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Altersvorsorge: Wenn wir alt sind, bekommen wir dann überhaupt noch eine Rente?

Seit dem Vorstoß der SPD diskutiert Deutschland wieder über die Altersvorsorge. Doch eine Frage wird dabei viel zu selten gestellt: Wie steht es eigentlich um die Rente von uns jungen Menschen. Bekommen wir überhaupt eine? Wie kann ich für mich vorsorgen?

Von Katharina Weiß

Rente: Wenn wir alt sind, bekommen wir dann überhaupt noch eine?

Die Rente – wird es später noch eine für uns junge Menschen geben?

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Du bist 22 und denkst dir: Geil, nur noch 45 Jahre bis zur Rente! Dann fängt das Leben an … Du machst eine Kreuzfahrt, trampst wie Udo Jürgens durch San Francisco und schläfst jeden Tag bis zwölf, um dann in deinem Morgenmantel den ersten Gin Tonic zu trinken. Noch während du in Tagträumen schwelgst, in denen du dir herrliche Stunden endlosen Müßiggangs ausmalst, durchzucken die aktuellen Horrorworte der Renten-News deine paradiesischen Vorstellungen: Altersarmut, Demografie-Krise, Rente mit 73. Wir erklären dir, worum Politiker und junge Aktivisten für Generationengerechtigkeit gerade streiten – und welche Möglichkeiten der aktuell bestehen.

Warum ist das Thema aktuell?

Im Juli stellte Hubertus Heil (45), Minister für Arbeit und Soziales, ein neues Rentenpaket vor. Das sollte vor allem eine Maßnahme gegen die Überalterung der Gesellschaft, die sogenannte Demografie-Krise, vorgehen und Geringverdiener durch niedrigere Rentenbeiträge entlasten. Eigentlich sollte das Gesetz vergangene Woche beschlossen werden. Doch laut Heil stellt sich die Union quer – und auch die Kritik daran, dass sein Konzept jüngere Generationen finanziell zu stark in die Verantwortung nimmt, reißt nicht ab.

, Renten-Experte, Digital-Lobbyist und Autor des Buches "Alte-Säcke-Politik" bewertet den Vorstoß ambivalent. Gut sei beispielsweise die Stärkung der sogenannten Erwerbsminderungsrente - also der Unterstützung für Menschen, die schon vor dem normalen Rentenalter körperlich nicht mehr fit sind und daher früher in den Ruhestand wechseln müssen. "Ziemlich umstritten ist hingegen die sündhaft teure Aufstockung der Mütterrente, ein Wahlkampfschlager der CSU. Davon profitieren nur die Älteren, denn sie ist auf bestimmte Jahrgänge begrenzt. Bezahlt werden muss sie entweder aus höheren Beiträgen oder aus dem Steuertopf. Die Jungen haben davon rein gar nichts", sagt Gründinger.

Was ist das Problem?

Wir sind längst inmitten eines Generationenkonflikts: Um sicherzustellen, dass unsere Omas und Opas weiterhin ihren Lebensstandard halten können, müssen wir das Niveau ihrer sichern. Schon ab 2020 beginnt aber das Problem mit der Überalterung: Dann sind allmählich so viele Menschen in Rente, dass die jüngeren, die noch zur Arbeit gehen, mit ihren Beiträgen den Rententopf kaum noch ausreichen füllen können. Bis mindestens 2045 soll sich dieser Missstand verschlimmern.

Dieses Einfrieren des Rentenniveaus für unsere Großeltern- und teilweise Elterngeneration soll durch höhere Steuerzuschüsse erkauft werden, damit man die Beiträge nicht noch mehr erhöhen muss. Doch Wolfgang Gründinger warnt: "Schon heute gehen 100 Milliarden Euro aus dem Steuertopf in die Stabilisierung der Rente – das ist ein Drittel des gesamten Bundeshaushalts! Im Kampf gegen bringt die Maßnahme praktisch nichts, denn 1% mehr von einer kleinen Rente ist immer noch wenig, aber 1% mehr von einer guten Rente ist immerhin etwas."

