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Videospiel "The Evil Within" im Test Dieses Spiel macht Albträume - garantiert


Fiese Monster, wenig Munition: "The Evil Within" ist eines der gruseligsten Games der letzten Jahre. Selbst bei Horrorfilm-Kennern stellen sich die Nackenhaare auf. Wir haben es getestet.
Von Nina Ernst

Wo sind wir? Was soll das alles? Wo kommen all die Monster her, die nur eins wollen: töten? Detective Sebastian Cestellanos hatte alles andere als einen guten Tag. Nach der Fahrt zu einem blutigen Verbrechensschauplatz findet er sich plötzlich in einer veränderten Welt wieder. Und die sieht nicht gut aus. Entstellte Monster bevölkern die Umgebung, überall Trümmer, Körperteile und Schlimmeres. Verliert Castellanos den Verstand? Zeit für philosophische Gedankengänge hat der Polizist nicht. Denn die Monster sind überall und die Munition ist knapp. Nun zählt in erster Linie das Überleben.

Zurück zu den Grusel-Wurzeln

Mit dem virtuellen Horrortrip "The Evil Within" will Entwickler Shinji Mikami Spieler das Fürchten lehren. Gar nicht so einfach. Schließlich haben eine Vielzahl an Spielen und Filmen schon einige Facetten des Horrors gezeigt und Spieler abgehärtet. "Es ist wirklich schwierig, Menschen noch zu schocken. Sie haben bereits alles gesehen. Ich ebenso. Es gibt keine Geheimformel", so Mikami. Also setzt der Urvater der Horrorspiele und Erfinder der Resident-Evil-Reihe auf Altbewährtes: "Das Survival-Horror-Genre ist im Laufe der Jahre immer action-reicher geworden. Mit 'The Evil Within' wollen wir zurück zu den Wurzeln."

So erinnert das Spiel an Mikamis hoch gelobten Klassiker "Resident Evil 4". Die virtuelle Bedrohung lauert überall und schürt Erwartungen. Selbst wenn alles ruhig scheint, wirkt die Abwesenheit von Gegnern umso trügerischer. Ein völlig leeres und stilles Haus? Da rechnen Horrorfans beim nächsten Gebäude mit dem Schlimmsten. Ständig ist der Spieler auf der Hut, erwartet jederzeit eine Überraschung, um dann blitzschnell zu entscheiden: die Waffe zücken oder weglaufen.

"Die Kunst liegt darin, zwischenzeitlich die Geschwindigkeit zu drosseln. Auch mal nichts passieren zu lassen, damit der Spieler den Schrecken erwartet", so Mikami. Der Spielfluss sei der Schlüssel zum Horror, meint der Entwickler von Tango Gameworks. Zusammen mit der Ungewissheit und dem Ansprechen von Urängsten, die Menschen auch im echten Leben beschäftigen.

Hoffentlich trifft es einen anderen!

Mit diesen fest verankerten Ängsten spielen derzeit mehrere Games wie etwa "Alien: Isolation" und verschaffen Hobby-Überlebenskämpfern wohlig-schaurige Adrenalinschübe. Gruseln an PC und Konsole liegt im Trend. Nachdem es lange Zeit still um das Genre war, hat der renommierte Endzeitthriller "The Last of Us" neuen Schwung in die Welt des virtuellen Horrors gebracht, dem auch viele Independent-Produktionen kleiner Studios folgten.

Allen Gruselgames gemein ist das Einsetzen von Dunkelheit und Einsamkeit. Laut Psychiater Dr. Russel Green sind es existentielle Ängste, die in der Menschheitsgeschichte überlebensnotwendig waren: "Menschen sehen nicht gut im Dunkeln, aber viele Tiere, die unsere Urahnen als Futter angesehen haben, taten es. Auch das Alleinsein war gefährlich. In der Gruppe gibt es mehrere Augen, die Dunkelheit abzusuchen und die Hoffnung, dass angreifende Tiere einen anderen schnappen."

