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Kolumne

Der NEON-Dreier: Virtual-Reality-Pornos gibt es jetzt extra für Frauen. Also habe ich einen getestet.

Unsere Autorin sollte das Gefühl bekommen, mit zwei Männern auf einem Bett im Nebenzimmer einer Party gelandet zu sein. Statt Lust drängte sich bei ihrem ersten Virtual-Reality-Porno allerdings eine Frage auf: "Der Körper, an dem ich runtergucke, soll meiner sein?" 

Von Theresa Lachner

Der NEON-Dreier: Virtual-Reality-Pornos gibt es jetzt extra für Frauen. Also habe ich einen getestet.

"Ich fürchte, ich bin in der erotischen Fantasie zweier 16-jähriger Counterstriker gelandet.", schreibt unsere Autorin über Virtual-Reality-Pornos(Symbolbild)

Picture Alliance

180-Grad-Perspektive und mittendrin statt nur dabei - das versprechen Virtual-Reality-Pornos, die inzwischen in der breiten Masse angekommen sind. Viele werden sogar extra für Frauen produziert. Ein Grund zur Freude? Na ja.

"Nach der Orgie" heißt der Film, den ich aussuche, nachdem ich mich auf Elternbesuch in mein ehemaliges Kinderzimmer zurückgezogen habe. Ein Dreier mit zwei Männern. Einfach zu bedienen ist das Ganze immerhin: Filmchen aufs Smartphone laden (ich gehe auf realitylovers.at) und starten, Smartphone in die VR-Brille packen und dann flugs runter mit der Jogginghose. Anders als bei deutlich teureren Versionen kann man bei der Mainstream-Version mit Billo-Brille (um 20 Euro) nur zuschauen, nicht selbst interagieren.

Ein Virtual-Reality-Porno fernab der Realität

Trotzdem soll ich das Gefühl bekommen, ich sei mit zwei Männern auf einem Bett im Nebenzimmer einer Party gelandet. Dazu sehe ich ihnen aus dem Blickwinkel der Frau zu, die sie nach ein paar Komplimenten ("So cute!") betatschen. Der Körper, an dem ich runtergucke, soll meiner sein? Schwer vorstellbar. Er ist gut 30 Kilo leichter als mein tatsächlicher und hat ein Schmetterlingstattoo auf dem Bauch.

Auch die virtuellen Typen im Film wirken auf mich nicht realistisch. Der mit Cappy sieht aus, als würden ihn seine Schulfreunde seit der dritten Klasse "Mike" nennen, und der mit dem BWLer-Hemd, na ja, der nennt sich "Mr. Big Fat Dick". Ich fürchte, ich bin in der erotischen Fantasie zweier 16-jähriger Counterstriker gelandet.

Ich sollte kommen - aber dann kam eine WhatsApp

Als ich gerade überlege, den Spaß zu beenden, ploppt über den beiden eine Whatsapp-Nachricht auf. Meine Mutter will im Familienchat wissen, wer eigentlich zum Abendessen da ist, gibt immerhin Lasagne. Ich nehme meine Hand aus der Jogginghose und mein Handy aus der VR-Brille, um Mama ein paar begeisterte Emojis zurückzutippen.

Die beiden Boys nehmen mir mein Aufmerksamkeitsdefizit nicht übel, sondern tatschen begeistert weiter. Mike fragt aufmunternd: "Dujulaikit?" Rührend. Obwohl ein Dreier mit zwei Typen auf meiner Bucket-List relativ weit oben steht, regt sich beim Anblick der beiden, die mein hageres Ich jetzt abwechselnd penetrieren, genau: nichts. Auch die Figur wirkt gelangweilt, sie liegt immer noch stumm wie ein Fisch da. "Dujuwant tu kamm?", will Mike jetzt wissen an sich schon, aber SO wird das ganz sicher nix. Das ändert sich auch nicht, als die beiden synchron aufs Bauchtattoo kommen und high-fiven. "Let’s gou beck tu se patti", schlägt Mike vor. Die Party, richtig. Lasagne. Beste Idee bis jetzt.

Drei Kolumnisten schreiben im Wechsel: Pascal Schaefers verrät, was man als Escort erlebt. Theresa Lachner probiert neue Praktiken. Und Theresa Bäuerlein fragt Menschen, was ihr Sexleben gerettet hat.

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