailand lag, hätte sie wohl nie gedacht, dass sie eines Tages den New Yorker Marathon bestreiten würde. Und tatsächlich ist das eine kleine Sensation. Denn Hannah hat in den letzten zwei Jahren viel durchgemacht.

2016 war die junge Amerikanerin 23 Jahre alt und reiste als Englischlehrerin durch Südostasien. Eines Abends in der thailändischen Provinz Krabi ging sie in einen Laden, um nach einer Wegbeschreibung zurück in ihr Hotel zu fragen. Ein 28-jähriger Anwohner bot an, sie zu führen – stattdessen brachte er sie jedoch in eine bewaldete Gegend und versuchte dort, Hannah sexuell zu belästigen. Sie gab damals an, ihn geschlagen und gebissen zu haben und dann in der Dunkelheit geflüchtet zu sein, wobei sie von einer Klippe fiel und sich kurz darauf am Boden wiederfand – regungslos, da sie sich bei dem Sturz die Wirbelsäule gebrochen hatte.

Sie brach sich die Wirbelsäule – er belästigte sie weiter

Ihr Angreifer, der kurz nach der Attacke zu einer fünfjährigen Gefängnisstrafe verurteilt wurde, behauptete laut der "Phuket News" gegenüber Polizeibeamten, er habe sich nach dem Sturz auf die Suche nach der Amerikanerin gemacht und sie zwischen Geröll etwa 45 Meter unterhalb des Wanderwegs gefunden. Dort habe er noch einmal versucht, sie anzufassen, doch sie habe ihn gebissen, woraufhin er die Flucht ergriffen habe.

Hannah wiederum erinnert die Geschichte ganz anders. Gegenüber der "New York Post" sagt sie, der Mann habe sie gefunden und dann weitere zehn Stunden missbraucht, bis sie schließlich von Anwohnern entdeckt wurde.

Im Krankenhaus angekommen, habe man ihr nicht viel Hoffnung gemacht, jemals wieder laufen zu können: "Die Ärzte waren ziemlich pessimistisch. Ich hatte große Angst, dass ich nie wieder laufen oder meine Beine bewegen würde." Einige Not-OPs und drei Wochen später haben man sie dann in ein Krankenhaus in ihrer Heimat New York verlegt und knapp zwei Monate später nach Hause entlassen. Hannah: "Ich war so wackelig auf den Beinen, dass meine Mutter ohnmächtig geworden ist. Es war gruselig, meine Muskeln verkümmern zu sehen."

"Der Marathon sollte kein Problem sein"

Nach knapp einem Jahr intensiver Physiotherapie habe sie schließlich gelernt, mit Krücken und Beinschienen zu laufen. Darauf ist sie immer noch angewiesen, da sie ihre Füße und Knöchel noch immer nicht spüren kann. Doch Hannah denkt gar nicht ans Aufgeben und hat es sich nun zum Ziel gemacht, am 4. November am New Yorker Marathon teilzunehmen: "Ich werde ein vollfunktionaler Mensch sein – ich will nicht das Gefühl haben, dass ich nicht mehr hinterherkomme." 

Für dieses Ziel trainiert die junge Grafikdesignerin bis zu sechs Stunden und 16 Meilen am Tag. "Wie lange ich am Ende brauche, ist mir eigentlich egal. Vielleicht werden es am Ende über zwölf Stunden, aber ich will das Rennen beenden." Und sie ist sicher, dass sie durchhalten wird: "Wenn ich all diese Stunden der Folter durchgestanden habe, sollte dieser Marathon kein Problem sein." YOU GO, GIRL!

Menschrechtsaktivistin Amal Fathhy: Ägypterin klagt sexuelle Belästigung an – jetzt sitzt sie im Knast
jgs