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Aus dem Gefängnis entlassen In Designer-Schuhen zum Bewährungshelfer: So lebt Hochstaplerin Anna "Delvey" Sorokin heute

Anna "Delvey" Sorokin
Anna "Delvey" Sorokin darf ihre Wohnung nur einmal in der Woche verlassen
© Splash News / Action Press
Anna "Delvey" Sorokin schwindelte sich jahrelang durch die New Yorker High Society, bis ihre Lügen aufflogen und sie im Gefängnis landete. Kürzlich wurde die geborene Russin aus der Abschiebehaft entlassen. Von ihrem teuren Lebensstil will sie sich aber immer noch nicht trennen. 

Ihre Geschichte war so legendär, dass Star-Produzentin Shonda Rhimes sie für Netflix verfilmte. Im Februar 2021 kam Anna Sorokin, die sich über Jahre unter dem Namen "Anna Delvey" als reiche, deutsche Erbin ausgegeben und so verschiedene Banken und Gläubiger betrogen hatte, aus dem Gefängnis.

Nur sechs Wochen später wurde sie erneut festgenommen, weil sie ihr Visum überzogen hatte. 18 Monate saß sie in Abschiebehaft, aus der sie vor gut einem Monat entlassen wurde. 

Anna "Delvey" Sorokin: Sie darf nur einmal die Woche vor die Tür

Sorokin muss eine Fußfessel tragen und darf ihre Wohnung in New York nur für Besuche bei ihrem Bewährungshelfer verlassen. Das US-Magazin "The Cut" begleitete die in Russland geborene und in Deutschland aufgewachsene 32-Jährige einen Tag lang — und bemerkte, dass Sorokin ihren teuren Lebensstil noch immer beibehält. 

Sie könne nicht shoppen gehen, moniert die Fake-Erbin im Gespräch mit dem Magazin. "Ich wollte diese Overknee-Stiefel von Givenchy kaufen", erklärt sie. "Das war ein No-Go wegen dieser Fußfessel. Ich schätze, keine Overknee-Stiefel für mich." Im East Village in Manhattan lebt Sorokin in einer Einzimmerwohnung, die stolze 4000 Dollar im Monat kostet. Aus der Abschiebehaft baute sich die Hochstaplerin ihr eigenes Business auf und verkaufte ihre selbstgezeichneten Skizzen. Über 200.000 Stück habe sie für bis zu 10.000 Dollar verkauft, erzählt sie "The Cut". 

Als sie sich durch die High Society schwindelte und erzählte, sie sei eine wohlhabende reiche Erbin, trug Sorokin häufig Lederjacke und Leggings, ihre rotblonden Haare wirkten meist leicht zerzaust. Eine Uniform, die ihr anscheinend Glaubhaftigkeit verlieh. "Wenn man total overdressed ist und es so aussieht, als hätte man sich viel Mühe gegeben, wird angenommen, dass man nur versucht, etwas zu verkaufen, dabei war es genau andersherum", sagt sie "The Cut". "Es hat mich nicht viel Mühe gekostet, denn das sind die Klamotten, die ich früher wirklich mochte. Ich hatte nicht das Gefühl, dass ich mich verkleiden wollte", erläutert sie. 

Sie hielt der High Society den Spiegel vor

Ihre Geschichte sorgte nicht nur wegen ihres Glamour-Faktors für Aufsehen, sondern auch deshalb, weil Sorokin der New Yorker High Society den Spiegel vorhielt. Sie wurde zu einem Symbol für alles, was in dem Melting Pot falsch läuft. Für den Schein, der mehr zählt als das Sein. 

Von nun an wolle Sorokin selbst das Wort ergreifen. "Ich habe das Gefühl, dass die Geschichte, die bisher erzählt wurde, immer aus der Perspektive der anderen erzählt wurde, und jetzt bin ich an der Reihe zu zeigen, was ich als nächstes tun werde", sagt sie. Angebote hätte sie bereits zu Genüge bekommen. Unter anderem sei eine Reality-Dating-Show sowie die US-Ausgabe von "The Masked Singer" an ihr interessiert gewesen. Beides habe sie abgelehnt. "Es gibt so viele Leute, die mit dieser Karikaturversion von mir leben (...). Ich bin diesmal klüger, was die Leute angeht, mit denen ich mich umgebe", stellt sie klar. 

Aktuell sieht ihr Leben allerdings noch ziemlich eintönig aus. Der einzige Anlass, zu dem sie ihre Wohnung verlassen darf, sind die montäglichen Termine beim Bewährungshelfer. Für das "The Cut"-Fotoshooting, das auf dem Weg zu dem Beamten stattfand, wollte sie laut Autorin unbedingt Designer-High-Heels tragen. "Ich komme nur einmal in der Woche raus, also habe ich das Gefühl, dass dies meine Chance ist", erklärt sie selbst. Auf die Frage, ob sie eine Betrügerin ist, antwortet Sorokin eindeutig. "Nein, absolut nicht", sagt sie. Sie habe immer geplant, das Geld, das sie veruntreut hat, zurückzuzahlen. "Ich glaube, wenn man jemanden betrügt, bekommt diese Person nie etwas zurück. Aber das war bei mir nicht der Fall", betont sie. 

Zu ihren Freundinnen aus ihrer Zeit als Anna Delvey habe Sorokin heute sogar noch Kontakt. Nur zu einer nicht: Rachel DeLoache Williams, die Freundin, die wegen Sorokin mehr als 60.000 Dollar Schulden hatte und ein Buch über die zerbrochene Freundschaft schrieb.

Quelle: "The Cut"

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