Die Bewertungen könnten besser sein: Manchen Gästen war das Personal zu brüsk, andere vermissten eine Sauna, die nicht erst auf Anfrage aufgeheizt werden muss, und dann gab es immer wieder Kritik an in die Jahre gekommenen Zimmern. Alles in allem: 3,7 von 5 Punkten bei Tripadvisor.
Es könnte aber auch schlimmer sein.
Und es ist schlimmer geworden: Als das „Hotel zum Hirschen“ im bayerischen Lam jüngst eine Buchungsanfrage aus Israel bekam, antwortete ein Mitarbeiter mit einem Satz auf Englisch, über den die israelische Generalkonsulin für Süddeutschland, Talya Lador, später schrieb: „Sind wir denn wieder in den 1930er-Jahren?“
Hotel: „Juden sind hier unerwünscht“
„Sorry, there are no Jews allowed in our hotel.“ Übersetzt etwa: „Entschuldigung, Juden sind hier unerwünscht.“
Ein Screenshot der Nachricht machte in den sozialen Medien schnell die Runde, israelische Zeitungen berichteten über den Vorfall ebenso wie die deutsche „Jüdische Allgemeine“. Nachdem die Interessenten die Antwort erhalten hatten, meldeten sie den antisemitischen Vorfall bei der Buchungsplattform „Booking.com“. Das niederländische Unternehmen strich das „Hotel zum Hirschen“ aus dem Angebot.
Der Zentralrat der Juden in Deutschland fordert nach der Äußerung eine juristische Untersuchung. „Die menschenverachtende Aussage ‚keine Juden erlaubt‘ lässt sich unabhängig vom Versuch ihrer Kontextualisierung keinesfalls rechtfertigen“, sagte Zentralratspräsident Josef Schuster der Nachrichtenagentur DPA. „Meine Erwartung ist, dass dieser Vorfall auf seine strafrechtlichen Konsequenzen überprüft wird.“
Und das Hotel? Was hat es zu der unappetitlichen Nachricht zu sagen? Eine Anfrage des stern wurde bislang nicht beantwortet. Der DPA schrieb Hotel-Juniorchef Andreas Vogl auf Anfrage: „Das ist überhaupt nicht unser Weltbild. Es war definitiv falsch von uns, auf diese Art und Weise im Chat zu antworten.“ Die E-Mail ging auch an die Bayerische Staatskanzlei.
In dem Schreiben erläutern die Familienhotel-Betreiber, wie es zu der Äußerung kam. Demnach kämpft das Hotel seit längerer Zeit mit gefälschten Buchungen und Phishing-Versuchen über eine große Buchungsplattform, bei denen Nutzerdaten gestohlen worden sein sollen.
Nachricht aus „Ärger über Fake-Buchungen“
Auch bei der Anfrage aus Israel habe man fälschlicherweise angenommen, dass es sich um einen Fake handele. „Es ist uns aber wirklich äußerst wichtig, dass Sie verstehen, dass diese Äußerung nicht im Hinblick auf Menschen jüdischen Glaubens gemacht wurde, sondern aus Ärger über die zahlreichen Fake-Buchungen“, heißt es in der Mail. „Das war nichtsdestotrotz inakzeptabel und darf so in einem professionellen Betrieb nicht passieren.“
In der E-Mail lud das Hotel den Gast und dessen Familie für eine Woche kostenlos in die Oberpfalz ein, „um uns persönlich kennenzulernen und um Ihnen zu beweisen, dass wir keine schlechten Menschen sind, die andere diskriminieren“.
Bei dem Hotel gehen nach Angaben von Vogl derzeit täglich Drohungen und Morddrohungen ein.
Antisemitische Vorfälle ähnlicher Art häufen sich:
- In Flensburg wurde der 60-jährige Chef eines Geschäfts verurteilt, nachdem er ein Schild mit der Aufschrift „Hausverbot für Juden!!! Nichts Persönliches, auch kein Antisemitismus, ich kann euch nur nicht ausstehen“ in sein Schaufenster gestellt hatte. Er muss nun eine Geldstrafe an eine KZ-Gedenkstätte zahlen.
- In Barcelona wurde im Mai zwei jüdischen Amerikanerinnen der Zutritt zu einer Sauna verweigert – sie hatten Davidstern-Ketten getragen.
- In Kalifornien hatte ein Hotelmitarbeiter israelische Touristen als „Babymörder“ beleidigt, wie Videoaufnahmen zeigen.