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Neues Gerät: Kommt Apples nächstes großes Ding aus Deutschland?

Virtual Reality gilt als Megatrend, fast alle großen Hersteller bieten eigene Geräte an. Nur einer hält sich bislang zurück: Apple. Angeblich will der iPhone-Konzern in den Brillenmarkt einsteigen - und soll sich dafür einen Partner aus Deutschland gesucht haben.

Apple Tim Cook iPhone EU

Ist Apples nächstes großes Ding eine Brille?

DPA

Wenn Apple-Chef Tim Cook in diesem Jahr auf die Bühne tritt, um ein völlig neues Produkt anzukündigen, könnte es sein, dass man es zunächst gar nicht als solches erkennt. Womöglich muss man erst ganz genau hinschauen, um zu entdecken, dass an seiner Brille etwas anders ist als sonst. Denn nachdem die Technikwelt lange rätselte, was das nächste große Ding aus Cupertino wird, verdichten sich nun die Hinweise, dass in Apples Geheimlaboren an einer neuartigen Datenbrille gebastelt wird.

Und nicht nur dort: Schützenhilfe bekommt der Konzern aus Cupertino offenbar aus dem beschaulichen Aalen in der Schwäbischen Alb. Einem Bericht des US-Autors und Bloggers Robert Scoble zufolge arbeitet Apple gemeinsam mit dem deutschen Traditionsunternehmen Carl Zeiss an einer Datenbrille. Das sollen gleich mehrere Zeiss-Mitarbeiter auf der Technikmesse CES hinter vorgehaltener Hand bestätigt haben. Glaubt man den Berichten, soll Apple das Gadget bereits in diesem Jahr vorstellen.

Die Allzweck-Brille fehlt bislang

Das klingt zunächst überraschend, denn Datenbrillen gelten nicht gerade als Boom-Branche, kein Unternehmen konnte bislang sämtliche Kinderkrankheiten der Technik ausmerzen. Die Akkulaufzeiten sind gering, die Brillen nicht schick, der Mehrwert ungewiss. Nicht einmal iPod-Vater Tony Fadell gelang es, Googles Datenbrille Glass zu retten - am Ende ging das ambitionierte Projekt als beispielloser Flop in die Geschichte ein.

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Seitdem versuchen Samsung (Gear VR), HTC (Vive), Sony (Playstation VR), Facebook (Oculus Rift) und Microsoft (HoloLens), den noch recht jungen Markt mit eigenen Lösungen für sich zu erobern. Jedes Unternehmen verfolgt dabei einen eigenen Ansatz, die Preise reichen von 100 bis 3000 Euro. Beim Kunden konnte bislang aber keines der Geräte wirklich einschlagen. Wer will auch schon die ganze Zeit einen klobigen Helm tragen.

Beste Bedingungen also für Apple. Denn gewissermaßen ähnelt die aktuelle Situation im Virtual-Reality-Sektor dem Smartphone-Markt der Vor-iPhone-Ära. Auch vor Apples erstem Telefon gab es schon Smartphones, doch diese waren zu kompliziert und alles andere als sexy. Apple konnte aus den Fehlern der anderen lernen, es besser machen - und schuf mit dem iPhone damals den Goldstandard der Branche. Womöglich will man dieses Kunststück jetzt wiederholen.

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Apple beschäftigt riesiges Geheim-Team

Dass Tim Cook den Augmented-Reality-Markt extrem spannend findet, betonte der Apple-Chef bereits mehrfach. "Es ist sehr cool", sagte Cook im vergangenen Jahr. "Es gibt einige wirklich sehr spannende Anwendungen." Was er damit genau meint, ließ er wie immer offen. Doch Cook lässt sich in Interviews nur selten aus der Reserve locken, sein Statement dürfte also wohlüberlegt gewesen sein.

Dazu passt, dass sich Apple in den vergangenen Jahren zahlreiche kleinere Unternehmen aus dem VR- und AR-Bereich einverleibte. So kaufte Cook im November 2013 das israelische Unternehmen PrimeSense, mit dessen Hilfe Microsofts Kinect entworfen wurde. Auch das deutsche Software-Startup Metaio aus München arbeitet nun für Cook. Metaio liefert die Technik für einige der angesagtesten AR-Anwendungen, etwa Ikeas virtuellen Katalog oder Audis virtuelle Bedienungsanleitung.

Das "Wall Street Journal" berichtete, dass Apple-Mitarbeiter zuletzt verstärkt im VR Lab der Elite-Uni Stanford gesichtet wurden, nachdem sie sich dort 13 Jahre lang überhaupt nicht blicken ließen. Und die "Financial Times" will erfahren haben, dass Apple ein aus Hunderten Mitarbeitern bestehendes Geheim-Team beschäftigt, das sich ausschließlich mit Augmented und Virtual Reality beschäftigt.

Das Geheimnis steckt im rechten Brillenglas

Doch wozu braucht Apple noch die Carl Zeiss AG? Das ist bislang nicht klar, keines der beiden Unternehmen äußert sich öffentlich zu den Berichten. Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" konnte den Traditionsbetrieb aber im vergangenen Jahr besuchen und hinter die Kulissen blicken. Denn mitten im Schwabenländle will man den Code für ein schickes Wearable mit Mehrwert geknackt haben: Dem "Spiegel" zufolge handelt es sich um "eine Datenbrille, die nicht wie eine Datenbrille aussieht". Vielmehr erinnere sie an ein "modisches, dickeres Hornbrillenmodell […] mit den klassisch gekrümmten Gläsern, sodass die Brille individuell angepasst werden kann."

Der Clou: Es handelt sich eigentlich um eine ganz normale Sehhilfe. Smart wird durch die Brille durch fünffach gefaltetes Licht, das durch das Brillenglas direkt auf die Netzhaut des Trägers geleitet wird. Dadurch sei es möglich, dass nur der Träger die Bilder sehen kann, das Gegenüber würde davon nichts mitbekommen. Die Daten würden direkt via Bluetooth vom Smartphone übertragen werden. Eine Kamera gibt es nicht, dadurch soll die soziale Akzeptanz erhöht werden.

Navigation auf dem Auge

Mit solch einer Technik wären viele Einsatzbereiche denkbar: Handwerker könnten sich etwa Montageanleitungen einblenden lassen und hätten beide Hände frei, Politiker hätten quasi einen persönlichen Teleprompter. Aber auch für Ottonormalnutzer gibt es viele praktische Szenarien: Eine Kopplung mit Apple Maps könnte die Navigation in Städten erleichtern, Echtzeitübersetzer wie Google Translate könnten im Ausland ungemein praktisch sein.

Ob es sich bei der vom "Spiegel" besprochenen Datenbrille um das Apple-Wearable handelt, wissen nur die beiden Unternehmen. Ohne Frage hätte Zeiss jede Menge Knowhow, von dem Cupertino profitieren dürfte - allein im rechten Brillenglas, dem Herzstück der schlauen Brille, stecken 250 Patente. 

Allerdings ist trotz aller Bemühungen seitens Apple nicht klar, ob die Datenbrille jemals auf den Markt kommt. Denn auch in die Entwicklung eines eigenen Fernsehers steckte Apple viel Zeit und Geld, am Ende stampfte man das Projekt trotzdem wegen zu geringer Marktchancen ein. Es war eine der cleversten Entscheidungen von Tim Cook.