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Schöne, schlimme Arbeitswelt: Sind wir wirklich so unglücklich in unseren Jobs, wie wir immer tun?

Wir arbeiten zwar mehr als ein Bauer im Mittelalter, aber doch nur noch halb so viel wie vor hundert Jahren – und trotzdem wirken wir alle immer so unzufrieden mit unserem Berufsleben. Täuscht der Eindruck? Fünf Millennials erzählen.

Von Nils Ketterer

Anonym, 25     Job: Industriedesignerin  Büro  40 Stunden pro Woche, oft projektbezogen Überstunden  3300 Euro brutto  Wert auf der Zufriedenheitsskala von 1 bis 72:  35      Ich sitze am PC und zeichne, nine-to-five. Ich bin noch nicht lange genug dabei, um es genau zu beurteilen, aber es scheint bergauf zu gehen in der Branche. Die Richtung ändert sich hin zu Künstlicher Intelligenz, Internet of Things, Virtual Reality. Das hier ist mein erster Job – aber happy bin ich nicht wirklich. Irgendwie beneide ich meine Freunde ein wenig, die alle noch studieren. Da wirkt alles noch so offen. Andererseits bin ich froh über die Erfahrung – und keine unbezahlten Praktika mehr machen zu müssen. Ich habe mir nie so super konkret vorgestellt, wo ich wann in meiner Karriere lande, aber jetzt bin ich hier. Vielleicht mache ich noch einen Master. Ich würde gern noch andere Büros kennenlernen, neue Erfahrungen machen. Es ist nicht so, als würde ich mich langweilen. Aber es wird auf jeden Fall nicht meine letzte Station gewesen sein. 

Anonym, 25
 

Job: Industriedesignerin
Büro
40 Stunden pro Woche, oft projektbezogen Überstunden
3300 Euro brutto
Wert auf der Zufriedenheitsskala von 1 bis 72:  35


Ich sitze am PC und zeichne, nine-to-five. Ich bin noch nicht lange genug dabei, um es genau zu beurteilen, aber es scheint bergauf zu gehen in der Branche. Die Richtung ändert sich hin zu Künstlicher Intelligenz, Internet of Things, Virtual Reality. Das hier ist mein erster Job – aber happy bin ich nicht wirklich. Irgendwie beneide ich meine Freunde ein wenig, die alle noch studieren. Da wirkt alles noch so offen. Andererseits bin ich froh über die Erfahrung – und keine unbezahlten Praktika mehr machen zu müssen. Ich habe mir nie so super konkret vorgestellt, wo ich wann in meiner Karriere lande, aber jetzt bin ich hier. Vielleicht mache ich noch einen Master. Ich würde gern noch andere Büros kennenlernen, neue Erfahrungen machen. Es ist nicht so, als würde ich mich langweilen. Aber es wird auf jeden Fall nicht meine letzte Station gewesen sein. 

Hebt mal bitte jeder seine Hand, wenn er in seinem unzufrieden ist, ja? Aha, aha. Ich glaube, ihr seid nicht allein. Ich fange mal bei mir an: Mir geht es wirklich nicht gut, wenn ich an meine Arbeit denke. Ich arbeite eigentlich immer, wenn ich atme. Feierabend und Wochenende gibt es nicht. Es laugt mich aus und mein Konto weiß gar nicht, was schwarze Zahlen sind. Könnte man jetzt sagen: selber Schuld, Autor geworden. 

Aber ziehe ich den Kreis etwas größer, merke ich: Meinen Freunden geht es auch nicht gut damit. Auf sind zwar alle #sooohappy und #thegoodlife. Aber dann brennt da draußen ganz groß die Pflegedebatte, die Ärztedebatte, die Piloten streiken, die Psychologen verzweifeln, den Bloggern ging's noch nie gut, die Grafikdesigner jammern, die Friseure kämpfen, die Start-Upper schlucken Pillen, die Bäcker haben Frust, bei den Journalisten brauchen wir gar nicht erst anfangen, und mein Hausmeister ist auch schon ganz grummelig. 

Arbeitswelt: Alle wirken irgendwie unzufrieden

Wenn man mal die Liste aller Berufe durchgeht, dann kommen mir ganz viele Branchen in den Sinn, denen es angeblich schlecht geht. Geht es überhaupt irgendwem gut, außer diesen fiesen Insta-Fitness-Coaches? Wir arbeiten zwar mehr als ein Bauer im Mittelalter, aber doch nur noch halb so viel wie vor hundert Jahren. Und alle wirken irgendwie unzufrieden. 

Liegt das an falschen Vorstellungen? Sind die Millennials zu verwöhnt? Oder hat die Postmoderne einfach noch nicht angefangen? Klar gibt es immer Menschen, denen es besser, und solche, denen es schlechter geht. Aber haben wir nicht 2018, damit wir alle happier sind mit unserer Arbeit? Sind die ganzen Tischtennisplattenbüros etwa umsonst? Ich habe mich mal umgehört und fünf junge Menschen interviewt, ob wir wirklich so unglückliche Arbeiterameisen sind, wie wir tun.

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