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Ganz egal wie gepflegt: Podophobie: Ich ekele mich vor Füßen – und kann nichts dagegen tun

Endlich Herbst bedeutet für unsere Autorin vor allem eins: keine Flip-Flops mehr! Denn dank Podophobie ekelt sie sich schon ihr Leben lang wahnsinnig vor Füßen – ganz egal, wie gepflegt sie sind.

Füße

Ganz egal, wie gepflegt – bei Füßen versteht unsere Autorin keinen Spaß!

Unsplash

Während der Rest der Welt weint, dass der Sommer nun endgültig vorbei ist, feiere ich seit einigen Wochen innerlich eine kleine Party. Denn Herbst bedeutet zwar das Ende von lauen Sommernächten auf dem Balkon und süßen Sommerkleidern, aber gemeinsam mit denen wird noch etwas ganz anderes für mindestens sieben Monate in die hintersten Ecken des Schrankes und meiner Erinnerung verbannt: Flip-Flops, Schlappen und Sandalen.

Es gibt für mich nichts Schöneres, als am Morgen in der U-Bahn um mich zu schauen und keinerlei nackten Füße um mich herum zu sehen. Keine behaarten Zehen, keine ungepflegten Zehennägel, keine verhornten Fersen – und so generell: Keine Füße! 

Podophobie – Die Angst vor Füßen

Denn ich leide unter etwas, das sich "Podophobie" nennt. Die Angst vor Füßen. Und ja, ich sage jetzt einfach mal "leiden", denn ganz ehrlich: Schön ist das nicht. Wenn Menschen sich an den nackten Füßen rumprokeln und dann irgendwelche Sachen anfassen, oder am besten noch mich anfassen wollen, dreht sich mir der Magen um. Ich stelle mir vor, wie der dünne Schweißfilm, der da unten unweigerlich kleben wird, jetzt auf die Hände übertragen wurde und von denen durch die Welt getragen und in meinem Umfeld verbreitet wird.

Dass die kleinen verklebten Fussel, die sie sich gerade zwischen den Zehen rausgesammelt haben, irgendwie auf meinen Klamotten oder meiner Haut landen und mir dann bis zur nächsten Dusche fiese Sachen ins Ohr raunen: "Wir sind eine Mischung aus Schweiß und toter Haut. Auf uns wurde den ganzen Tag rumgelaufen. Hast du mal eine richtig stinkige Socke gerochen? Mmmmhm! Genau so!" Schon bei dem Gedanken wird mir schlecht.

Mir doch egal ob die sauber sind

Und da reden wir ja jetzt noch nicht einmal von besonders ekligen Füßen. Eine Freundin von mir will immer, wenn sie bei mir übernachtet, ihre Füße irgendwo bei mir parken. "Die sind so kaaaaalt", sagt sie dann. Zieh dir Socken an, sage ich. "Aber die sind doch sauuubeeeer", sagt sie. Nicht. Der. Punkt. Ich leg ihr doch auch keine Spinne auf den Kopf und sage dann: "Du, keine Sorge, hab ich grad desinfiziert." Ich habe nie behauptet, dass mein Ekel in irgendeiner Form rational ist. Aber er ist sehr, sehr real.

Und dass es dann auch noch richtig eklige Füße gibt und Nagelpilz (der auf Werbung auch irgendwie IMMER in Full-HD gezeigt werden muss?!) macht es nicht besser. Ich war mal in einem ziemlich kleinen Nagelstudio und musste auf dem Weg nach draußen über etwas steigen, was sich beim zweiten Blick als ein Häufchen abgeschabte Fersenhaut herausstellte. Ich hätte denen beinahe in den Laden gekotzt. Kein Mist.

Und als wir vor Kurzem in einem Café saßen, in dem aus mir völlig unerfindlichen Gründen ein Mitarbeiter an der Bar saß, der es für nötig empfand, sich die Schlappen von den Füßen gleiten zu lassen, habe ich ungelogen eine Stunde nur noch durch den Mund geatmet. Die Luft wurde dicker, der Geruch der Fußsohlen waberte – zumindest gefühlt – durch den ganzen Raum. Ist das Einbildung? Vermutlich. Ist es dadurch weniger schlimm? Nope.

Baby-Füße sind okay – zumindest eine Weile

Manchmal träume ich von Füßen. Besonders dann, wenn sich mal wieder jemand besonders witzig fand und mir unerwartet mit einem Mal seine Zehen entgegengestreckt hat. Am besten noch ins Gesicht. Das mag sich ja keiner vorstellen können, aber wenn mich jemand mit seinem Fuß berührt, kann ich noch viel zu lange nachfühlen, wo genau das war. Weil es da warm ist und meine Haut sich auch durch die Klamotten irgendwie schmierig anfühlt. Das muss ich dann mit einem Tuch oder, wenn's sein muss, dem Ärmel vom Oberarm wegrubbeln. Geht nicht anders.

Erklären kann ich es nicht. Wie gesagt, ich glaube, dass es irgendwas mit dem Schweißfilm zu tun hat und der Tatsache, dass die Dinger den ganzen Tag belastet werden. Denn Baby-Füße sind okay. Bis sie anfangen zu laufen. Dann Ciao Kakao, danke nein, bleib mir fern. Vielleicht liegt es auch daran, dass sie aussehen wie stummelige Beinhände. Who knows. Aber dass damals beim Test im "Berufsinformationszentrum" bei mir "Podologe" rauskam, war original der beste Witz, den ich je gehört hatte.

Deswegen möchte ich jetzt ein für alle Mal sagen – sollte ich dich mal bitten, in meiner Wohnung Socken anzuziehen oder dir die Hände zu waschen, nachdem du dir an den Füßen rumgefummelt hast : Nein, es liegt nicht an dir. Ja, ich glaub dir sofort, dass du regelmäßig zur Pediküre gehst. Nein, ich ekele mich nicht vor dir – nur vor deinen Füßen. I'm sorry. I can't. Don't hate me.

P.S.: Ich muss jetzt übrigens bei der Bildagentur nach einem angemessenen Artikelfoto von Füßen suchen und grusele mich jetzt schon. Ein bisschen Anerkennung wär also lieb. Danke.

Eine junge Frau mit Blonden Haaren sitzt auf einem Bett und zieht sich ihre zweite, warme Socke an

 

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