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Interview

Feine Sahne Fischfilet: "Die guten Leute müssen den Arsch hochkriegen"

Die Punkband aus Jarmen, die sowohl auf riesigen Festivals wie auch auf Dorffesten in Mecklenburg-Vorpommern auftritt, sprach mit uns über ihr neues Album, den Rausch ihres Erfolges und die Sorge über den aktuellen Rechtsruck.

Die Musiker Monchi Gorkow und Christoph Sell von der Band Feine Sahne Fischfilet

Monchi Gorkow und Christoph Sell von der Band Feine Sahne Fischfilet im Interview

Die Band Feine Sahne Fischfilet engagiert sich seit Jahren gegen Rechts und feiert mit ihrer Musik immer größere Erfolge. Unumstritten sind die sechs Musiker aber nicht: Von 2011 bis 2014 tauchte die Gruppe im Verfassungsschutzbericht Mecklenburg-Vorpommerns auf. Und gerade erst wurde Sänger Monchi Gorkow vor Gericht freigesprochen – er soll bei einer Demo gegen Neonazis einen Stuhl geworfen haben, doch niemand konnte diesen Vorwurf bestätigen. Mit uns sprachen Monchi und Gitarrist Christoph Sell über ihr neues Album "Sturm und Dreck", den Wahnsinn des Erfolgs und den zähen Kampf gegen rechtes Gedankengut.

Monchi, Christoph – mit eurer Band steht ihr wie keine andere Gruppe für Mecklenburg-Vorpommern, das Leben und die Probleme dort. Auf dem neuen Album geht's thematisch aber von Marseille bis in die Türkei. Hat sich euer "Radius" erweitert?

Monchi: Erweitern tun wir uns die ganze Zeit! Ich war schon in Moskau und in Nepal, ich liebe die Weite. Aber Mecklenburg-Vorpommern ist unsere Homebase, da leben unsere Familien, da haben wir unseren Proberaum.


Wie willkommen fühlt man sich als linke Punkband in dieser Region, gerade nach den letzten Bundestagswahlen?

Christoph: Wir fallen halt auf. Konflikte mit Rechten begleiten uns, seit es uns gibt. Wir haben seit 10 Jahren einen eigenen Proberaum, unsere Väter haben uns damals geholfen, ihn auszubauen. Und dann haben uns Neonazis die Scheiben eingeschmissen.


Wie geht ihr mit sowas um?

Monchi: Das verarbeiten wir, indem wir uns den Mund abwischen und weitermachen! Nicht rumheulen. Mir wurden schon die Vorderzähne ausgeschlagen, aber jetzt ist nicht die Zeit, den Kopf hängen zu lassen.

Christoph: Wir suchen oft die offensive Variante und scheuen uns nicht, auf diese Thematik und solche Angriffe hinzuweisen. Neonazis schrecken zurück, wenn man sie in die Öffentlichkeit zerrt. Aber es ist nicht immer einfach, ja.

Die Band Feine Sahne Fischfilet

Einmal komplett: Die Band Feine Sahne Fischfilet


Bewegt euch der aktuelle Rechtsruck in Deutschland?

Monchi: Klar bewegt uns das. Es ist völlig absurd. Und die Frage ist, wo das noch hinführen soll! Das, was Höcke und Gauland sagen, wäre vor 10 Jahren außerhalb jeder Gesellschaftsordnung gewesen. Und heute nehmen wir das beinahe schon als normal hin.


Habt ihr einen Vorschlag, wie man dem begegnen sollte?

Monchi: Geile Sachen reißen, nicht in Selbstmitleid zerfließen. Es gibt so viele gute Leute da draußen! Die müssen nur alle den Arsch hochkriegen. Wir spielen oft auf Dorffesten in Mecklenburg-Vorpommern, haben da jeden Album-Release bisher gefeiert, nicht in Berlin oder in Hamburg. Man darf sich nicht immer auf Parteien und staatliche Institutionen verlassen, sondern muss auch selbst aktiv werden. Wir hoffen, dass wir da vielen Leuten Kraft schenken können.

Christoph: Da bringen auch ganz kleine Dinge was. Man muss einfach nach Gemeinsamkeiten suchen, darf sich nicht auseinanderdividieren lassen. Wir machen zum Beispiel ein antirassistisches Fußballturnier, grillen dort zusammen. Man muss sich Zeit für Menschlichkeit nehmen.

Monchi: Und überall auf den Dörfern gibt es Leute, die Support brauchen. Nicht immer nur die großen Organisationen, die Kultur- und Sozialsachen. Wir spielen auch mal auf 'nem Dorf vor 60 Leuten und es ist geil!


Auf dem neuen Album finden sich sehr persönliche, aber auch hochpolitische Stücke. Habt ihr die Mischung bewusst geplant?

Christoph: Nein, wir sitzen da nicht vorher und rechnen das auseinander! (lacht)

Monchi: Das lässt sich für uns auch gar nicht unbedingt trennen. Für mich sind die hochpolitischen Songs mitunter die persönlichsten.


Wann stand denn der erste Song für eure neue Platte?