Wir werden belastet durch höhere Steuern und höhere Beiträge, ob unsere Leistungen später einmal sicher sind, kann nicht garantiert werden. Gerade im Digitalen Sektor der Solo-Selbstständigen, in welchem Verstärkt heutzutage unter 30-Jährige tätig sind, fehlt die soziale Absicherung.

Gibt es eine Lösung für das Renten-Problem?

Bei der Frage nach einer Alternative ist die Politiklandschaft ziemlich ratlos. Auch Wolfgang Gründinger weiß von keiner magischen Lösung für die verfahrene Situation. Man könne den demografischen Wandel eben nicht wegreformieren, mehr Rentner seien nun mal teurer. Ein Schritt in die richtige Richtung wäre eine schrittweise Anpassung des Rentenalters an die Lebenserwartung würde am meisten Kostendruck nehmen, denn dann gäbe es mehr Beitragszahler und weniger Rentner.

"Allein dadurch könnte man das Rentensystem auf lange Sicht stabilisieren", sagt Gründinger. Eine Einschätzung des Instituts der deutschen Wirtschaft aus dem Jahr 2016 brachte sogar das Alter 73 ins Gespräch. Schöne Aussichten sind das nicht: Anstatt sich mit 70 auf Ibiza zu bräunen, schleppen wir uns vermutlich noch ins Büro, wenn wir beim Mittagessen in der Kantine schon die Dritten herausnehmen müssen. Kein Wunder, dass Politiker sich gerne um diese unpopuläre Option herumgewunden haben.

Auf Anfrage stand Bundesminister nicht für ein Interview zur Verfügung, ein Sprecher verwies aber auf seine Aussage in der Passauer Neuen Presse. Dort sagt Heil überraschend direkt: "Ich will in der Frage der längeren Lebensarbeitszeit der Rentenkommission nicht vorgreifen. Meine persönliche Meinung ist: Eine starre Fixierung auf das Renteneintrittsalter ist ein Fehler. Wir müssen über flexible Übergänge reden."

Wie soll nun ich vorsorgen?

Die Panik, dass wir keine Rente mehr ausgezahlt bekommen, sehen die meisten Experten für grundsätzlich unbegründet. "Man darf nicht in Zynismus verfallen à la 'die Rente ist sicher, dass ich nicht lache‘. Die Rente ist viel besser als ihr Ruf", meint Wolfgang Gründinger. Der Sprecher des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales bewirbt sein Produkt mit einem historischen Verweis: "Die umlagefinanzierte gesetzliche Rentenversicherung hat sich auch in Zeiten wirtschaftlicher und politischer Krisen und Umbrüche über mehr als 125 Jahre bewährt."

Problematisch wird es allerdings für Menschen, die wenig verdienen oder lange Auszeiten von klassischen Vollzeit-Beschäftigungen haben. Falls ihr davon betroffen seid oder auf Nummer Sicher gehen wollt, könnt ihr zum Beispiel eine Kapital-Lebensversicherung abschließen, die ist quasi Sparplan und Risikolebensversicherung zur Absicherung deiner Angehörigen in einem. Dort sind die Angebote ebenso vielfältig, wie bei der privaten Rentenversicherung. Die Riester- und die Rürup-Rente werden von Firmen wie der Allianz, HUK-Coburg oder der Concordia angeboten und staatlich bezuschusst. 

Als dritte Option empfiehlt Gründinger: "Wer nicht gerade viel erbt, der sollte möglichst früh damit anfangen, etwas Geld auf die Seite zu legen, am besten in einem Fondssparplan. Das bringt am meisten und ist recht sorgenfrei." Je nach Biografie und Besitz sei jedoch keine generelle Empfehlung zu treffen: Das heißt, ihr müsstet euch selber beraten lassen und Angebote vergleichen, um ein ideales Produkt zu finden.