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Dritte Staffel "The Walking Dead" startet: Ein Gemetzel böser Männer

In Staffel drei stapfen die Untoten weiter durch den Wald, aber wirklich böse sind die Menschen. Staffel zwei war ein dröges Ehedrama, doch nun rüsten sich die Überlebenden für eine blutige Schlacht.

Von Gernot Kramper

Dorfpolizist Rick Grimes wächst in der Zombiegefahr über sich hinaus - entwickelt sich aber leider nicht zum Guten hin.

Dorfpolizist Rick Grimes wächst in der Zombiegefahr über sich hinaus - entwickelt sich aber leider nicht zum Guten hin.

Bei den Neuerscheinungen der DVDs gehört jede dritte Scheibe zum Zombie-Themenkreis - zumindest gefühlt. Unter den TV-Serien fristen die Beißer nur ein Nischendasein. Einen echten Erfolg konnte bislang nur die US-Serie "The Walking Dead" verbuchen. Während in den USA bereits die vierte Staffel anläuft, startet in Deutschland nun auch die dritte endlich im Free-TV bei RTL II. Pünktlich zu Halloween geht es am Donnerstag, den 31. Oktober, los.

Und so schnell wird es auch keine Ende nehmen mit den herumstreunenden Untoten. Die Pilotfolge der vierten Staffel hat in den USA einen neuen Zuschauerrekord aufgestellt: 20,2 Millionen Zuschauer haben sie zugeschaut. Jetzt gab AMC grünes Licht für eine fünfte Staffel. Deutsche Zombiegucker können sich also auf mindestens 48 Horror-Episoden freuen.

In "The Walking Dead" ist - kurz gesagt - die Welt ziemlich im Arsch: alles voller Zombies, kaum noch Menschen und keine Hoffnung auf Rettung oder Gegenmittel. In der aussichtslosen Lage folgt die Serie Dorfsheriff und Familienvater Rick Grimes, der im Süden der USA eine Gruppe Überlebender versammelt hat und versucht, sie irgendwie durchzubringen.

Familienwerte in Gefahr

Zum Glück ist Rick nur mäßig erfolgreich, Ruhe und Beschaulichkeit findet seine Gruppe nicht. Actionfans dürfen sich freuen, in der kommenden Staffel geht es wieder blutig zu. Staffel zwei konnte ein eingefleischter Zombiefreund nur schwer ertragen. Die gruseligen Untoten staksten hungrig durch die Landschaft, aber im Wesentlichen drehte sich alles um Ehe- oder Beziehungsprobleme, um Liebe und missbrauchtes Vertrauen, um Zuversicht oder Zynismus. Mich erinnerte das an "Unsere kleine Farm" nur mit angegammelten Untoten statt kuscheliger Ponys.

Vorsicht: Spoiler für Staffel zwei

Wenigstens wurde das dröge Ehedramulet Ende der zweiten Staffel endgültig zu Grabe getragen. Hauptfigur Rick hat den ewigen Kampf mit seinem Freund und Nebenbuhler Shane mit einer Kugel für sich entschieden. Ein herber Verlust, zählte der skrupellose Shane doch zu meinen Lieblingen. Dafür ist das zwei Staffeln andauernde Herumgeturne der beiden Obermachos um Ricks abgezehrte Gattin Lori endlich zu Ende. Allein darum sollte man der Serie noch eine Chance geben.

Die dümmsten Zombies aller Zeiten

Nach dem Landurlaub auf der Farm stolpern die Überlebenden wieder zurück in die Apokalypse. Sheriff Rick ruft sich in der Gruppe der Überlebenden als eine Art Diktator aus, aber auch sein autokratisches Regime wird nicht alle Probleme lösen. Wie schon in den Folgen zuvor dürfen die Zombies nur die Kulisse für den Kampf der überlebenden Menschen gegeneinander abbilden. Um die Handlung wirklich beeinflussen zu können, sind die "Walking-Dead"-Zombies einfach nicht gefährlich genug. Sie gehören zur Zombiesorte "dumm, verfressen und langsam", und nur weil sie in großen Horden auftreten, können die trägen Gesellen doch ab und an einen Menschen verspeisen.

Leichte Kleidung bevorzugt

Beim Personal gibt es nach den Verlusten der zweiten Staffel Nachschub an schnell verbrauchtem Zombiefutter und an langfristigeren Charakteren. Zwar hinterlässt Bad-Ass Shane eine Lücke, sie wird aber von einer schweigsamen Amazone mit Samuraischwert und der urwüchsigen Verwandtschaft des geläuterten Outlaws Daryl Dixon gut aufgefüllt. Die Zombieplage bietet immer wieder unfreiwillig komische Momente. Selbst wenn man entschlossen ist, alle TV-Absurditäten klaglos zu ertragen, fragt man sich bei "The Walking Dead" doch immer wieder, warum die Überlebenden sich niemals reißfeste Kleidung überstreifen, sondern den Beißern heroisch mit knappen Shirts und Bikini-Oberteilen entgegentreten.

Zombies im Einmachglas

Die Zombies sind ein Übel, mit dem man sich durchaus arrangieren könnte, wo also lauert der wahre Feind? Wie alle guten Endzeitepen nimmt "The Walking Dead" den Philosophen Thomas Hobbes beim Wort. Ohne den Staat bricht auf dem Bildschirm leider nicht das Paradies auf Erden aus. Nein, der "Mensch wird dem Menschen zum Wolf", genau wie von Hobbes befürchtet. So auch in der kommenden Staffel: Das autokratische Gemeinwesen von Kleintyrann Rick gerät in den Machtbereich der Kommune des "Governors". Doch die neue uramerikanische, demokratische Musterstadt birgt mehr dunkle Geheimnisse als nur perverse Fesselspiele und eine Schrankwand voller augenrollender Zombieköpfe eingelegt in Gurkengläser.

RTL2 zeigt die dritte Staffel "The Walking Dead" am 31. Oktober ab 23.15 Uhr die ganze Nacht durch. Die genauen Sendetermine für die einzelnen Folgen finden Sie hier.

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