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Aufklärung durch Sex-Clips: Wie Online-Pornos den echten Sex der Teenager gestalten

Kids, die wissen wollen, wie Sex funktioniert, schauen heute Online-Pornos. Die Standards aus der Kunstwelt der Adult-Performer prägen eine ganze Generation.

Die heimlichen Erzieher: Pornostar Marica  auf der AdultCon.

Die heimlichen Erzieher: Pornostar Marica  auf der AdultCon.

Mit acht Jahren stolperte Drew im TV auf die Erotik-Reality-Soap "Girls gone Wild" – das war seine erste Begegnung mit Erotik. Danach kamen die Soft-Erotik Streifen im an die Reihe. In der Pubertät war es dann normal, Pornos auf dem Handy anzuschauen. 

Das war seine L'Éducation erotique. Denn die Videos blieben nicht ohne Folgen, sondern prägten die Vorstellung, wie guter Sex auszusehen habe. Einen Sex, den Drew in Wirklichkeit noch gar nicht kennengelernt hat.

Reise in die Porno-Welt der Teenager

Maggie Jones, von der "New York Times" hat in einer Langzeit-Recherche erforscht, wie die Porno-Industrie die sexuelle Wirklichkeit von heute prägt. Ihr bereitet die Vorstellung Sorgen, dass die Gesellschaft eines neues Bild vom gleichberechtigten Umgang der Geschlechter propagiert, die wirkliche Erziehung aber von ganz anderen, mächtigen Einflüssen abhängt.

Etwa den Porno-Stereotypen, in denen die Dominanz des Mannes und aggressiver Umgang miteinander der Schlüssel zum Glück zu sein scheinen. Drew und andere junge Leute lernte die Reporterin auf einem Kurs kennen: "Die Wahrheit über Pornographie: Ein Pornographie-Literatur-Lehrplan für die High School - entworfen, um sexuelle Gewalttätigkeit beim Dating zu verringern".
Sowohl Drew wie auch sein Freund Q. wurden in einer schizophrenen Situation groß. Wirkliche Mädchen waren noch unerreichbar, doch zugleich wurde ihre Vorstellung mit Pornos geflutet. Und nicht nur die Mädchen wurden an dem Maßstäben der XXX-Stars gemessen, sie selbst verglichen sich an den Darstellern mit ihren Sixpacks und Riesenpenissen. Dieses Dilemma wird viel beklagt, ist aber schwer zu lösen. "Wo lernt man sonst etwas über echten Sex", fragte ein junger Mann. "Die Porno-Stars wissen immerhin, was sie machen."

In den sollen Jungen im Durchschnitt etwa 13 und Mädchen 14 sein, wenn sie zum ersten Mal Pornografie begegnen. Typisch für den Pornokonsum ist, dass normaler, einvernehmlicher, zärtlicher Sex die Ausnahme bliebt. Sex vor der Kamera ist eine Inszenierung – entsprechend findet der erste Kontakt der Teenager mit Sex in einem Rahmen statt, der von Facials, Double Penetration und Gang-Bang dominiert wird.

Dass die Sexakrobatik der Filme soviel über echten Sex aussagen, wie ein Superhelden-Epos über echte Polizeiarbeit, ist den jungen Konsumenten nicht klar. Sie gehen allesamt davon aus, dass die Darsteller bei den Aufnahmen wirklich erregt sind und eine Menge Spaß miteinander haben. Dieses Zerrbild ist schwer zu entlarven. Auf ihren Twitter-, Instagram- und Snapchat-Accounts spinnen die Darsteller die Legende ihrer befreienden und enthemmten Sexualität weiter.

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Videos prägen die Welt

Offenbar ändert der Konsum das Verhalten. In der TV-Serie "Top of the Lake" von 2016 schreit die Tochter Mary ihre Adoptiv-Eltern an, dass die meisten ihrer Freundinnen noch Jungfrauen seien, weil die Jungs in der Schule nur noch auf anal stehen. Das mag übertrieben sein, aber laut der "NYT" weisen Untersuchungen daraufhin, dass Praktiken, die in der Porno-Welt vorgelebt würden, sich auch in der Realität rapide verbreitern würden. Das gilt für die Ejakulation auf das Gesicht, würgende Griffe am Hals und Anal-Verkehr.

Besonders stark verbreiten sich diese Praktiken bei Personen, die zugleich Pornos konsumieren. Reporterin Maggi Jones musste während ihrer Recherche feststellen, dass "Anal" und "Rough Sex" in den USA inzwischen normaler Standard geworden sind. Vorgelebt nicht allein durch die Pornofilme. Music Videos von Nicki Minaj oder Rihanna und auch normale Unterhaltungsfilme aus Hollywood würden derartige Praktiken verbreiten.

Ihre Hoffnung: Aufklärung, so dass die Teenager den künstlichen Show-Charakter der Porno-Welt besser durchschauen. Richtig schockiert waren die Schüler des High-School-Kurses, als sie die Tarife der Sex-Industrie erfuhren. Anal: 1000 Dollar. Double Penetration: 1200 Dollar. Gang Bang: 1300 Dollar für drei Männer 100 mehr für jeden weiteren. "Das ist ja nichts, wenn man dafür vor der Kamera penetriert wurde", entfuhr es einem Jungen entsetzt. 

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