Die gemeinsamen Angriffe Israels und der USA auf den Iran haben in der Golfregion und im Nahen Osten eine Kettenreaktion ausgelöst. Nicht nur israelische und US-Ziele werden im Gegenzug durch den Iran attackiert, auch andere Staaten am Persischen Golf und Mittelmeer geraten ins Visier.
Seit Kriegsbeginn am Samstag hat der Iran nach Angaben seiner Revolutionsgarden vom Montag 500 Ziele in Nahost angegriffen, die mit den USA und Israel in Verbindung stehen. Mehr als 700 Drohnen und Hunderte Raketen seien abgefeuert worden. Im Gegenzug trafen Angriffe im Iran über 2000 Ziele.
Auf Israel feuerte der Iran mehrere Raketenwellen ab, die Todesopfer forderten. Doch nicht nur Israel ist betroffen: Auch die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Katar, Bahrain, Saudi-Arabien, Kuwait, Jordanien, Syrien, der Irak, der Oman und Zypern wurden beschossen. Auf Zypern galten die Angriffe britischen Militärbasen.
Israel hat zudem eine weitere Front eröffnet und kämpft im Libanon, um den Iran-Verbündeten Hisbollah zu bekämpfen. Dabei kam es zu gegenseitigen Gefechten.
Eine Übersicht der Angriffe – ohne Anspruch auf Vollständigkeit, da die Lage sich ständig weiterentwickelt. Dies ist der Stand vom 3. März.
Angriffe der USA und Israels auf den Iran
Die Angriffe der beiden Staaten zielen auf militärische Infrastruktur wie Raketenabschussrampen, Flugabwehrstellungen, Hauptquartiere, Stützpunkte und die politische Führung. Im Süden des Iran wurde die Marine am Persischen Golf attackiert, während Teheran seit Samstag wiederholt bombardiert wird. Dabei starben mehrere hochrangige iranische Führungspersonen, darunter Ayatollah Ali Chamenei.
Laut dem Roten Halbmond starben bis Dienstag mindestens 787 Menschen im Iran durch die Angriffe. Die Organisation meldete Attacken in 153 Städten. Die Menschenrechtsgruppe Hengaw sprach von über 1500 Toten, darunter 1300 Soldaten und 200 Zivilisten. Die Aktivisten stützen sich bei ihrer Arbeit auf ein Netzwerk von Kontakten im Land.
Das US-Militär meldete bislang sechs getötete Soldaten.
Irans Angriffe auf Israel
Die Revolutionsgarden feuerten mindestens zehn Raketenwellen auf Israel ab. Wohnhäuser und eine Synagoge wurden getroffen. Luftalarm gehört in Israel mittlerweile zur Tagesordnung; Millionen Menschen müssen sich wegen der Angriffe in Schutzräume begeben. Viele Raketen können allerdings abgefangen werden.
Dennoch starben bei einem Einschlag in Bet Schemesch bei Jerusalem mindestens neun Menschen. Insgesamt meldete Israel am Wochenende elf Tote und Dutzende Verletzte.
Irans Angriffe auf die Golfregion
Der Iran attackiert auch Staaten am Persischen Golf, darunter die VAE, Katar, Bahrain, Saudi-Arabien und Kuwait. Ziel sind primär US-Militärbasen. Viele Raketen und Drohnen wurden abgefangen, doch es kam zu Einschlägen, Bränden und Todesopfern.
In Dubai (VAE), Doha (Katar) und Manama (Bahrain) trafen Geschosse Hotels, Wohngebäude und Flughäfen. Katar meldete am Dienstag mehr als 100 iranische ballistische Raketen sowie den Abschuss von 39 Drohnen und zwei Kampfflugzeugen.
Die VAE zählten bisher mindestens 812 abgefeuerte Drohnen, von denen 755 abgefangen worden seien, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums am Dienstag. 186 ballistische Raketen seien außerdem in Richtung der Emirate abgefeuert worden. Seit Samstag starben demnach drei Menschen durch herabfallende Trümmerteile, 68 wurden verletzt.
