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"Cash me outside"-Girl: Wie aus dem schlimmsten Teenager der Welt eine Millionen-Dollar-Marke wurde

Sie prügelte ihre Mutter, bedrohte das TV-Publikum und hielt die örtliche Polizei auf Trab. So wurde das "Cash me outside"-Girl berühmt. Reich und erfolgreich wurde Danielle Bregoli aber erst, als ein obskurer Strippenzieher sie entdeckte.

"Cash me outside"-Girl Danielle Bregoli

Das böse Mädchen Danielle Bregoliauf dem Weg zum Markenprodukt

Getty Images

Über Nacht wurde Danielle Bregoli berühmt. In der TV-Ratgeber-Show "Dr. Phil" suchte ihre Mutter, Barbara Ann, Hilfe, um sich vor ihrer "Messer schwingenden" Tochter zu schützen. Als das Publikum über Danielles Aussprache lachte, beschimpfte sie die Zuschauerinnen als Huren und forderte sie zum Kampf heraus. Mit den Worten: "Cash me outside, howbowdah?" Zu Deutsch: "Das klären wir das draußen. Wie wäre es damit?"

Der Satz in seiner unnachahmlichen Intonation wurde zur Internetsensation – das "Cash me outside"-Girl war geboren. Die wilden Auftritte von Danielle – vor ihrem Haus musste die Polizei zeitweise jeden Tag vorfahren – mehrten diesen Ruhm noch. Eigentlich ein typischer Fall von Internet-Ruhm, der genauso schnell verglüht, wie er entstanden ist.

Das "Cash me outside"-Girl ist nicht verglüht

Doch Danielle Bregoli ist nicht verschwunden – heute ist sie ein Star. Die "New York Times" hat enthüllt, wer hinter dem kometenhaften Aufstieg steckt. Danielle und ihre Mutter konnten es allein nicht sein. Ein dubioser Strippenzieher hat Danielle aufgebaut, getrieben von Rachegedanken an das Establishment. Sein Name: Adam Kluger. Der Mann behauptet von sich, dass er das Verhältnis von Künstlern und Werbung in den Jahren nach 2008 neu definiert habe. "Brand Drop" nennt sich das System. Marken bezahlen Musiker dafür, ihre Produkte ins Gespräch zu bringen. Laut Kluger ein voller Erfolg – dennoch wurde er aus dem Geschäft gedrängt. Er behauptet, Leute wie Britney Spears wollten ihn, den Mittelsmann, verdrängen. Die andere Version: Spears habe entdeckt, dass Kluger 40 Prozent der Einnahmen in die eigene Tasche abzweigte.

Motivation: Rache

Wie es auch war: Kluger war raus aus dem Geschäft. Stinksauer nahm er sich eine Auszeit. Immer noch wütend kam er dann zurück in die Staaten und legte einen Schwur ab, wie die "NYT" berichtet: "Ich kann alles und jeden populär machen. Ich werde etwas finden, das absolut obskur und abseitig ist, und ich werde es populär machen. Ich werde jeden Trick nutzen, den ich je ausprobiert habe und irgendeine Person zu einer wandelnden, sprechenden Marke machen. So zeige ich denen, was ich kann."

In dieser Rache-Stimmung bemerkte Kluger Danielle Bregoli, den schlimmsten Teenager der Welt. Im Radio hörte er zufällig die Phrase "Cash me outside". Ihm war klar: Dieses fürchterliche Mädchen war die abseitige Erscheinung, die er suchte. Einen Tag, nachdem er den Satz gehört hatte, parkte sein Mercedes vor Danielles Haus.

"Ich sagte ihr: 'Ich will dich managen. Gib mir etwas Zeit, ich mache dich zum Star. Ich werde euch reich machen. Ohne zu zögern, sagten Mutter und Tochter: 'Okay, wir sind dabei'. Aber sie hatten überhaupt keine Ahnung, was das bedeutet", erzählt er.

In sieben Monaten zur Millionärin

Das war offenbar der Glückstag des ungezogenen Girls. Vor ihrer Tür stand kein Scharlatan, sondern ein "Brand-Wizard". Kluger hielt Wort: Wenige Monate darauf war Danielle tatsächlich ein Star. Kluger schaffte es, dafür zu sorgen, dass die unablässigen Skandale um Danielle nicht wie Sternschnuppen verglühten, sondern eine Marke aufbauten: Bhad Bhabie wurde geschaffen.

Dabei hatte Kluger zunächst keine Ahnung, wie er den Internet-Ruhm des Mädchens zu echtem Geld machen konnte. Gleichzeitig bedrohten die Kleinkriminellen-Eskapaden von Danielle das Geschäft. Mal schlug sie eine Frau, die ihre Mutter angerempelt hatte, mal bedrohte ihr Begleiter Gäste in einem Club, dann schlug sie sich mit zwei anderen Internet-Berühmtheiten.

Kluger wusste, würde Danielle im Gefängnis verschwinden, wäre es mit dem Markenaufbau vorbei. Die Prügeleien konnten erst eingedämmt werden, als Danielles Lieblingsbodyguard fest angestellt wurde. Wie ein großer Bruder weicht der Mann nie von ihrer Seite, hauptsächlich, um Danielle vor sich selbst zu schützen.

Danielle ist eine Kämpferin

Auch wenn Kluger eigentlich mit der Musik-Industrie gebrochen hatte, probierte er es mit Rap. In diesem Sommer machte die Rapperin Cardi B mit der Single "Bodak Yellow" Furore – warum nicht Danielle auch? Der erste Auftritt im Studio war denkwürdig: Kluger erinnert sich, wie unwohl und gehemmt sich das Mädchen fühlte. Aber dann nahm sie den Kampf auf: "Danielle kam in so einen Modus: 'Ich bin hübscher als all diese Leute hier drin. Ich bin besser als ihr. Ich kann das schaffen. Ich werde hier nicht dumm dastehen.'"

Ihr Auftritt war so gut, dass sie Aton Ben-Horin, den weltweiten künstlerischen Leiter von Warner Music, schwer beeindruckte. "Ich bin überzeugt, dass sie auch ohne diesen Dr. Phil, ohne irgendetwas sonst, Musik machen hätte machen können", sagt Ben-Horin der "NYT".

Kurz darauf wurde ein millionenschwerer Plattenvertrag abgeschlossen. Hits wie "Gucci Flip Flops", "These Heaux" und "Hi Bich / Whachu Know" erreichen allein auf ihrem offiziellen Kanal zwischen 70 bis 110 Millionen Youtube-Aufrufe.

Das Ende des "Cash me outside"-Girl

Ihr Instagram-Account heißt nun "BhadBhabie". Kluger modelliert das obskure Prügel-Girl weiter in einen für das breite Publikum kompatiblen Star. Danielle Bregoli ist nicht länger das "Cash me outside"-Girl. "Sie darf den Satz nicht mehr sagen", sagte Kluger der "NYT". "Niemand in meinem Team darf diese Worte jemals wieder benutzen."