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"Reconquista Internet" : Aktivisten projizieren Özil-Bild ans Brandenburger Tor

Die von Mesut Özil losgetretene Rassismus-Debatte reißt nicht ab – und spaltet die Bundesrepublik. Nun hat sich auch die Bewegung "Reconquista Internet" in die Debatte eingemischt und mit Kritik nicht gespart.

Die Özil-Projektion am Brandenburger Tor

Die Özil-Projektion am Brandenburger Tor

Die von Jan Böhmermann ins Leben gerufene Bürgerrechtsbewegung "Reconquista Internet" hat wieder zugeschlagen. In der Nacht vom 22. auf den 23. Juli haben Aktivisten Özil-Bilder an verschiedene bekannte Berliner Gebäude projiziert. Die Projektionen waren Teil der Aktion "III/III". Bilder des Ex-Fußballnationalspielers Mesut Özil wurden an das Brandenburger Tor, das Reichtstagsgebäude und das Springer-Hochhaus geworfen.

 

Die Projektionen zeigen drei identische Porträts des Mittelfeldspielers, darüber steht in Großbuchstaben #NEVERWALKALONE. In ihrer Pressemitteilung schreibt "Reconquista Internet" zu der Aktion: "Mesut Özil stand als Deutscher Fußballnationalspieler auch für ein aufgeklärtes, offenes, modernes und vielfältiges Deutschland, in dem es jeder schaffen kann - ganz gleich welcher Herkunft, Religion oder welchen sozialen Standes."

Die Özil-Projektion am Springer Haus

Die Özil-Projektion am Springer Haus

Und dann geht's richtig los: Als erstes attackieren die Aktivisten die vom Springer-Verlag herausgegebene "Bild". Die "schamlose, wochenlange, rassistische Hetzkampagne" der Zeitung sei von Chefredakteur Julian Reichelt und Sportchef Matthias Brügelmann höchstpersönlich initiiert worden. Doch auch Özils Mitspieler und der DFB bekommen anschließend noch ihr Fett weg. Weil Özil nach seinem Foto mit Erdogan massiver Hetze ausgesetzt gewesen sei und aufgrund des "unerträglichen Schweigens vieler seiner Mannschaftskameraden" und nicht zuletzt der "Selbstgerechtigkeit, Inkompetenz und Haltungslosigkeit" des DFB, sei es nach Ansicht von "Reconquista Internet" an der Zeit, ein Zeichen zu setzen. Und das Zeichen war gleich an mehreren bedeutenden Gebäuden der Hauptstadt zu bewundern.

In wird niemand wegen seiner Hautfarbe, Religion oder Herkunft ausgegrenzt oder diskriminiert!​

"Reconquista Internet" spricht Özil allerdings nicht eigener Schuld frei. In der Erklärung heißt es nämlich weiter: "Selbst wer Dummes tut – wie zum Beispiel sein Heimatland um 28,5 Millionen Euro Steuern zu betrügen oder sich fahrlässig in zwielichtiger Gesellschaft fotografieren zu lassen – verwirkt in Deutschland niemals sein Recht, ein vollwertiges Mitglied unserer offenen und freien Gemeinschaft zu sein!" Deshalb ergriffen die Aktivisten mit ihren Projektionen wohl Partei für den umstrittenen Fußballer. Der Hashtag #NEVERWALKALONE, abgeleitet vom berühmten Fußballsong "You'll never walk alone" (zu deutsch in etwa: "Du gehst niemals allein)", kann als Solidaritätsbekundung verstanden werden. Mesut Özil war nach seiner auf Twitter veröffentlichten Rücktrittserklärung, in der er auch mit den Medien und dem DFB abrechnete, von vielen Seiten heftig angefeindet worden. Besonders im Netz hält die Diskussion weiter an.

Wer sind "Reconquista Internet"?

Die Bewegung "Reconquista Internet", die nach eigenen Angaben 60.000 Mitglieder hat, ist von Jan Böhmermann als Antwort auf das rechte Netzwerk "Reconquista Germanica" entstanden. Die Aktivisten erklären auf ihrer Homepage, dass sie überparteilich agieren, ehrenamtlich und dezentral organisiert sind und sich für "Liebe und Vernunft im Internet und eine Zivilisierung des gesellschaftlichen Diskurses in den sozialen Netzwerken" einsetzen. Mehr Infos zu der Bewegung findest du hier.

hh