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Aminata Belli über PMS: "Ich bin ja gar nicht verrückt!" – Warum fast alle Frauen diesen einen Moment kennen

Jeden Monat das Gleiche: Reizbarkeit, Unwohlsein, schlechte Haut und Heißhunger – und trotzdem kommen die Selbstzweifel. Die Moderatorin und Modejournalistin Aminata Belli über diesen einen Moment, den viele Frauen kennen. 

Ein Gastbeitrag von Aminata Belli

Aminata Belli

Jeden Monat das Gleiche - und trotzdem sind wir oft überrascht. NEON-Gastautorin Aminata Belli (oben rechts) über ein Alltags-Phänomen vieler Frauen.

Du bist verzweifelt, überemotional, extrem reizbar, verwirrt, sentimental – und das alles auf einmal? Fragst dich, wohin du mit deinem Leben willst und wohin das Leben mit dir gerade geht? Kleinigkeiten werden zu Streitigkeiten und deine Liebsten missverstehen dich nonstop? Gestern hast du dich endlich erwachsen gefühlt – und heute wirst du mit Schallgeschwindigkeit in die Pubertät zurück geschleudert? Ich auch! Bis plötzlich mein Handy  aufleuchtet – zwischen heulend Hundewelpen googeln und die Fragen des Lebens nicht beantworten können – und die App "Flo" mir mitteilt, dass mein nächster Zyklus in fünf Tagen startet. Ahhhh! Mein nächster Zyklus. Wow. Alle Emotionen fallen mir wie Schuppen von den Augen und plötzlich habe ich die gleiche Erkenntnis wie vor 28 Tagen: Ich bin weder schwanger, noch verrückt, ich bekomme einfach meine Tage!

Uff. Was nach einem TV-Drama à la "Confessions einer Wahnsinnigen" klingt, ist Studien zufolge Realität für dreiviertel aller Frauen im gebärfähigen Alter. Für 25 Prozent davon ist das Ganze richtig übel und läuft im Abendprogramm unter dem Kürzel PMS. Das Kuriose: Es überrascht uns immer wieder. Wie kann das sein? Wenn ich nach einer durchzechten Nacht mit Kopfschmerzen aufwache, muss mich niemand an die Ursache erinnern, sondern ich begrüße den altbekannten Freund Herrn Kater direkt mit Ibuprofen und Zitronenwasser (das ich im besten Fall schon wohlwissend vorbereitet habe).

Hallelujah – es gibt einen ganz banalen Grund für die schlechte Stimmung!

Dass nicht nur ich jeden Monat wieder kurz brauche, um mich an den Grund meiner Stimmungsschwankungen zu erinnern, zeigen mir die vielen Reaktionen und Nachrichten, die ich auf Instagram zu dem Thema erhalten habe: "Genau das dachte ich mir gestern Abend, als ich heulend im Bett lag." oder "#storyofmylife" – yes, we’re in this together, girls!

Wenn der Bauch also so aufgebläht ist, wie die Gedanken, die wir uns machen, und das Gesicht aussieht wie der Streuselkuchen, von dem wir Dank Heißhungerattacken direkt zwei Stücke nehmen, dann müssen wir das wohl oder übel akzeptieren. Wichtig ist es, Verständnis zu schaffen. Für einen selbst, dass man nicht jeden Monat einmal denkt, man würde langsam aber sicher in eine unbegründete Depression abdriften. Für den Partner, um eine Trennung zu vermeiden (alles schon gesehen). Für den Liebhaber, um ein mögliches Ende des Lieb-Habens vorzubeugen. Für Arbeitskollegen, Familienmitglieder, ADAC-Mitarbeiter oder fremde Kinder auf der Straße. Denn wenn wir den Grund dafür kennen, ist die schlechte Laune gleich nur noch halb so wild.

Meine Taktik: Den eigenen Körper besser kennenlernen

Was bleibt ist die Hoffnung auf Erkenntnis und Verständnis und der Wille, den eigenen Körper noch besser kennen zu lernen. Damit wir eines Tages mit dem Bewusstsein durchs Leben  gehen, dass da einfach wieder ein paar Hormone sind, die Kasperletheater spielen wollen. Was laut Berufsverband der Frauenärzte sonst noch helfen soll: wenig Koffein, kein Alkohol und Ausdauersport. Klingt für mich nicht besonders anziehend. Meine Taktik: Dank Smartphone meinen Rhythmus besser kennenlernen, den fabelhaften Kurzfilm "Bloody Hell" von Katharina Hingst allen Menschen zeigen, die ich kenne, mich dabei über meine extra prallen Brüste freuen und wissen, dass es ja nur eine Phase ist und ich gar nichts dafür kann. Und du auch nicht.

Periode und Sex

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