HOME

Modernes Glücksspiel: Youtuber verzockt 5600 Euro bei Fifa 18 – das ist seine Botschaft an die Kids

Youtuber ChrisMD investierte mehr als 5600 Euro in den Modus "Ultimate Team" von Fifa 18, um die besten Spieler der Welt für sein virtuelles Team zu bekommen. Weil die erhofften Stars ausblieben, richtete sich ChrisMD nun mit einem Appell an den Zocker-Nachwuchs.

von Felix Kirsch

Fifa 18 Ultimate Team

Millionen von Usern weltweit stellen sich in dem Modus "Ultimate Team" von Fifa 18 ihre Traummannschaft zusammen. Ein Hundert-Millionen-Geschäft für EA Sports.

Während sich vor einigen Jahren Glücksspiel noch auf Spielotheken, Casinos und Pokerrunden beschränkte, hat das virtuelle Zocken im 21. Jahrhundert längst Fuß gefasst. Ohne eigenes Geld geht gar nichts mehr. Wer online an der Konsole gegen Spieler aus der ganzen Welt mithalten will, der wird quasi dazu gedrängt, seine Teams mit sogenannten "In-Game-Käufen" zu verbessern. Bei "Ultimate Team" von EA Sports Fifa 18 geht es darum, online eine Mannschaft aufzubauen, die dann gegen das Team von Spieler aus aller Welt antreten soll. 800 Millionen Dollar nimmt Electronic Arts jährlich alleine durch diesen Modus ein.

Durch stetiges Spielen kann man bei Fifa 18 bestimmte Spieler mit Coins kaufen, die man wiederum für gute Leistungen und fleißiges Spielen erhält. Für teure und seltene Spieler reichen diese Coins jedoch meist nicht aus. Viele hoffen , seltene Spieler in einem der Packs zu ziehen, die mit realem Geld bezahlt werden können und dem System der "Panini-Sticker" ähneln. Mit finanziell teils fatalen Folgen, denn der Suchtfaktor ist relativ hoch, das Bezahlsystem via Pay Pal simpel, die Ergebnisse meistens enttäuschend.

Youtuber ChrisMD macht das Experiment: Verlust von 5000 Pfund

YouTuber Chris MD lädt auf seinem Kanal hauptsächlich Videos über Fußball hoch, auch beim "Fifa-Zocken" ist er fleißig dabei. Ein Experiment wagte er in dem Video "What does spending 5000 Pounds (umgerechnet etwa 5600 Euro, Anm. d. Red.) on Fifa 18 Packs get you?" ("Was es dir bringt, 5000 Pfund in Fifa-18-Packs zu investieren?"). Er selbst investierte die nicht gerade kleine Summe und zog am Ende statt der erhofften Spielern nur ein erschreckendes Fazit. Nach mehreren hundert Packs, die er geöffnet hatte, befanden sich zwar mehrere Weltklasse-Spieler wie Pogba oder Gareth Bale in seiner Mannschaft, die großen Fische á la Lionel Messi und Cristiano Ronaldo suchte er allerdings vergeblich.

Was bleibt, ist Ernüchterung und die Erkenntnis, dass man soeben 5600 Euro für ein Playstation-Spiel ausgegeben hat. Zur Information: Die Spieler, die er erworben und gewinnbringend weiterverkauft hat, haben im Spiel selbst einen umgerechneten Wert von etwa 110 Euro. Gemeint sind hiermit die angesprochenen Fifa Coins, denn gegen reales Geld kann er die Spieler nicht zurücktauschen. Seine Botschaft für die große, minderjährige Gemeinde des virtuellen Fußball-Klassikers: "Don't do Packs Kids" ("Lasst die Finger von den Packs"). Das Experiment zeigt, wie hoch die Diskrepanz zwischen dem, was man sich aus den Packs verspricht und der Realität ist. Das sei im Grunde genommen nichts anderes als Glücksspiel, so ChrisMD. 

EA verdient Millionen an Fifa 18 – Kinder werden an der Nase herumgeführt

Man braucht nicht drum herumzureden. Wer Geld in die bloße Möglichkeit investiert, die besten Spieler der Welt in einem Videospiel per Zufallsprinzip zu ziehen, der betreibt Glücksspiel. Da sich die Fifa-Spielgemeinde aus vielen Minderjährigen zusammensetzt, lässt sich zumindest darüber diskutieren, ob EA und Co. sich mit ihrem Geschäfstmodell in einer rechtlichen Grauzone bewegen.

Der Unterschied zwischen dem "realen" Glücksspiel und dem virtuellen Zocken ist schließlich nicht unwesentlich: Wenn man ins Casino geht, hat man dabei noch die Möglichkeit, Geld zu gewinnen. Es gibt ein - wenn auch geringes - Risiko für die Spielhallen und Casinos. Bei "Fifa Ultimate Team" aber spielt man für seine eigene virtuelle Phantasie, für den Betreiber gibt es kaum ein Risiko.

fk