HOME

Fahrverbot: Moralisch bedenklich? Diese Versicherung zahlt das Taxi, wenn der Führerschein weg ist

Bitte was? Die ias-Unternehmensgruppe aus Bremen will eine "Führerscheinverlustversicherung" anbieten. Sie soll die Kosten für eine alternative Beförderung übernehmen - wenn der Lappen zum Beispiel wegen einer Alkoholfahrt weg ist.

Führerschein: Diese Versicherung zahlt das Taxi, wenn dieser weg ist

Ist eine "Führerscheinverlustversicherung" moralisch bedenklich?

Unsplash

Das Ortseingangsschild übersehen. Mit 27 km/h mehr als erlaubt geblitzt. Das heißt nach dem Bußgeldkatalog 80 Euro Strafe, ein Punkt in Flensburg und im schlimmsten Fall ein einmonatiges Fahrverbot. Für jemanden, der aus beruflichen Gründen auf das Auto angewiesen ist, ist dieses Szenario der blanke Horror. Die Fahrkosten erhöhen sich für den jeweiligen Zeitraum – denn statt Auto heißt es Bahn, Taxi oder Bus.

Kein Problem, sagt die ias-Unternehmensgruppe. Sie will künftig eine so genannte "Führerscheinverlustversicherung" anbieten. Mit anderen Worten: Sie übernehmen bei Führerscheinverlust die Kosten für eine alternative Beförderung wie zum Beispiel Taxigeld. Für eine jährliche Pauschale von 300 Euro soll es diesen Versicherungsschutz geben. Während des Fahrverbots können die Versicherten bis zu 10.000 Euro von der Versicherung bekommen. Kritiker äußern nun moralische Bedenken. 

Denn der gewährte Schutz greift bei Vergehen wie Geschwindigkeitsüberschreitung, Auffahren und ungenügender Abstand, Handynutzung, Vorfahrtverletzung – und sogar bei Alkohol am Steuer bis zu einem Promillewert von 1,09 Prozent.

Grünen-Sprecherin: Fordert härtere Strafen

Das Angebot fördert das genaue Gegenteil davon, für was sich das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) seit Jahren einsetzt: mehr Sicherheit im Straßenverkehr. Dem widerspricht Thomas Schrader, geschäftsführender Gesellschafter der ias, vehement: "Was wir anbieten, richtet sich ausschließlich an Menschen, denen mal ein Missgeschick im Verkehr geschieht – die aber gerade keine notorischen Verkehrsrowdys sind."

Daniela Wagner, Sprecherin für Verkehrssicherheit der Grünen im Bundestag, hat trotzdem ihre Bedenken: "Mit Blick auf die Verkehrssicherheit ist es kontraproduktiv, wenn die Sanktionierung von Fahrern, die rasen und drängeln abgemildert wird." Sie fordere deshalb höhere Bußgelder gegen Raser und Drängler. Nur so könne eine Strafe abschreckend wirken.

Wie moralisch bedenklich ist die "Führerscheinverlustversicherung"?

Die Idee der Unternehmensgruppe ist im Übrigen nichts Neues. In Großbritannien werden solche Versicherungen schon seit Jahren angeboten. Wie Schrader betont, zeige die Erfahrung, dass dieses Produkt nicht von so genannten Verkehrsrowdys missbraucht werde: "Unser Ziel lautet nun: Wir wollen endlich auch in Deutschland mögliche wirtschaftliche Folgen des mobilen Alltags absichern."

Aus diesem Grund zahlt die Versicherung, wie die ias auf ihrer Homepage angibt, beim Verlust der Fahrerlaubnis von bis zu einem Monat 5000 Euro, bei bis zu zwei Monaten 7500 Euro und bei bis zu drei Monaten 10.000 Euro. Im Umkehrschluss heißt das, dass Leute, die sich die Versicherung leisten können, der eigentlichen Strafe entgehen können. Ob das moralisch bedenklich sei, hat NEON Schrader gefragt. "Dass es gerade keine Frage der Moral ist, hat auch das Bundesverkehrsministerium bei einer Überprüfung der Versicherung festgestellt", so Schrader. "Wir fördern mit unserer Versicherung kein unbilliges Verkehrsverhalten, sondern mildern lediglich finanzielle Folgen moderat ab."

Noch ist das das jedoch Zukunftsmusik. Auf der Homepage heißt es derzeit noch "coming soon" (Deutsch: kommt bald). Laut Schrader haben sich aber jetzt schon Interessenten gemeldet.

Themen in diesem Artikel