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"Plants vs. Zombies: Garden Warfare" im Test: Zombie-Krieg im Vorgarten

Witzig, bunt und klasse spielbar: Der Online-Shooter "Plants vs. Zombies: Garden Warfare" ist anders als seine bierernste Konkurrenz – und genau deshalb einen längeren Blick wert.

Von Olaf Bleich und Benedikt Plass-Fleßenkämper

Sie stöhnen. Sie wanken. Sie schlurfen und fressen. Zombies haben in den vergangenen Jahren einen faszinierenden Werdegang hinter sich: Raus aus schlechten B-Movies, hinein ins Zentrum der modernen Popkultur. Die untoten Gruselgestalten sind längst im Mainstream und damit auch in den deutschen Haushalten angekommen. Im Kino flimmern Filme wie "Resident Evil: Retribution" mit Milla Jovovich oder "World War Z" mit Hollywood-Beau Brad Pitt über die Leinwand. Im TV-Abendprogramm läuft dagegen "The Walking Dead", die Action-Serie nach der gleichnamigen Comic-Reihe von Robert Kirkman. Und auf dem Nachttisch liegt beispielsweise "Der Zombie Survival Guide: Überleben unter Untoten" von Max Brooks.

Untoten-Offensive im Spielekosmos

Auch die Welt der Computer- und Videospiele wurde inzwischen mit dem Zombie-Virus befallen. In den vergangenen Jahren überschwemmten die Untoten wie ein Ameisenschwarm den Markt. Erfolgstitel wie "Left 4 Dead" sorgten dafür, dass selbst Spiele, die eigentlich nichts mit Zombies zu tun hatten, plötzlich die lebenden Toten rekrutierten. In "Call of Duty: Black Ops" kämpften wackere Soldaten nun gemeinsam im Zombie-Modus gegen wachsende Wellen von Untoten. In "Red Dead Redemption: An Undead Nightmare" sah sich Cowboy John Marston plötzlich einer Armee von Madensäcken gegenüber.

Doch während all diese Titel die Zombie-Thematik finster und möglichst gruselig darstellten, interpretierte sie das Strategiespiel "Pflanzen gegen Zombies" bunt, frisch und lustig. Das einfache "Tower Defense"-Grundkonzept und der schräge Humor bescherten Entwickler PopCap weit mehr als eine Millionen kostenpflichtiger Downloads auf iOS- und Android-Systemen. "Pflanzen gegen Zombies" ist ein Riesenerfolg und will diesen nun auch auf Xbox One, Xbox 360 und PC fortsetzen. Doch diesmal nicht als Strategiespiel, sondern als Online-Shooter: "Plants vs. Zombies: Garden Warfare" ist ein reiner Mehrspieler-Spaß für bis zu 24 Spieler.

Zwischen Humor und Strategie

Eine traditionelle Geschichte oder gar einen Einzelspieler-Modus gibt es in "Garden Warfare" nicht. Stattdessen tobt der Konflikt zwischen Zombies und Pflanzen im Internet. In Spielmodi wie "Türmatte" oder "Teamsieg" balgen sich zwei Teams mit jeweils zwölf Spielern um die Vorherrschaft in bunten Kleinstädten. Beide Parteien besitzen jeweils vier Soldatenklassen mit unterschiedlichen Eigenschaften. Die Sonnenblumen sind beispielsweise die Sanitäter ihrer Truppe. Sie versorgen die Kameraden mit ihren Heilstrahlen oder legen statt Erste-Hilfe-Päckchen Blumentöpfe mit kleinen Sonnenblümchen aus. Der All-Star-Zombie auf der anderen Seite stapft im schweren Footballer-Outfit und Maschinengewehr durch die Straßen, platziert Aufsteller als Deckung oder rennt seine Feinde über den Haufen.

