morgenstern
Steigende Energiepreise – und wer davon profitiert

Eine Tankstellen-Anzeige zeigt die Preise für Diesel und Super, die Energiepreise nach dem Beginn des Irankriegs
Plötzlich wieder bei zwei Euro. Dabei ist das aktuell gekaufte Benzin noch vor dem Irankrieg produziert worden
© Rene Traut / Imago Images
Die Ölkonzerne erhöhen viel zu schnell die Preise. Merz übersteht Trump-Besuch. Und Manuela Schwesig macht sich Sorgen um den Wahlkampf. Die Lage am Morgen.

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

kaum waren die ersten Vergeltungsschläge des Iran gegen die Golfstaaten vorbei, da zogen an deutschen Tankstellen bereits der Benzinpreis an. Gestern nahm er vielerorts bereits die Zwei-Euro-Marke. Dabei dauert es ja eine Weile, bis das Rohöl in den Raffinerien Europas ankommt, dort zu Benzin verarbeitet wird, um dann an die Tankstellen weiterverteilt zu werden.

Aber die Ölkonzerne nutzen die Gelegenheit. Marktwächter sprechen vom Rakete-und-Federn-Effekt, die Preise steigen wie Raketen und fallen wie Federn. Denn ja, wir müssen damit rechnen, dass sich die Ölkonzerne Zeit lassen werden, wenn die Preise wieder fallen. Darüber ärgert sich übrigens auch der Sprecher der Tankstellenpächter, Herbert Rabl. „So schnell schlägt ein erhöhter Ölpreis nicht durch, die Lager sind ja voll.“ Die Preise machen zwar die Konzerne, ausbaden müssen den Ärger darüber jedoch die Pächter.

Noch viel größeren Ärger dürften die gestiegenen Gaspreise machen (hier die Analyse der Kollegen von Capital). Um Kosten zu sparen, hatte die Bundesregierung nämlich im vergangenen Jahr die Auflagen zum Speichern von Gas gesenkt. Einen kalten Winter später und mitten in der Nahostkrise sind nun die deutschen Gasspeicher so leer wie seit vielen Jahren nicht. Das könnte jetzt richtig teuer werden, und das in diesem schwierigen Wahljahr, in dem die AfD in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern die etablierten Parteien besonders herausfordert. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig ist schon alarmiert, wie Martin Debes und Florian Schillat beschreiben:

Was hat Merz bei Trump erreicht?

Bundeskanzler sein, das ist sicher ein besonderer und attraktiver Job. Außer, man sitzt bei Trump im Weißen Haus vor diesem kitschigen, goldverzierten Kamin. Dann möchte ich für kein Geld in der Welt mit dem Bundeskanzler tauschen. Aber Friedrich Merz, das muss man anerkennen, hat vor den Kameras alle Provokationen Trumps tapfer ertragen.

Im Gespräch danach habe er wichtige Punkte bei der Zollfrage und der Unterstützung der Ukraine gemacht, sagt Merz anschließend in den Tagesthemen. Leonie Scheuble und Veit Medick sind skeptisch, dass der Kanzler viel erreichen konnte:

Vergeltungsschläge: Das sind die Waffen des Mullahregimes

Am Montag hat die staatliche iranische Nachrichtenagentur ein Video veröffentlicht, das ein unterirdisches Lager voller Drohnen zeigt, die auf Raketenwerfern installiert sind. Die Botschaft ist klar: Wir können euch noch immer treffen. Theoretisch können die Waffensysteme auch Europa erreichen.

Die Shahed-Drohne hat eine Reichweite von bis zu 2000 Kilometern, einige Mittelstreckenraketen haben sogar eine Reichweite von 2500 Kilometern. Damit wären Städte wie Budapest, Wien, Warschau und Bratislava in Reichweite. Wenn auch nur theoretisch, denn es gibt keine Hinweise darauf, dass der Iran solche Pläne hat.

Der britische Stützpunkt in Zypern war bislang das einzige Ziel in der EU. Meine Kollegin Miriam Hollstein hat sich das Arsenal genauer angeschaut:

5-Minuten-Talk: Was muss die Politik gegen die Energiepreise tun?

Schock für deutsche Autofahrer: Gestern kletterten die Benzinpreise über die Zwei-Euro-Marke. Bald könnte der Heiz-Schock folgen: An den Börsen hat sich der Preis für Erdgas schon verdoppelt, weil der Iran die Straße von Hormus blockiert. Durch diese Meerenge wird ein großer Teil des weltweiten Öl- und Gasbedarfs exportiert – normalerweise.

Die Lage erinnert an die Energiekrise zum Ausbruch des Ukraine-Krieges vor vier Jahren. Aber steckt Wirtschaftsministerin Katherina Reiche jetzt wirklich in der gleichen Lage wie einst Robert Habeck? Und muss die Politik bald wieder ihre teure Energiepreisbremse anwerfen? Darüber sprechen meine Kollegen Veit Medick und Jan Rosenkranz:

Bleiben Sie auf dem Laufenden

Meine Kollegen werden weiter die aktuellen Ereignisse im Nahen Osten nach dem Angriff von Israel und den USA auf den Iran protokollieren. In unseren Analysen, aber auch im stern-Liveblog, der kontinuierlich die neuesten Ereignisse beschreibt.

Und sonst? Weitere Schlagzeilen

Das passiert am Mittwoch, dem 4. März 2026

  • Nach dem Platzen der SPD/BSW-Koalition in Brandenburg haben CDU und SPD eine neue Regierung ausgehandelt: Heute wollen sie ihren Koalitionsvertrag vorstellen.
  • Der Aufsichtsrat des Berlinale-Filmfestivals trifft sich heute zu einer Krisensitzung, um über die künftige Ausrichtung zu sprechen – und die Frage, ob Intendantin Tricia Tuttle weitermachen soll.
  • Fußball: Der HSV empfängt heute Bayer Leverkusen im Volksparkstadion zum Nachholspiel der Bundesliga.

Unsere stern+-Empfehlung des Tages

Wenn der erste Liebesrausch vorbei ist, werden ganz profane Dinge entscheidend. Zum Beispiel: Wie sind die verschiedenen Vorstellungen von Ordnung? Er lässt vielleicht Jacken und Hosen auf Stühlen liegen, sie verteilt Quarkspuren auf Tischen und Lichtschaltern.

Wie viel Chaos hält eine Liebe aus? Dieser Frage hat sich meine Kollegin Nina Ponath auf sehr interessante Weise angenähert;

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Matthias Urbach

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