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Igitt! Podophobie: Ich ekele mich vor Füßen – und kann nichts dagegen tun

Füße
Ganz egal, wie gepflegt – bei Füßen versteht unsere Autorin keinen Spaß!
© Frank Vex / Unsplash
Sommer und heiße Temperaturen bedeutet für viele Menschen: weg mit den Turnschuhen und her mit den Flip-Flops! Ein Horror, wenn man unter Podophobie leidet und sich schon sein Leben lang vor Füßen ekelt – ganz egal, wie gepflegt sie sind.

Dieser Artikel erschien bereits am 9. November 2018 auf NEON.de. Zum US-Gedenktag "Ich liebe meine Füße" am 17. August 2020 haben wir ihn noch einmal publiziert.

Sommer, Sonne, Sonnenschein! Während der Rest der Welt sich unbändig über die sommerlichen Temperaturen freut, kann ich nicht anders, als eine kleine innerliche Vorfreude auf kühlere Zeiten zu verspüren. Denn Herbst bedeutet zwar das Ende von lauen Sommernächten auf dem Balkon und luftigen Sommerkleidern, aber gemeinsam mit denen wird dann noch etwas ganz anderes für mindestens sieben Monate in die hintersten Ecken des Schrankes und meiner Erinnerung verbannt: Flip-Flops, Schlappen und nackte Füße.

Es gibt für mich nichts Schöneres, als den jährlich wiederkehrenden Morgen, an dem ich mich in der U-Bahn umschaue und keine nackten Füße um mich herum sehe. Keine behaarten Zehen, keine ungepflegten Zehennägel, keine verhornten Fersen – und ganz generell: keine Füße! 

Podophobie – die Angst vor Füßen

Ich leide unter etwas, das sich Podophobie nennt, die Angst vor Füßen. Und ja, ich sage jetzt einfach mal "leiden", denn ganz ehrlich: Schön ist das nicht. Wenn Menschen sich an ihren nackten Füßen herumprokeln und danach irgendwelche Sachen anfassen – oder am besten noch mich anfassen wollen – dreht sich mir der Magen um. Ich stelle mir vor, wie der dünne Schweißfilm, der da unten unweigerlich kleben wird, auf die Hände übertragen wurde und von denen durch die Welt getragen und in meinem Umfeld verbreitet wird. 

Dass die verklebten Fussel, die sie gerade zwischen ihren Zehen herausgesammelt haben, auf meinen Klamotten oder meiner Haut landen und mir dann bis zur nächsten Dusche fiese Sachen ins Ohr raunen: "Wir sind eine Mischung aus Schweiß und toter Haut. Auf uns wurde den ganzen Tag herumgelaufen. Hast du mal eine richtig stinkige Socke gerochen? Mmmmhm!" Schon bei dem Gedanken daran wird mir schlecht.

Mir doch egal, ob die sauber sind

Und wir reden jetzt nicht einmal von besonders ekligen Füßen. Eine Freundin von mir will immer, wenn sie bei mir übernachtet, ihre Füße irgendwo bei mir parken. "Die sind so kaaaaalt", sagt sie dann. "Zieh dir Socken an", sage ich. "Aber die sind doch sauuubeeeer", sagt sie. Nicht. Der. Punkt. Ich leg ihr doch auch keine Spinne auf den Kopf und sage dann: "Du, keine Sorge, hab ich grad desinfiziert." Ich habe nie behauptet, dass mein Ekel in irgendeiner Form rational ist. Aber er ist sehr, sehr real.

Und dass es dann auch noch richtig eklige Füße gibt und Nagelpilz (der in der Werbung IMMER in Full-HD gezeigt werden muss) macht es nicht besser. Ich war mal in einem kleinen Nagelstudio und musste auf dem Weg nach draußen über etwas steigen, was sich beim zweiten Blick als ein Häufchen abgeschabte Hornhaut herausstellte. Ich hätte denen beinahe in den Laden gekotzt. Kein Mist.

Und als wir vor Kurzem in einem Café saßen, in dem aus mir völlig unerfindlichen Gründen ein Mitarbeiter an der Bar saß, der es für nötig hielt, sich die Schlappen von den Füßen gleiten zu lassen, habe ich ungelogen eine Stunde nur noch durch den Mund geatmet. Die Luft wurde dicker, der Geruch der Fußsohlen waberte – zumindest gefühlt – durch den ganzen Raum. Ist das Einbildung? Vermutlich. Ist es dadurch weniger schlimm? Nope.

Baby-Füße sind okay – zumindest eine Weile

Manchmal träume ich von Füßen. Besonders dann, wenn sich mal wieder jemand besonders witzig fand und mir unerwartet mit einem Mal seine Zehen entgegengestreckt hat. Am besten noch ins Gesicht. Das mag sich niemand vorstellen können, aber wenn mich jemand mit seinem Fuß berührt, kann ich noch viel zu lange nachfühlen, an welcher Stelle genau das war. Weil es da warm ist und meine Haut sich auch durch die Klamotten irgendwie schmierig anfühlt. Das muss ich dann mit einem Tuch oder, wenn's sein muss, dem Pulloverärmel vom Oberarm wegrubbeln. Geht nicht anders.

Erklären kann ich es nicht. Wie gesagt, ich glaube, dass es irgendwas mit dem Schweißfilm zu tun hat und der Tatsache, dass die Dinger den ganzen Tag belastet werden. Denn Baby-Füße sind okay. Bis die Kleinen anfangen zu laufen. Dann: ciao, Kakao, danke nein, bleib mir fern. Vielleicht liegt meine Abneigung auch daran, dass Füße aussehen wie stummelige Beinhände. Who knows. Aber dass damals beim Test im "Berufsinformationszentrum" bei mir "Podologin" rauskam, war original der beste Witz, den ich je gehört habe.

Deswegen möchte ich jetzt ein für alle Mal sagen – sollte ich dich mal bitten, in meiner Wohnung Socken anzuziehen oder dir die Hände zu waschen, nachdem du dir an den Füßen rumgefummelt hast : Nein, es liegt nicht an dir. Ja, ich glaub dir sofort, dass du regelmäßig zur Pediküre gehst. Nein, ich ekele mich nicht vor dir – nur vor deinen Füßen. I'm sorry. I can't. Don't hate me.


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