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Heul-Anfall und Designerkleider: Fake-Erbin Anna Delvey kämpft vor Gericht um ihr Image – und ihre Taktik ist clever

Die Geschichte von Anna Sorokin, alias Anna Delvey, geht weiter. Der Prozess gegen die Fake-Erbin hat in New York begonnen. Natürlich mit ganz viel Drama. 

Anna Delvey: Russin Anna Sorokin gab sich jahrelang als reiche deutsche Erbin aus

Ihr Leben glich einem Höhenflug – bis Anna Sorokin, die sich jahrelang Anna Delvey nannte, am Ende ganz tief fiel. Die vergangenen Monate hat die 28-Jährige hinter Gittern verbracht. Jetzt steht sie vor Gericht. Der Vorwurf: Diebstahl und Betrug. Als Anna Delvey machte die junge Frau über Jahre das schicke Manhattan unsicher, fand sich in einer Szene mit den Reichen und Schönen wieder. Sie sei Deutsche, habe einen schier unendlichen Treuhandfonds, ließ sie alle wissen. Tatsächlich zog sie mit 16 mit ihrer Familie nach Deutschland, geboren wurde Delvey aber in Russland. Ihre vielen Opfer soll das einstige It-Girl um eine Viertelmillion Dollar erleichtert haben. Hotelrechnungen wurden nicht bezahlt, enge Freunde finanziell ausgenommen, Banken betrogen. Die unglaubliche Geschichte der Fake-Erbin und ihre intriganten Machenschaften kannst du hier nachlesen. 

Anna Delvey: Clevere Strategie vor Gericht

Am Ende flog Delveys falsches Spiel auf. Jetzt muss sie sich vor Gericht behaupten. Und ihre Verteidigungsstrategie ist eine Mischung aus absurd und genial. Denn die 28-Jährige nutzt ihre Auftritte vor der Richterin als Modenschau. Statt in Gefängniskleidung ist es ihr und ihrem Anwaltsteam wichtig, sie in sorgsam ausgewählten Outfits zu präsentieren. So würde sie vor einer Jury nicht direkt aussehen als sei sie schuldig. 

So trug die Russin gleich zu Beginn des Prozesses ein eng anliegendes, tief ausgeschnittenes Kleid von Designer Michael Kors, dazu einen schwarzen Choker und ihre mittlerweile typische Celine-Brille. Stylisch, so kennt sie die New Yorker Society seit Jahren. An Tag zwei erschien die mutmaßliche Betrügerin in einer Hose von Victoria Beckham, kombiniert mit einer Saint-Laurent-Bluse. So sieht keine Verbrecherin aus, oder?

Genau dieser Gedanke ist es, den Sorokins Anwälte in den Köpfen der Jury pflanzen wollen. Dafür engagierten sie extra eine Stylistin, die die Outfits zusammenstellt. Anastasia Walker heißt die und sie scheint bereits ganze Arbeit zu machen. Ein Instagram-Account mit dem Namen "Anna Delvey Court Looks" sammelt Bilder der Auftritte vor Gericht und versieht diese mit Informationen zu den jeweiligen Looks. Fast 2500 Follower haben den Kanal bereits abonniert. 

Warum ihr Outfit so wichtig ist

Das äußere Erscheinungsbild Delveys wurde schon mal zu ihrem großen Vorteil. Damals, als niemand davon ausging, dass diese hübsche junge Frau etwas anderes sagen würde als die Wahrheit. Die durchaus clevere Strategie, Delvey nicht in Knastkleidung zu zeigen, ist in den USA nicht unüblich. "Verteidiger haben immer schon das Image im Blick gehabt", erklärt Anwältin Elura Nanos dem US-Magazin "The Daily Beast". "Wir haben Mandanten immer schon geraten, was sie tragen sollen. Stylisten bringen das nur auf eine neue Ebene", sagt sie. 

Wer für die Dienste von Anastasia Walker zahlt, ist nicht bekannt. Delveys Anwalt erklärt jedoch "GQ", warum ihr Erscheinungsbild so entscheidend ist: "Es ist unerlässlich, dass Anna sich für den Prozess angemessen anzieht. Annas Stil war sowohl in ihrem Business als auch in ihrem Privatleben Antrieb und ein Teil dessen, was sie ist. Ich will, dass die Jury diese Seite sieht", verrät er. 

Kein Wunder also, dass Delvey am vergangenen Freitag bitterlich weinte, als ihr verwehrt wurde, in Designerklamotten vor Gericht zu erscheinen. Es dauert zu lange, die verschiedenen Outfits von der Security prüfen zu lassen, ließ die Richterin sie wissen. Stattdessen solle Delvey Haftkleidung tragen. Ein unerträglicher Zustand für die Angeklagte, die nach ihrem Heul-Anfall sagte, sie fühle sich nicht gut. "Das ist der letzte Tag, an dem wir mit Klamotten spielen", schimpfte Richterin Diane Kiesel.

Doch Anna Delvey – so viel ist sicher – wird auch in den kommenden Wochen mit Klamotten spielen. Der äußere Schein gehört zu ihrer Strategie. Vielleicht schafft sie es so, auch die Jury um den Finger zu wickeln. 

Quellen: "The Daily Beast" / "GQ"

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