Am Montag meldeten Behörden in Abu Dhabi (VAE), dass ein Kraftstofflager von einer Drohne getroffen wurde. Ein Feuer brach in der Folge aus.
In Kuwait und Saudi-Arabien wurden US-Botschaften mit Drohnen angegriffen. Das saudi-arabische Verteidigungsministerium teilte am Dienstag mit, acht weitere Drohnen seien nahe Riad und Al-Chardsch, rund 80 Kilometer weiter südlich, abgefangen und zerstört worden. Am Montag war in der wichtigen Raffinerie Ras Tanura nach einem Drohnenangriff ein Feuer ausgebrochen. Zudem wurden iranische Raketen nahe der Hauptstadt Riad abgefangen.
Das Militär Kuwaits bestätigte am Dienstag zwei getötete Marinesoldaten. In Kuwait kam es bereits zu mehreren Angriffen, bei denen mindestens ein Mensch getötet und Dutzende weitere verletzt wurden. Ein versehentlicher Beschuss („friendly fire“) zerstörte zudem US-Militärflugzeuge – die Besatzung überlebte.
Im Oman wurden am Dienstag neue Drohnenangriffe gemeldet. Im Handelshafen von Dukm seien Treibstofftanks von mehreren Drohnen attackiert worden, wie die staatliche Nachrichtenagentur Oman News Agency unter Berufung auf Sicherheitsquellen berichtete. Verletzte gab es keine. Der Iran bestritt eine Beteiligung. Auch in Dhufar im Südwesten des Omans wurden zwei Drohnen abgeschossen. Eine weitere sei dort im Hafen der Küstenstadt Salala niedergegangen, berichtete ONA. Bereits am Sonntag hatte es einen ähnlichen Angriff gegeben.
Im Nordirak wurde nach örtlichen Angaben ein Lager von kurdischen Kämpfern und deren Familienmitgliedern von Drohnen getroffen. Eine Drohne sei direkt in das Krankenhaus des Lagers eingeschlagen und habe einen Menschen verletzt, sagte ein lokaler Vertreter der Nachrichtenagentur AFP.
Hisbollah-Miliz greift Israel an
Die von Teheran unterstützte Hisbollah-Miliz feuerte in der Nacht zu Montag mehrere Raketen auf Israel. Israel reagierte mit Angriffen auf die Hauptstadt Beirut und weitere Gebiete im Südlibanon. Ziele waren Infrastruktur und Waffenlager der Miliz sowie ranghohe Hisbollah-Mitglieder. Israels Armee hat eigenen Angaben vom Dienstag zufolge weitere Bodentruppen in den Südlibanon geschickt. Seit Montag beschoss Israel nach eigenen Angaben über 160 Ziele. Die libanesische Regierung meldete 52 Tote und mehr als 150 Verletzte.
Angriffe auf britische Militärbasis in Zypern
In der Nacht zum Montag wurde der britische Militärstützpunkt Akrotiri nahe der Hafenstadt Limassol von einer Drohne angegriffen. Später wurden zwei weitere Drohnen abgefangen. Der zyprische Präsident Christodoulidis teilte später mit, dass es sich bei der niedergegangenen Drohne um eine vom Typ „Shahed“ handele, die vorwiegend im Iran produziert werde. Die Drohnen wurden aus dem Libanon abgefeuert, wie die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf zyprische Regierungskreise berichtet. „Höchstwahrscheinlich“ seien sie von der Hisbollah gestartet worden.
EU-Staaten verstärken nun ihre Militärpräsenz auf Zypern. Frankreich entsendet laut der staatlichen Nachrichtenagentur KYPE auf Bitten der Republik Zypern Luftabwehr- und Anti-Drohnen-Systeme sowie eine Fregatte. Griechenland hatte bereits am Montag vier Kampfflugzeuge nach Zypern verlegt. Zwei griechische Fregatten seien zudem auf dem Weg. Großbritannien will Hubschrauber zur Drohnenabwehr dorthin verlegen und den Zerstörer „HMS Dragon“ entsenden.
Quellen: Nachrichtenagenturen AFP, DPA und Reuters