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Finanzieller Spagat: NEON-Beichten: "Meine Freunde denken, ich sei reich – dabei habe ich Schulden"

In der NEON-Serie über Geheimnisse, schlechten Sex und die kleinen Gemeinheiten des Lebens erzählen junge Menschen, was sie immer schon mal heimlich loswerden wollten. Dieses Mal: Josefine.

Von Katharina Weiß

Reiche Frau

Meine Freunde denken ich sei reich, dabei esse ich für unter 10 Euro in der Woche (Symbolbild)

Getty Images

Josefine gibt an einem Partyabend über 100 Euro aus – dafür isst sie unter der Woche für 10 Euro. Sie erzählt uns wie es ist, Spaß an einem teuren Lifestyle zu haben, den sie sich eigentlich gar nicht leisten kann.

Rechnet man Bafög, meinem Nebenjob und die Unterstützung meiner Eltern zusammen, habe ich im Monat etwa 1200 Euro zur Verfügung. Wenn man die Miete und alle anderen Fixkosten abzieht, sind das so etwa 700 Euro auf die Hand. Für eine Studentin eigentlich gar nicht so schlecht, werden viele sagen. Und ich weiß, dass ich mich nicht beschweren darf. Aber ich komme trotzdem nie damit über die Runden, habe aktuell sogar 2000 Euro Schulden.

Das liegt vor allem daran, dass ich seit drei Jahren mit einem Freundeskreis abhänge, in dem alle wohlhabend, wenn nicht sogar reich sind. Ich habe unfassbar viel Spaß mit ihnen – obwohl ich mir diesen Lifestyle eigentlich nicht leisten kann. Gerade beim Ausgehen – und besonders, wenn ich Alkohol getrunken habe – verliere ich einfach schnell die Kontrolle über mein Budget.

Ich fühlte mich wahnsinnig einsam – dann lernte ich zwei Mädels kennen

Ich bin vor vier Jahren nach Berlin gezogen und war in meinem Studiengang eine der Ältesten. Nach dem Abi war ich ein Jahr in Neuseeland, danach habe ich eine Ausbildung zur Schneiderin gemacht. Im Anschluss daran habe ich ein halbes Jahr Vollzeit gearbeitet, um mir ein Jahr Backpacken in Amerika zu finanzieren. Ich fing also erst mit 25 mein Bachelorstudium an: Design, an einer staatlichen Berliner Hochschule. Meine Kommilitonen waren zwar nett, aber wir hatte nicht wirklich viel gemeinsam. Unser Altersunterschied und die Tatsache, dass ich einfach schon viel mehr Lebens- und Reiseerfahrungen gesammelt hatte, trennten uns voneinander. 

Ich fühlte mich wahnsinnig einsam. Bis ich nach einem Jahr des Alleinseins auf einer Galerieeröffnung zwei Mädels kennenlernte, mit denen es sofort geklickt hat: Wir mögen dieselbe Musik und Kunst, haben einen ähnlichen Humor und vor allem sind wir alle drei sehr abenteuerlustig. Auch der gesamte Freundeskreis um die beiden herum, der sich mir eröffnete, war wie eine Erlösung.

Allerdings gab es auch zwischen uns gravierende Unterschiede: Sie wohnten ohne Mitbewohner in Berlin-Mitte und lagen in den letzten Zügen ihres Masterstudiums. Einige verdienten sogar schon voll. Ich hingegen wohnte – beziehungsweise wohne – in einer 4er-WG in Tempelhof. Auch der finanzielle Background unserer Eltern unterscheidet sich. Das habe ich aber lange nicht gepeilt.

Als ich feststellte, wie viel Geld sie haben, steckte ich zu tief drin

Dazu muss man ausdrücklich sagen: Meine Freunde können nichts für meine Situation – sie wissen einfach nur nichts davon. Als wir uns kennenlernten, war es üblich, super wilde Abende zu verbringen, die immer nach dem selben Schema abliefen: Wir trafen uns in einer Bar, alle schworen sich, heute mal nicht so viel Geld für Cocktails auszugeben und auf keinen Fall abzustürzen. Am nächsten Tag riefen wir uns gegenseitig an, hatten eine total aufregende Nacht gehabt, heulten uns aber auch gegenseitig die Ohren voll, dass uns die schicke Torstraße mal wieder 120 Euro pro Person gekostet hatte. Für mich war das viel Geld, aber für die anderen anscheinend ja auch – dachte ich. Als mir klar wurde, dass die meisten von ihnen ein ganz anderes Verhältnis zu Geld haben, oder bei knapper Kasse einfach einen kurzen Notanruf bei ihren Eltern machen, steckte ich schon viel zu tief drin.