Christoph: Vor anderthalb Jahren haben wir angefangen – wir dachten, wir gehen mal wieder in den Proberaum. 2016 sollte eigentlich unser ruhiges Jahr werden ...

Monchi: Und dann haben wir zwei große Touren gespielt. (lacht) Das ist wohl unser Fehler, dass wir nicht ruhig sein können. Aber wenn du immer deine Stücke spielst, hast du irgendwann Bock, was Neues zu machen. Und wenn du neue Sachen hast, wäre es doch absurd, die nicht live zu spielen ...


Bezieht sich der neue Song "Alles auf Rausch" auf diese letzten Jahre?

Monchi: Ja. Es war schlicht Wahnsinn. Wenn du mal mit Marteria innerhalb eines Tages ein Konzert mit 2000 Leuten geplant hast ... Das wünsche ich jeder coolen Band. Wir können jetzt seit anderthalb Jahren von dem leben, was wir machen. Darum haben wir die Band aber nicht gegründet. Wir haben das alles gemacht, weil wir es wichtig fanden. Wir haben einen gesunden Ehrgeiz, und jetzt sind wir da, wo wir sind. Das ist für mich immer noch komplett unbegreiflich – ich hatte mein Abi ja drei Monate vor den Prüfungen abgebrochen und für die Band alles auf eine Karte gesetzt. Das war nicht immer einfach – aber ein Freund von mir ist Krankenpfleger, was soll ich dem vorheulen?

Christoph: Was wir jetzt schon erleben durften, das kann uns keiner mehr nehmen.


Habt ihr eine Art Erfolgsrezept?

Christoph: Es gab immer Leute, die uns belächelt haben, aber wir haben uns einfach auf uns konzentriert. Wir entwickeln uns ständig weiter, wir machen Fehler. Wir versuchen nur, den Bezug zueinander nicht zu verlieren – dann muss man sich für nichts schämen.

Monchi: Alle in der Band haben unterschiedliche Geschmäcker. Das ist super, auch wenn es nicht immer einfach ist. Wir sind manchmal Asis und prollig, dann wieder lassen wir Gefühle zu. Aber all das gehört zu uns. Und das sehen wir auch an unserem Publikum: Da sind Muttis und Daddys, Hipster und Zecken, und alle feiern zusammen.

Monchi Gorkow und Christoph Sell beim Interview in einem Burgerladen

Monchi und Christoph beim Gespräch im Hamburger Burgerladen "Grilly Idol"


"Sturm und Dreck" – wie ist der Albumtitel entstanden?

Christoph: Wir setzen uns zusammen und diskutieren stundenlang. Bis wir irgendwann drauf kommen.

Monchi: Das sind zwei Wörter, die irgendwie gut auf uns passen. Wir fanden, das klingt ziemlich super, oder?


Monchi wurde zusammen mit der Band auch in einer Dokumentation verewigt – "Wildes Herz" unter der Regie von Schauspieler Charly Hübner. Wie kam es dazu?

Christoph: Monchi und Charly haben sich kennengelernt und er hatte direkt Lust, uns zu begleiten. Der Film fängt die letzten drei Jahre ein, in denen bei uns ja einiges passiert ist. Hauptsächlich geht es aber um Monchi. Wir haben uns mit dem Filmteam angefreundet, das war echt sehr angenehm.

Monchi: Ich muss sagen, auf persönlicher Ebene ist die Doku für mich sehr schwierig. Ist vermutlich normal. Aber für alle aus meinem Umfeld ist der Film realistisch, deshalb hat Charly das wohl ziemlich gut hinbekommen. Es gibt keinen perfekten Menschen, ich bin ganz bestimmt keiner. Aber man kann geile Sachen machen.


Ihr habt nicht nur einen schlechten Stand bei Neonazis, sondern auch beim Verfassungsschutz. Wie genervt seid ihr inzwischen davon, dass euch alle darauf ansprechen?

Monchi: Wir wollen nicht, dass diese Behörde uns mag. Aber wir wollen uns auch nicht immer darauf beziehen. Es nervt, wenn man irgendwo spielen will und dann sagt da ein CSU-Politiker: "Aber die standen doch mal im Verfassungsschutzbericht!" Vor allem wurden uns darin zweieinhalb Seiten gewidmet, mehr als allen rechten Bands. Wir sind keine Unschuldslämmer, wir sind keine Hippies. Aber jetzt ist die Zeit, wo man sich gerade machen und für eine freie Gesellschaft eintreten muss.


Wie geht ihr als Band inzwischen miteinander um? Habt ihr auch manchmal die Schnauze voll voneinander?

Monchi: In einer Band sein ist wie eine Beziehung haben. Da lernst du dich auf härteste Art und Weise kennen. Da entsteht manchmal echt Druck, aber wir kriegen das gut hin. Wir werden ja auch älter und lernen, uns so zu nehmen, wie wir sind. Mit Anfang 20 war das schwerer. Aber wir sind immer noch ungestüm und haben Ecken und Kanten. Das ist mal geil, mal scheiße.


Das Album "Sturm und Dreck" (Audiolith) erscheint am 12. Januar.  Die Dokumentation "Wildes Herz" soll im April in die Kinos kommen.


kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(