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Anna "Delvey" Sorokin Fake-Erbin schreibt Tagebuch aus dem Knast – und zeigt damit, warum sie so faszinierend ist

Anna "Delvey" Sorokin
Anna Sorokin, die als Anna Delvey die New Yorker Oberschicht betrog
© Richard Drew / Picture Alliance
Über Jahre hinweg log Anna Sorokin ihren gut betuchten New Yorker Freunden was vor, behauptete, sie sei reiche Erbin. Mittlerweile sitzt die Betrügerin in New York im Gefängnis. Das hält sie nicht davon ab, sich weiter zu inszenieren. 

Als Anna Delvey versuchte Anna Sorokin, die New Yorker High Society über den Tisch zu ziehen. Über Jahre hinweg behauptete sie, wohlhabende Erbin zu sein, lebte auf großem Fuß - bis ihr Schauspiel aufflog. Mittlerweile sitzt sie im New Yorker Albion Correctional Facility ihre  vier bis 12-jährige Haftstrafe ab. 

Anna "Delvey" Sorokin startet Online-Tagebuch aus dem Knast

Doch das hält Sorokin nicht davon ab, sich selbst weiterhin zu inszenieren. Kürzlich veröffentlichte die 30-Jährige ihr Online-Tagebuch, indem sie auf ironische Art und Weise aus ihrem angeblichen Alltag im Knast erzählt. Dabei hält sie ihr selbst auferlegtes Image der verwöhnten Erbin weiterhin aufrecht. In ihrem ersten Eintrag, "Life is Hard (Part 1)", beschreibt sie, wie es ist, die Corona-Pandemie im Gefängnis zu erleben. Und man muss ihr lassen: Sie spielt ihre Rolle weiterhin unterhaltsam und gewitzt. 

"Im Gefängnis zu sein, fühlt sich meistens wie eine verlängerte Quarantäne an, nur mit einem Haufen Mörder, und wir können uns immer noch die Haare machen lassen", beginnt sie den Artikel. "Es wird mir für immer in Erinnerung bleiben, wie sie sich aufgrund einer Unterbrechung in der Lebensmittelversorgungskette die Freiheit nahmen, das vegane French Dressing durch ein normales mit Blauschimmelkäse zu ersetzen. Als ob es nicht schon Strafe genug wäre, sich mit gemischtem Grünzeug und Brokkoli ohne Bio-Siegel begnügen zu müssen", fährt sie fort. 

Sie spielt die Rolle klug weiter

Bereits vor Gericht nutzte Sorokin die Aufmerksamkeit, um sich selbst zu inszenieren, anstatt sich reuig zu geben. Als Anna Delvey hatte sie über Jahre das schicke Manhattan unsicher gemacht, fand sich damals in einer Szene mit den Reichen und Schönen wieder. Sie sei Deutsche, habe einen schier unendlichen Treuhandfonds, ließ sie alle wissen. Tatsächlich zog sie mit 16 mit ihrer Familie nach Deutschland, geboren wurde Sorokin aber in Russland. Ihre vielen Opfer soll das einstige It-Girl um eine Viertelmillion Dollar erleichtert haben. Hotelrechnungen wurden nicht bezahlt, enge Freunde finanziell ausgenommen, Banken betrogen.

Ihr neues Tagebuch beweist, dass Sorokin die Rolle verinnerlicht hat. "Ich verstehe, dass es im Gefängnis darum geht, keine Rechte zu haben und gezwungen zu sein, sich mit weniger zufrieden zu geben", schreibt sie, "aber wenn mir beiläufig gesagt wird, dass Müsliriegel durch Donuts mit Puderzucker ersetzt werden, ist es besonders schwer, die Hoffnung zu bewahren und positiv zu bleiben. Wie auch immer, ich dachte immer, dass 'positiv bleiben' für Idioten ist, die es vorziehen, in Verleugnung zu leben." 

Tipps an Donald Trump

So geht es weiter. Auf mehreren Tausend Zeichen beschreibt die gefallene Fake-Erbin ihr hartes Leben, doch es ist die Prise Sarkasmus, die zeigt, warum ihre Geschichte überhaupt so viele faszinierte und wieso sie momentan für die Netflix-Serie "Inventing Anna" verfilmt wird. In einem anderen Tagebucheintrag wendet sich Sorokin an Donald Trump. Sie gibt ihm Tipps für seinen eventuell anstehenden Aufenthalt im Gefängnis Rikers Island. "Nach meiner eigenen Erfahrung zu urteilen und in Anbetracht Ihrer enormen Ressourcen und des hohen Anreizes zu fliehen, ist es unausweichlich, dass Sie am Ende in Untersuchungshaft kommen und nach Rikers Island geschickt werden, was eine Zeit lang mein Terrain war", schreibt sie dem 45. US-Präsidenten. 

Ein Tipp an ihn (von vielen): "Einen medizinischen Notfall herbeizuführen, der eine Fahrt ins Krankenhaus erfordert, ist ein heikles Manöver, das potenziell nach hinten losgehen kann und idealerweise nur für besondere Anlässe reserviert werden sollte, z.B. um die Anhörung zur Verurteilung zu verzögern oder um 'versehentlich' die Pläne der Staatsanwaltschaft zu ruinieren, einen Zeugen vorzuführen. Sie wollen die Aufmerksamkeit, aber nicht diese Art", schreibt Sorokin. 

Sie ist eine Meisterin der Selbstinszenierung. Zweifelsohne talentiert, wenn es darum geht, sich der Öffentlichkeit zu präsentieren. 

Verwendete Quelle: "Anna Delvey Diaries"

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