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Online-Dating KI scannt Nachrichten: So will Tinder Belästigung verhindern

Tinder ermittelt mittels einer künstlichen Intelligenz eine unangemessene Wortwahl und warnt den User, bevor er die Nachricht abschickt
Tinder ermittelt mittels einer künstlichen Intelligenz eine unangemessene Wortwahl und warnt den User, bevor er die Nachricht abschickt
© Imago Images
Eine neue Funktion der Dating-App Tinder soll Belästigungen und Cybermobbing verhindern, bevor sie entstehen. Die Integration funktioniert über eine künstliche Intelligenz und wird auch bald in Deutschland verfügbar sein.

Wurde Online-Dating noch vor einigen Jahren Sozialphobikern und Freaks jeglicher Art zugeschrieben, ist es heute total gängig, seinen Partner im Internet kennenzulernen. Doch nur, weil sich mittlerweile auch dein Nachbar Profile bei diversen Dating-Apps zugelegt hat, bekommt man trotzdem nicht weniger verstörende oder beleidigende Nachrichten. Ja, Cybermobbing ist auch bei Dating-Plattformen ein Thema – die App Tinder versucht schon seit Jahren dagegen vorzugehen und die Sicherheit seiner Nutzer zu wahren.

Der berühmte "Swipe"

Die Nutzung von Tinder ist ohnehin schon auf Sicherheit ausgelegt. Erst wenn beide Parteien mit einem "Swipe", also mit einem Wisch nach rechts, ein gegenseitiges Gefallen signalisieren, dürfen sie sich anschreiben. Das verhindert, dass man unverhofft von Nutzerinnen und Nutzern belästigt wird. Und trotzdem ist man nicht vor anzüglichen oder frechen Nachrichten geschützt. Schließlich hat leider nicht jeder User unbedingt eine gute Absicht – und das sieht man der Person nicht über das Profilfoto an.

Daher hat Tinder jetzt mit "Are You Sure" (Deutsch: "Bist du dir sicher?") eine Funktion integriert, die auf Basis einer künstlichen Intelligenz die Belästigung schon im Vorfeld verhindern soll. Dabei handelt es sich um eine Echtzeit-Warnung die den Absender auffordert, die verfasste Nachricht lieber noch einmal zu überdenken. Die KI-Technologie dahinter warnt den Verfasser, dass die Nachricht beleidigend sein könnte. Sie basiert auf den in der Vergangenheit durch Tinder-Mitglieder gemeldeten Reports und wird im Laufe der Zeit mit immer mehr Daten gefüttert. Noch gibt es das Feature nur in den USA, aber auch die deutsche Version der App soll damit bald ausgestattet werden.

Teil der "Trust & Safety"-Tools

Im Laufe der Zeit hat Tinder insgesamt zehn Funktionen eingeführt, die für die Sicherheit seiner Userinnen und User sorgen sollen. Dazu gehört zum Beispiel eine Foto-Verifizierung oder auch die Einführung des Video-Chats, über den User erst einmal telefonieren können, ohne vorzeitig die eigene Telefonnummer herausgeben zu müssen. Gleichzeitig erkennt die App auch, wenn man seine Nummer öffentlich in sein Profil postet und löscht diese dann automatisch. Vor kurzem wurde in Deutschland auch die Funktion "Does this bother you?" (Deutsch: "Stört dich das?") integriert.

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"Does this bother you?” erscheint als Frage in einem Nachrichtenfenster, wenn Mitglieder eine potenziell anzügliche Nachricht erhalten haben und das System eine unangemessene Wortwahl entdeckt. Antwortet jemand mit "Ja" auf die "Stört dich das?"-Nachricht, hat das Mitglied die Möglichkeit, den Absender für sein Verhalten zu melden. Dieses Feature hat zu einem Anstieg solcher Meldungen von 46 Prozent geführt.

User überdenken ihr Verhalten

Die ersten Daten in den USA haben gezeigt, dass Mitglieder, die eine "Are You Sure?"-Aufforderung bekommen haben, im darauffolgenden Monat seltener wegen unangebrachter Nachrichten gemeldet wurden. Das deutet darauf hin, dass die Funktion nicht nur Einfluss auf die aktuelle Nachricht hat, sondern nachhaltig das Verhalten beeinflusst. Wann die Funktion in Deutschland verfügbar sein wird, konnte auf Nachfrage leider noch nicht beantwortet werden.

Quelle: Tinder


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