HOME
Meinung

Willkommen im Wintertief: Ihr dachtet, der Januar war mies? Februar ist der schlimmste Monat des Jahres

Wir sind mittendrin im dunklen, kalten Winter – aber das Schlimmste kommt jetzt erst. Jedes Jahr ist der Februar das monatgewordene Wintertief. Nur einen Lichtblick gibt es. 

Ein Mann sitzt allein auf einer Bank und raucht

Im Februar fallen viele Menschen in ein Loch 

Pexels

Es gibt Menschen, die sich sehr eingehend Gedanken darüber gemacht haben, was denn wohl der schlimmste Tag des Jahres sei. Der britische Psychologe hat den "Blue Monday" zum traurigsten Tag des Jahres gekürt: Mit einer kompliziert aussehenden, in Wirklichkeit aber wenig belastbaren Rechnung wollte er nachgewiesen haben, dass am dritten Montag im Januar das Leben am düstersten sei. Andere vergeben diese zweifelhafte Auszeichnung an den 21. Dezember, den dunkelsten Tag des Jahres. 

Sie liegen alle nicht weit daneben, aber eben doch falsch. Es gibt sogar einen besonders schlimmen Monat im Jahr – und das ist der Februar. Nie ist die Welt trister, nie ist man erleichterter, einen Monat überstanden zu haben. Das ist euch noch nie aufgefallen? Ist aber so.

Im Februar schlägt die Winterdepression zu

Dass der schlimmste Monat des Jahres ein Wintermonat sein muss, ist hoffentlich klar. Die Abwesenheit von Sonne, Wärme und Vitamin D, die Dunkelheit und Kälte vermiesen vielen Menschen nachhaltig die Stimmung. Im Februar scheint der Winter zwar schon fast überstanden, es ist zumindest ein Ende in Sicht. Es wird zumindest etwas heller, die Tage sind länger. Und trotzdem schlägt im Februar die Winterdepression noch einmal so richtig zu.

Das liegt vor allem am Drumherum. Da hat der Februar wirklich Pech gehabt: Unschuldigerweise hat er nur Schnee, Regen, Kälte, grauen Himmel und Dunkelheit abbekommen, aber kein einziges Großereignis. Außer dem Valentinstag und für manche Menschen Karneval, aber das sind noch einmal zwei Themen für sich. Der November ist (auch wegen der Erderwärmung) oft noch relativ erträglich, man zehrt noch ein wenig vom schönen Herbst. Im Dezember hat man gar keine Zeit, sich zu viele schwere Gedanken zu machen: Advent und Weihnachten lenken ab, zum Jahresende ist noch einmal viel zu tun, die Lichter heben die Stimmung eventuell noch ein wenig, es gibt Schokolade, viel Essen, Geschenke und dann kommt ja noch Silvester.

Die Vorsätze sind aufgegeben – willkommen im Alltag!

In den Januar geht man an Neujahr vielleicht noch etwas verkatert, dann aber voller Motivation. Mit guten Vorsätzen, dank derer man zwei Wochen lang sogar ein bisschen stolz auf sich ist. Und mit der Sicherheit, dass das jetzt auf jeden Fall mein Jahr wird. Die Vorsätze sind bald wieder in den Wind geschossen, überraschenderweise hat sich die eigene Disziplin über den Jahreswechsel nicht multipliziert. Genauso ist nach den ersten zwei, drei Wochen klar, dass wir auch dieses Jahr nicht komplett im Höhenflug zubringen werden.

Ja, und dann kommt halt der Februar, in dem man endgültig auf dem Boden der Tatsachen landet, in dem "grauer Alltag" keine Plattitüde, sondern Wirklichkeit ist. Dann gibt's nur noch Schokolade, Serien und The National (oder eine andere chronisch traurige Band) im Bett. Aus diesen Gründen wird der Februar in der Filmindustrie auch (zusammen mit dem Januar) als dump month bezeichnet – ein Monat zum Vergessen, denn wer will da schon raus und ins Kino gehen. Ein Monat im Energiesparmodus.

Das wussten anscheinend schon die alten Römer. Deren Kalender haben wir immerhin einen Lichtblick im Februar zu verdanken: Der schlimmste Monat des Jahres ist auch der kürzeste mit 28 bzw. in Schaltjahren mit 29 Tagen. Aber die muss man erst einmal überstehen.

Eine Frau läuft mit ihrem Hund an der Leine über eine mit Raureif überzogene Wiese. Hinter ihr steht niedrig die Wintersonne
Themen in diesem Artikel