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Doku "Hot Girls Wanted": Amateur-Pornos - der Mädchentraum vom Erotikstar

Eine 18 im Ausweis und ein Klick im Internet: So schnell landen Mädchen heute in der Porno-Industrie. Eine Netflix-Doku zeigt, was vom erträumten Starruhm als Porno-Queen bleibt.

Von Gernot Kramper

Tressa fand Texas zum "Kotzen" - so landet sie in Porn.

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Tressa, Rachel, Jade, Karly und Michelle wollen raus, wollen frei sein und leben den Traum von Sex und Geld. Der Weg dazu ist einfach: Ein Inserat auf dem Kleinanzeigenportal Craigslist lautet "Hot Girls Wanted". Dank Internet ist der Weg in die Porno-Industrie nur einen Klick entfernt. 

Von echten Porno Stars ist die Szene, die Netflix-Dokumentation "Hot Girls Wanted" schildert, weit entfernt. Es ist die Frischfleischmaschine der "Pro-Am"-Produktionen. Dort arbeiten Mädchen, die wie Amateure aussehen, aber bezahlt werden. Gefragt sind der junge Teen-Look und Darstellerinnen, die wie das nette Mädchen von nebenan aussehen. Die Mädchen sind keine Super-Barbies aus der Silikonfabrik, eine echte Handung gibt es in den kurzen Sex-Clips nicht und auch die Drehorte stammen keineswegs aus einer Architekturzeitschrift.

"Hot Girls Wanted" von Ronna Gradus und Jill Bauer verzichtet auf schnelle Urteile und Verurteilungen, zeigt dabei drastisch wie abgewrackt der Kleinmädchentraum vom Pornoleben ist. Die Porno-Szene von Miami wirkt ernüchternd, aber nicht grundböse. Hinter den Anzeigen steckt Riley, Inhaber einer kleinen Agentur. Er ist ein einfacher Typ. Ein totaler Loser, wie er selbst sagt, erst durch die Idee mit der Porno-Agentur habe er jetzt ein Auto, ein Haus und mache endlich einmal gutes Geld. Riley kümmert sich um seine Mädchen, so gut er eben kann. Er wirbt die Mädchen nicht nur an, sie leben auch bei ihm im Bungalow. Riley ist ein Mädchen für alles. Aber doch wirkt sein Haus wie ein Palast der zerbrochenen Träume. Außer ein paar Betten und einer Couch ist er kaum möbliert, auf dem Boden stehen geöffnete Koffer herum. Überall fliegen Pizzakartons und BHs herum. Riley gibt sich Mühe, aber am Ende sieht es doch aus wie eine Unterkunft für Wanderarbeiter - was es wohl auch ist. Sein Credo: "Jeden Tag wird ein Mädchen 18, jeden Tag will ein Mädchen Pornos machen. Es wird immer Nachschub geben." Auf jede Anzeige erhält er eine Flut von Bewerbungen mit eindeutigen Selfies.

Die Dokumentation ist hochgelobt und dabei konventioneller als man zunächst vermutet. Der Film folgt nicht allen Mädchen der kleinen Porno-Queen-WG in Miami, sondern der legalen Ausreißerin Tressa - eine behütete Familien-Prinzessin aus Texas. Tressa hat ausgerechnet Porno als den Weg ihrer Rebellion gewählt. Mit den anderen Girls hat sie - eloquent, gebildet und mit allen Möglichkeiten - nichts gemein, wie Mitbewohnerin Jade bitter bemerkt, denn Tressa habe etwas, wohin sie zurück könne. Tatsächlich nimmt die Porno-Auszeit von Tressa ihren Freund, die Mutter und ihren Vater mächtig mit, aber nichts kann deren Liebe erschüttern.

Karly in einem Clip.

Karly in einem Clip.

Die anderen Mädchen lockt vor allem das schnelle Geld. Der Kurs sind 800 Dollar für einen vier Stunden langen Dreh, statt 8,50 Dollar pro Stunde als Serviererin. Und zunächst träumen alle davon, ein richtiger Pornostar zu werden. Der Weg dazu heißt Twitter, seitdem andere soziale Netzwerke einen restriktiven Kurs gegenüber der Erotikindustrie durchsetzen. Wie gebannt verfolgen die Mädchen ihren Counter, Twitter-Follower steigern den Marktwert.

Gibt es Schurken in dem Porno-Universum? Eigentlich nicht. Hausmeister-Agent Riley gibt sich ebenso Mühe, wie der Fotograf der Setcards. Die Männer sind freundlich, machen sich zum Kasper, um das Eis zu brechen, damit die Mädchen die Scheu vor der Kamera verlieren. Karly: "Die Jungs sind echt nett zu dir, als wärst du eine Prinzessin!" Manche Äußerungen kann man gar nicht einordnen, etwa wenn Karly - Typ Bubblegum-Princess- sich sorgt, dass sie mit allzu vielen Fremden Sex habe und im gleichen Atemzug bekundet: "Sex außerhalb von Pornos macht mir Angst."

Michelle: "Daran ist nichts erregend. Das ist so ätzend im diesem Moment."

Michelle: "Daran ist nichts erregend. Das ist so ätzend im diesem Moment."

Dass dieses Leben zu nichts führen wird, zeigen die Alltagsszenen in dem Bungalow, den wohl niemand ein Zuhause nennen würde. Zwischen Vaginalduschen, Alkohol und süßen Hündchen reden sich die Mädchen immer wieder ein, wie schnell sie berühmt sein werden. Der Zuschauer sieht vor allem, wie schnell Porno-Clip-Ästhetik und ihr Verhalten in der Wirklichkeit miteinander verschmelzen.

Und natürlich hat der Film - als Oscarfavorit - auch eine moralische Sendung: Das eine ist der Triumph der texanischen Familie über die Verlockungen der Porno-Industrie. Zum anderen verändert der Film subtil seine Tonlage. Zuerst erscheint das Pornoleben als Spektakel, anrüchig, aber auch knallbunt und voll guter Laune. Etwa als Karly einen neuen Follower entdeckt: "Was? Mit dem Typen bin ich zur Schule gegangen!"

Das ändert sich im letzten Drittel drastisch. Dann kommt der aktuelle Trend zu erzwungenem Sex und Erniedrigungen von Frauen ins Spiel. Tapfer behaupten die Darstellerinnen, das sei in Wirklichkeit alles nicht so "rough" wie es auf dem Bildschirm aussehe. Letztlich sei alles gespielt und damit weit weniger tragisch als Demütigungen in der Wirklichkeit. Das ist alles wahr, aber wenn sie sich ihre eigenen Szenen anschauen, in denen ihnen riesige Plastikschwänze in den Hals gerammt werden, leeren sich ihre Gesichter und sie selbst werden still. Der Zuschauer sieht von den Pornos nichts. "Hot Girls Wanted" delektiert sich nicht an heißen Szenen aus den Porno-Clips, wie es kritische TV-Dokumentationen gern machen.

Am Ende des Films ist Texas Flüchtling Tressa wieder nach Haus und zu ihrem Freund zurückgekehrt und managt eine Filiale einer Restaurantkette. Jade, die nirgends hin kann, wechselte ins Fach "Webcam Girl" und nur Karly und Michelle arbeiten weiter in der Industrie. Riley und seinen ranzigen Bungalow haben sie verlassen. Aber das macht nichts, denn Riley lebt dort mit acht frischen Mädchen zusammen.

Hausmeister und Manager Riley mit neuen Mädchen.

Hausmeister und Manager Riley mit neuen Mädchen.

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kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(