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Crystal Meth: Breaking Dad – wenn dein Papa sich in den größten Drogendealer des Landes verwandelt

Der Vater von James Lubbock brach mit Mitte 50 aus seinem bürgerlichen Leben aus. Richard gestand seinem Sohn seine Homosexualität, lief nur noch in Baggys herum und wurde Londons größter Crystal-Dealer.

In der TV-Serie Breaking Bad beginnt der Lehrer Walter White im großen Stil Drogen herzustellen.

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Im Sommer 2003 erlebte James Lubbock das Coming-Out seines Vaters. Vollkommen ahnungslos traf er seinen Vater Richard in einem Restaurant für ein Gespräch. Warum der ihn treffen wollte, wusste der Sohn nicht. War Richard krank? Hatte er eine andere Frau kennengelernt? James grübelte sogar, ob sein Vater ihm vielleicht eine geheime Zweitfamilie vorstellen wollte.

Dann bei Tisch brach er heraus: "Nun, die Sache ist die ... Ich bin ... nun... Damals, als ich in der Schule war, fing ich an, diese Gefühle zu bekommen. Für Jungs ..." James wusste zwar, dass sich seine Eltern getrennt hatten. Doch er hatte keine Ahnung, dass sein Vater schwul war.

Männer waren nur den Anfang

Doch das Bekenntnis zu "Jungs" war nur der Anfang. Papa streifte sein bisheriges, konventionelles Leben ab wie eine Schlange die alte Haut. Die Lubbocks hatten in einem Eigenheim in einer ruhigen Straße gelebt, zwei Fords parkten auf der Einfahrt. Das Kind, James, ging auf eine Privatschule, der Vater war eine große Nummer im Handel mit alten Münzen.

Nun wirkte Richard Lubbock auf den Sohn wie eine Flasche Champagner, bei der der Korken explodiert war. Es gab kein Halten mehr. Trotz seines Asthmas und seiner vorigen kategorischen Ablehnung begann Richard zu rauchen. Die konservativen Anzüge ließ Papa im Schrank, auf einmal lief der 56-Jährige mit Tank-Top, Baggy-Hosen und Sneakern herum. Dazu rasierte er sich den Kopf. Das fand der Sohn "sehr seltsam." Opern und klassische Musik waren passé, Daddy hörte nun House-Music und fing an, Drogen zu nehmen. Mit Kleinkram wie Ecstasy und Poppers hielt sich Richard nicht auf, er stieg mit Crystal Meth ein.

Daddy macht Kasse

Zu Tausenden brechen ältere Männer aus ihrem Leben aus, ziehen sich hippe Musik rein, imitieren den Kleiderstil ihrer Kinder und hängen am Thresen von Szene-Klubs ab.

Doch Richard Lubbock machte Nägel mit Köpfen: Er verkaufte das Haus auf dem Land und legte sich gleich zwei Penthouse-Wohnungen in London zu. Geld war kein Problem. Andere Männer ruinieren sich, wenn eine verspätete Midlife-Crisis durchmachen, der erfahrene Händler Richard sah hingegen die finanziellen Möglichkeiten von Crystal Meth. Er stieg im Stil des Großhandels in den Drogenmarkt ein.

"Breaking Dad" heißt das Buch, das James Lubbock über die Verwandlung seines Vaters geschrieben hat. Heute glaubt der Sohn, dass sein Vater heiß auf den neuen Lebensstil gewesen sei, aber der eigentliche Antrieb sei nackte Gier gewesen. Damals verachtete James den Handel seines Vaters mit der gefährlichen Droge und versuchte ihn zu bewegen, damit aufzuhören. Vergebens. Aber er blieb in Kontakt mit ihm.

Die Rück-Verwandlung

Das Geschäft lief äußerst erfolgreich, fünf bis sechs Jahre lang. Doch Richard rauchte seine eigenen Drogen so, wie andere Zigaretten wegqualmen. Er verfiel und wurde immer schwächer.

Heute ist James überzeugt, dass die Polizei seinen Vater rettete. Im Dezember 2009 stürmte ein Kommando die Wohnung von Richard. Insgesamt fanden sie Crystal Meth im Wert von 1,5 Millionen Pfund. Der größte Fund dieser Droge in Großbritannien. Richard hatte zwar den Prozess des Drogenhandels optimiert – aber er war doch kein erfahrener Drogendealer. Überall in seiner Wohnung lag das Zeug offen herum, gleichzeitig gingen Kunden und Bekannte dort ein und aus – es war also nur einer Frage der Zeit, bis jemand die Polizei informieren würde.

Als Richard im Gefängnis saß – er wurde 2010 zu acht Jahren verurteilt – verwandelte er sich wieder zurück. Von einem Tag auf den anderen war die Zeit von Drogen und wilden Partys vorbei, Richard wurde zu einem Muster-Insassen. Nach nur vier Jahren wurde er entlassen.

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Verwendete Quellen:  Breaking Dad: How My Mild Mannered Father Became Britain's Biggest Meth Dealer by James Lubbock / Telegraph

kra
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