Nur im Team stark

Besonders in fortgeschrittenen Spielvarianten wie "Gärten und Friedhöfe" kommt es auf die richtige Zusammenarbeit der Teamkameraden an. Einzelgänger werden zwar kurzfristige Erfolge feiern, doch koordinierte Angriffe und Abwehrreihen sind weitaus effektiver. Denn hier verteidigen Pflanzen sechs Gärten vor den Attacken der Zombies, ehe sie schließlich den finalen Ansturm der Untoten auf die Basis abwehren müssen. Als taktisches Spielelement dienen dabei nicht nur die Fähigkeiten der eigenen Soldaten, sondern auch heraufbeschworene Computer-Zombies und an Blumentöpfen setzbare Abwehrpflanzen.

Immer mit der Ruhe

"Garden Warfare" spielt sich im Vergleich zu Titeln wie "Battlefield 4" oder "Call of Duty: Ghosts" deutlich langsamer. Speziell Einsteiger profitieren von der besseren Übersicht, die die Verfolgerperspektive bietet, sowie von den immer wieder eingeblendeten Aktionstasten. Die Xbox-One-Version verfügt zudem exklusiv über den Boss-Modus. Hier befehligt ein Spieler – wahlweise mit SmartGlass-App für Tablets und Smartphones oder mit dem Controller – die eigenen Truppen, setzt Wegpunkte oder wirft Hilfslieferungen ab.

Mein kleines Stickeralbum

Der eigene Spielfortschritt wird durch ein simples Sternesystem dargestellt. So gibt das Spiel Aufgaben wie "Heile 5 Team-Kameraden" oder "Erledige 10 Gegner aus einer erhöhten Position" und verteilt dafür Sterne. Mit diesen wiederum steigt das eigene Profil auf und schaltet neue Fähigkeiten frei – das motiviert. Zudem verdient man mit jedem Abschuss, jeder Vorlage und jedem Erfolg Münzen, mit denen man Karten-Päckchen kauft.

Wie bei Panini-Alben sammelt man so Aufkleber und schaltet Extras wie Verbesserungen, neue Kostüme und andere Charaktere mit frischen Eigenschaften frei. Denn zu jeder Soldatenklasse gibt es noch einmal verschiedene Varianten mit Spezialangriffen wie etwa Feuerattacken bei den Erbsenschützen. Die Karten-Tütchen gibt es in unterschiedlichen Preisstufen und mit variierenden Inhalten. Die günstigste Version beinhaltet beispielsweise nur Nachschubeinheiten.

Lustig ist lustig!

"Plants vs. Zombies: Garden Warfare" mag vielleicht nicht so komplex sein wie viele Konkurrenten. Es ist auch nicht sonderlich umfangreich, und es fehlen Fahrzeuge oder andere Hightech-Gimmicks. Aber im Gegenzug ist das bunte Actionspiel deutlich preiswerter und bietet zudem einen ungemein charmanten Comic-Humor, der beinahe an den Online-Klassiker "Team Fortress 2" erinnert. Wenn Zombies stöhnend durch die Straßen schlurfen, Knoblauch-Drohnen über die bunten Vorgärten fliegen und gepanzerte Sonnenblumen quietschend ins virtuelle Gras beißen, dann kann man "Plants vs. Zombies" eigentlich nur mögen. Grafik und Sound sind erfrischend anders und zaubern den Online-Teilnehmern immer wieder ein Lächeln auf das Gesicht.

Fazit: Spaß-Shooter mit mächtig Taktik

Echten Action-Puristen wird bei "Plants vs. Zombies: Garden Warfare" die Ernsthaftigkeit und Komplexität fehlen. Alle anderen erfreuen sich an dem unkomplizierten Spielspaß, dem einfachen Erfahrungssystem und der gelungenen Handhabung. Außerdem ist die Zombie-Satire auch für jüngere Spieler und Einsteiger bestens geeignet. Virtuelle Blutbäder muss bei diesem Comic-Shooter niemand befürchten.

Hersteller/Vertrieb:Electronic Arts
Genre:Online-Shooter
Plattform:Xbox One, Xbox 360, PC
Preis:39,00 Euro (Xbox One), 29,99 Euro (Xbox 360, PC)
Altersfreigabe:ab 12 Jahren