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"Siegfried"-Gin-Macher: NEON-Traumjob: Wie wird man eigentlich … Spirituosen-Innovator?

Traumjob gefunden: Gerald und Raphael sind Spirituosen-Innovatoren – sie entwickeln Schnaps-Sorten. Aber wie wird man das? Und was macht man dort den ganzen Tag? Mit NEON haben sie über ihre Arbeit gesprochen und was sie mit Henry Ford gemeinsam haben.

Gerald Koenen (r.) und Raphael Vollmar

Gerald Koenen (r.) und Raphael Vollmar sind beste Freunde – und Spirituosen-Innovatoren

Um wen geht’s?

Gerald Koenen (40) und Raphael Vollmar (41), beste Freunde, beide Geschäftsführer der Rheinland Distillers GmbH aus Bonn und seit Ende 2014 aus der Spirituosen-Szene nicht mehr wegzudenken. Neben ihrem weltweit ausgezeichneten Siegfried Rheinland Dry Gin, haben sie gerade Deutschlands ersten "alkoholfreien Gin" auf dem Markt gebracht.

Was macht ihr den ganzen Tag?

Arbeiten. Und zwar ohne, dass es uns selbst wie arbeiten vorkommt – das ist der Clou. Wir sind ein kleines Team und da gibt es oft kein festes Schema. Anfangs haben wir alles gemacht: Etiketten geklebt, Kartons bestellt und gepackt, Flaschen kontrolliert, mit Kunden verhandelt, Ware verschickt, Rechnungen geschrieben, eigentlich wirklich alles. Heute ist das natürlich strukturierter dank Aufgabenteilung in einem wachsenden Team. Geblieben sind E-Mails, E-Mails und noch mal E-Mails – die sind nämlich alles andere als weniger geworden. Da Zeit das höchste Gut ist, müssen wir im Grunde immer abwägen, was wichtig und was unwichtig ist. Hätte uns jemand vor ein paar Jahren gesagt, dass wir mal erfolgreich und weltweit mit unseren Produkten für Aufsehen sorgen, dann hätten wir das nie geglaubt. Es war und ist immer noch ein tolles Gefühl, wenn es dann doch soweit ist.

Wie wird man das?

Es gibt nicht den einen Weg, um eine Spirituose auf den Markt zu bringen. Ganz klassisch erlernt man das Handwerk des Brenners bzw. Destillateurs und stellt so seine eigene Spirituose her. Das Ganze kann man natürlich abkürzen, indem man sich jemanden sucht, der dies kann und die Aufgabe übernimmt. Man sollte aber nicht vergessen, dass die tollste Spirituose keinen Sinn macht, wenn sie nicht gekauft wird. Daher sind der Vertrieb und das Marketing ebenso wichtig für den Erfolg. Im Marketing versuchen wir daher immer wieder neue anstatt etablierter Wege zu gehen. Um Innovator in diesem Bereich zu werden, braucht es zudem eine visionäre Ader, ein Gespür für Marktentwicklungen und nicht zuletzt eine gehörige Portion Mut. Das klingt sicher ziemlich abgeklärt, aber für uns ist es tatsächlich auch ein Traum, der wahr geworden ist.

Welchen Satz kannst du nicht mehr hören?

Unser neuestes Baby ist der alkoholfreie Siegfried Wonderleaf. Das ist – wie Ihr Euch sicher vorstellen könnt – ein kontroverses Thema. Sätze wie "Das braucht doch kein Mensch" nerven da sicher schon mal. Man darf sich aber nicht vom Weg abbringen lassen. Der Einführung des alkoholfreien Bieres erging es ja ähnlich. Heute ist es etabliert und nicht mehr wegzudenken. Unser Lieblingsspruch derzeit lautet: Hätte Henry Ford die Leute gefragt, was sie haben wollen, hätten sie schnellere Pferde gesagt... Aber wenn man wie wir den weltweit am höchsten ausgezeichneten Gin der Welt herstellt, dann hat man bereits ein dickeres Fell und breite Schultern.

Wie ist die Bezahlung?

Wir können nicht klagen, da wir unsere Produkte erfolgreich auf dem Markt platzieren konnten. Pauschal lässt sich die Frage der Bezahlung also nicht beantworten. Man sollte aber bedenken, dass eine Selbstständigkeit auch immer Risiken birgt. Aber bei welchem Traumjob ist das nicht der Fall?

Was ist das Beste am Job?

Das Beste am Job ist es, seine persönliche Leidenschaft zum Beruf gemacht zu haben – ganz klar! Und es ist natürlich schon eine tolle Sache, wenn man ein oder mehrere "Must-Have-Produkte" auf den Markt gebracht hat und zum Beispiel auf Partys zuhört, wie Leute sich darüber unterhalten, wie "cool" ein Produkt ist oder auch, wenn in Talkshows über die eigene Marke gesprochen wird. Das ist am Ende des Tages jedes Mal die Bestätigung, dass wir vieles richtig gemacht haben. Und mal im Ernst – es gibt sicherlich schlechtere Berufsumfelder als Schnaps.

Was ist das Nervigste?

Nervig ist bei unserem Job auch nicht mehr oder weniger als bei anderen Jobs. Es ist vielleicht die Ungeduld, denn wenn man etwas Innovatives und damit Neues macht, dann kann man sich vorher nie sicher sein, wie es ankommen wird. Das ist aber eher positive Anspannung. Alles in allem haben wir uns unsere Welt so gestrickt wie wir sie uns besser nicht vorstellen können. Wir haben vorher ja schon ein paar Jahre in anderen Jobs verbracht und konnten uns nun endlich verwirklichen. Unser Büro ist, abgesehen von den Schreibtischen, eine echte, vollfunktionsfähige Bar, was kann denn da schon nervig sein...

Euer Tipp für Newcomer?

Dieser Tipp ist auf den ersten Blick recht trivial und mag eher an Sportbekleidung erinnern, aber er ist die Anfangshürde, die man in der Selbständigkeit überwinden muss: JUST DO IT!

Was wir damit meinen ist: Die Idee allein reicht nicht, man muss daraus ein echtes Projekt machen, viel Herzblut und Fleiß investieren und – ganz wichtig – man sollte nichts nur deshalb tun, weil man Geld verdienen möchte, oder "weil der Markt da gerade tolle Chancen bietet".

Eine Spirituose beziehungsweise einen eigenen Gin zu kreieren, ist natürlich gerade "in", aber man sollte dabei bedenken, dass der Weg zum Erfolg kein leichter ist. Niemand hat auf einen gewartet. Unser Rat lautet daher: Sei du selbst, sei professionell, schrecke auch vor Rückschlägen nicht zurück und zieh' dein Ding durch! – Cheers to you!

Whiskey Sour
jgs
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