Klar gab es mal Abende, an denen ich sagte: Für mich heute nur Bier, ich kann mir die Cocktails nicht leisten – und meine Freunde mir ein paar Runden ausgegeben haben. Aber nach zwei Drinks war ich im Zweifel wieder so beschwipst, dass ich doch selber noch die eine oder andere Runde spendiert habe. Vermutlich lässt sich einfach keiner gerne einladen, ohne sich noch im selben Moment zu revanchieren.

Natürlich habe ich ein bisschen Angst, diesen Freundeskreis zu verlieren, wenn ich den Partylifestyle nicht mehr mitmachen kann. Aber ich stehe auch verdammt auf das Berliner Nachtleben und für mich wäre es ein krasser Einschnitt in meine Lebensqualität, mich samstagabends nur noch mit zwei Flaschen Wein und einer Freundin auf dem Balkon zu betrinken.

Reich sein würde mir einfach verdammt gut stehen

Ich meine das gar nicht arrogant und wer mich kennt, weiß, dass ich das mit einem Grinsen sage, aber: Es würde mir einfach verdammt gut stehen, reich zu sein. Momentan ist es ein ewiger Kampf. Ich versuche, unter der Woche zehn Euro für Essen auszugeben, um 200 Euro am Wochenende zum Feiern übrig zu haben. Ich bin richtig gut darin geworden, Sachen im Supermarkt einzukaufen, die billig, lange haltbar und massig sind. Wenn meine Freunde dann in irgendwelchen Detox-Healthy-Foodporn-Laden lunchen gehen, verdrehe ich innerlich nur die Augen. Ich weiß, dass die meisten von ihnen mittlerweile zwischen etwa 2100 und 3500 Euro verdienen.

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Abgesehen davon, dass ich beim Feiern mithalten kann (oder es zumindest versuche), habe ich den großen Vorteil, dass ich ein Gefühl für Mode habe, wodurch meine Freunde immer noch denken, ich wäre genau so flüssig wie sie. Ich kaufe oft hässliche Second-Hand-Teile für fünf Euro und schneidere sie mir dann so um, dass sie modern und teuer aussehen. Ich habe sogar schon falsche Markenlogos auf meine Sachen gestickt.

Irgendwie hätte ich nie von mir gedacht, dass ich mal einer von diesen Menschen bin, der finanziell in einem so absurden Spagat lebt, dass es schon fast an Hochstapelei grenzt. Klar, es gab auch schon Momente, in denen ich die Reißleine gezogen habe: Als wir einen gemeinsamen Urlaub nach Mykonos geplant haben, war ich schon kurz davor, mich noch weiter zu verschulden, habe dann aber doch noch abgesagt und behauptet, ich müsse in dieser Zeit eine Show für die Uni vorbereiten.

Arm sein ist unter reichen Leuten ein Tabu

Dadurch, dass ich mit meinem Lebensstil niemandem – außer vielleicht mir selber – schade, kann ich überhaupt nicht einschätzen, wie jemand die Situation von außen beurteilen würde. Ich schnorre keine Freunde an, frage meine Eltern nie nach Geld und gehe nicht klauen.

Es ist auf jeden Fall so, dass arm sein unter reichen Leuten ein Tabu ist. Aber ein noch viel größeres Tabu wäre es, zuzugeben, dass man unbedingt mithalten möchte und nicht cool genug ist, auf Status und glamouröse Mitte-Partys zu scheißen. Dabei glaube ich, dass es viel mehr Menschen wie mich gibt, die mit mir in der Odessa-Bar oder im Soho-Haus sitzen und manchmal heimlich den Schnaps aus dem Flachmann ins Kristallglas gleiten lassen oder tagelang nur Pfannkuchen – wahlweise auch in Suppe – essen, weil man die mit wenig Mehl, einem Ei und heißem Wasser machen kann.

Und das nicht, weil sie wirklich an der Armutsgrenze leben. Das ist ein ganz anderes, gravierendes Problem, das mit meinem absolut nichts zu tun hat. Sondern weil sie nunmal keine Freude an günstigen Unternehmungen und billigen Studentenkneipen haben und auch keinen Partner oder Freundeskreis, der mit ihnen zusammen sparen möchte.

Findet auch ihr, dass es ein Tabu gibt, über das viel zu wenig geschrieben wird? Dann meldet euch anonym (und erst mal unverbindlich) bei unserer Autorin: Schreibt einfach eine Mail an kontakt@neon.de mit dem Betreff "Neon Beichte“.

Eine Frau in hellbrauner Lederjacke zieht etliche Euroscheine aus ihrem großen Portemonnaie

Themen in diesem Artikel
Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.
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