So erkundet auch die Hauptfigur in "The Evil Within" zunächst auf eigene Faust die Dunkelheit. Ob auf dem Feldweg oder im Holzhaus: schummriges Licht und minimierte Farben lassen den Spieler viele Gegner erst spät erkennen. Also schleicht der Detective mehr durch die Umgebung als er geht. Manchmal offenbaren sich Monster erst direkt vor ihm, manchmal kündigt ein Grunzen ihre Anwesenheit an. Also schnell ein Messer gezückt, in Sichtweite geschlichen und den Laufweg des Wesens eingeprägt. Wer geschickt hinter ihm her schleicht, kann es mit einem Überraschungsangriff mit dem Messer ausschalten. Wildes Geballer empfiehlt sich nicht. Es lockt weitere Gefahren an. Außerdem ist Munition hier neben Streichhölzern und Heilmitteln das kostbarste Gut. Liegt der Gegner am Boden, hindert ihn nur das Anzünden am erneuten Aufstehen.

Nichts für schnell Frustrierte

Bei manch einem Monster hilft allein ein Griff in die Trickkiste oder die Flucht. Etwa bei dem Koloss mit der Kettensäge oder dem grotesk kriechenden Spinnenwesen. Letzteres zielt ebenso ab auf eine verbreitete Urangst und wird von Horrorschaffenden gerne eingesetzt.

Von Raum zu Raum, von Wegggabelung zu Weggabelung bahnt sich Castellanos seinen Weg. Hinter jeder neuen Tür können sich Patronen und Zündhölzer verbergen, die das weitere Überleben sichern. Doch ebenso etwas Grauenvolles. Nicht nur die Berge von Blut und medizinischen Apparaturen, die an Folterinstrumente erinnern und fast zur Standardeinrichtung gehören. Eine neue Art Gegner, die den Spieler auf die Probe stellt, könnte ebenso hier lauern. Aber alles Zaudern hilft nichts. Die Tür muss geöffnet werden, will man hier weiterkommen.

Ob Granate, Armbrust oder Flucht: Bis zur erfolgreichen Taktik zum Erledigen der Gefahren erscheint oft mehrfach der Ladebildschirm. Schließlich arbeitet "The Evil Within" ganz klassisch mit dem Trial & Error Prinzip. Mal wird die Flucht von einer übersehenen Bärenfalle oder einem Stolperdraht gestoppt, mal reicht die Zerstörungskraft der Schrotflinte nicht aus, um das Gegenüber zu Fall zu bringen. Ausprobieren, scheitern, neu laden heißt das Überlebensrezept. Nichts für schnell Frustrierte.

Zwischen "Shutter Island" und "Dawn of The Dead"

Vorbild für das Spiel war unter anderem der Film "Shutter Island". Und natürlich Mikamis Lieblingsfilm, der indirekt viele seiner Games beeinflusst hat: Zombieklassiker "Dawn of the Dead". Um zu testen, ob die gewünschten Schockeffekte auch wirklich ankommen, "haben wir viel am lebenden Objekt getestet", so Mikami. "Wir haben Spieler beobachtet, um zu sehen, ob wir auf dem richtigen Weg sind." Das sind sie. Selbst bei Kennern vieler Gruselfilme erhöht sich hier der Herzschlag bei der knappen Flucht vor einem unbesiegbaren Verfolger.

"The Evil Within" ist durch und durch klassisch. Es spielt mit allem, was Menschen gemeinhin als grauenvoll empfinden: grotesk entstellte Wesen, menschliche Körperteile und fiese Geräusche. Auch traditionelle Kulissen wie zerfallene Dörfer und die obligatorische Nervenheilanstalt fehlen hier ebenso wenig wie tonnenweise Blut und plötzlich zuschlagende Türen. Nichts für schwache Nerven und ab 18 Jahren freigegeben.

Das als das ultimative Gruselerlebnis gehypte Spiel ist es nicht, aber durchaus spannend und Gänsehaut verursachend. Nichts für Gelegenheitsspieler, die schnell durch die Levels rennen und seicht unterhalten werden wollen. Aber für Fans alter Survival-Horror-Spiele absolut empfehlenswert. Denn auch die Steuerung von "The Evil Within" gestaltet sich traditionell. Manchmal etwas sperrig, aber das ständige Haushalten mit Munition und Entscheiden um das richtige Vorgehen besitzt Charme und erhöht zusätzlich den Adrenalinpegel.


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