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Trend "Escape Rooms": Wieso ich mir mit 25 Jahren mal beinahe in die Hose gemacht habe

Das ist nicht gruselig, haben sie gesagt. Da kann man sich nicht erschrecken, haben sie gesagt. Von wegen. Unsere Autorin hat den Trend "Escape Rooms" getestet und ist nun um ein paar Erfahrungen reicher und einige Lebensjahre ärmer. 

Symbolbild Angst

Das mag zwar ein Symbolbild sein, aber wirklich anders sah unsere Autorin im "Escape Room" auch nicht aus

Ob wir nicht, jetzt wo mein Bruder in der Stadt ist, einen schönen gemeinsamen Abend verbringen wollen, will mein Stiefvater wissen. Wieso eigentlich nicht, denke ich mir und freue mich schon auf einen entspannten Abend beim Italiener und vielleicht noch einen Abstecher ins Kino. Pustekuchen! Es soll in den "Escape Room" gehen. Das haben die wohl vor ein paar Monaten schon mal zusammen gemacht und das fände ich bestimmt auch ganz toll und überhaupt. Na dann. "Escape Rooms" sind ein Team-Spiel, bei dem in der Gruppe mit Hilfe von Gegenständen und Hinweisen Rätsel gelöst werden müssen, um aus einem unbekannten Raum zu entkommen, sagt das Internet. Mhm. 

Nun pilgern wir also am frühen Abend durch die Hamburger Altstadt gen Abenteuerausflug. Wir wollen zu "TeamBreakout", dem ersten festen Veranstalter von "Escape Games" in Hamburg. Seit 2014 gibt es sie. Inzwischen sind viele weitere dazu gekommen. Der Eingang ist durch Zufall nicht zu finden und öffnet sich erst, nachdem man sein Bestreben in die metallene Lautsprechersäule an der Tür gesprochen hat. Das eher kahle und scheinbar mit der Zahnbürste geschrubbte Bürogebäude hat etwas sehr Anonymes und irgendwie erwartet man hinter einer der schweren Türen ein Domina-Studio. 

Escape Room ist ein bisschen wie Geisterbahn mit Einschließen

Drinnen angekommen wird mir langsam mulmig. Handys, Jacken und Rucksäcke müssen weggesperrt werden – nur wir und unser Hirnschmalz dürfen den Raum betreten. "Und zum Erschrecken ist da also wirklich nichts?", frage ich zum dritten Mal. Lieber noch mal auf Nummer sicher gehen. Ich hab‘s nicht so mit Erschrecken. Das ist immer gleich halber Herzstillstand. "Nein, in diesem Raum nicht", beschwichtigt mich mein Bruder. Unser Raum heißt "Illuminati". Irgendwer hat den Papst abgemurkst und wir sollen rausfinden wer – oder so ähnlich. Die neben uns wollen in einen, der "Cabin in the Woods" heißt. Mit liegengebliebenem Auto und einer verlassenen Holzhütte und sowas. Nein, danke. Schon bei dem Gedanken stellen sich mir sämtliche Nackenhaare auf. Ich war noch nie in der Geisterbahn und gedenke nicht, mich eine Stunde in einer einschliessen zu lassen.

Der "Cabin in the Woods"-Raum von "TeamBreakout"

In den "Cabin in the Woods"-Raum traue ich mich lieber nicht


Eine Stunde, so lange haben wir Zeit, um des Rätsels Lösung zu finden und zu entkommen. Falls nicht? "Die Lichter im Raum gehen aus und ihr könnt nur noch hoffen, dass irgendwer euch vermisst und auf die Suche nach euch geht! Nein, im Ernst niemand bleibt eingesperrt, wir lassen euch natürlich wieder raus", heißt es auf der Seite des Veranstalters. Soso. Sehr beruhigend.

Die nette Dame, die uns über eine Kamera beobachten wird, damit sie uns Hinweise geben kann, falls wir uns völlig verrennen, macht die Tür zu und schon geht‘s los. 

Der "Illuminati"-Raum von TeamBreakout

Ein Raum, jede Menge Rätsel und eine Stunde Zeit, um zu entkommen – das ist das Konzept der "Escape Rooms". 58 Minuten dauerte es, bis wir aus unserem, dem "Illuminati"-Raum, entkamen.

Stresslevel 3000

58 Minuten später geht die Tür mit einem leisen Klicken wieder auf. Wir haben es geschafft. Und wenn ich "wir" sage, meine ich die anderen. Ich bin eine Stunde lang kopflos durch die Gegend gerannt und habe mir beinahe in die Hosen gemacht vor Angst. VON WEGEN NICHTS ZUM ERSCHRECKEN. Jedes Mal, wenn auf dem Monitor ein Hinweis erscheint, gibt es zur Warnung ein Klopfen. Sprich: Man stöbert gerade nichts Böses denkend durch irgendeine verstaubte Schublade und auf einmal klopft es von der anderen Seite gegen die Wand! HALLO? Und die ganze Zeit läuft so gruselige Mönchsgesang-Mukke, die sich langsam aber sicher zu einem zweifelsfrei dramatischen Höhepunkt zuspitzt.

Zu irgendeinem Zeitpunkt hat es irgendwo ganz laut geknallt und ich bin vor Schreck laut schreiend mindestens einen Meter nach hinten gesprungen. Hat die nette Dame auch auf ihrem Bildschirm gesehen. "War ganz witzig", meint sie. Supi. Ansonsten haben die anderen irgendwelche ultra-komplizierten Rätsel gelöst, während ich es nicht mal mit der richtigen Zahlenkombi gebacken gekriegt hab, das Schloss aufzumachen. ABER – und das ist ja der wichtigste Teil – ich hatte einen Mordsspaß. Eine Stunde ohne Handy und Google, dafür mit Rätseln und Knobeln – ein bisschen wie Schnitzeljagd für Erwachsene. Und ein bisschen Stolz ist auch dabei, wenn man es dann tatsächlich wieder raus schafft. Immerhin schaffen das "nur" rund 70 Prozent der Teilnehmer. Aber nächstes Mal nehme ich einen Flachmann mit – für die Nerven. Und eine Taschenlampe. 

Knobeln für Profis: Dieses Rätsel lösen nur Genies: Welche Form passt nicht ins Schema?


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