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Meinung

"Sex Island": 60 Prostituierte, eine Insel und wirklich alles ist erlaubt: So widerlich kann Urlaub sein

Ein Reiseveranstalter bietet einen Sex-Urlaub für 30 Männer auf einer einsamen Insel an. Inklusive Werbefilm, der keinen Raum für Interpretationen zulässt. Das ist kein Witz, sondern leider bitterer Ernst. Ein Kommentar.

Kein Spam, kein Scherz: "Sex Island" ist der Titel eines Urlaubsressort, bei dem vier Tage lang der Name Programm ist

Es ist ein Urlaubsangebot, das wie ein Vorschlaghammer auf alles eindrischt, wofür sich Frauen und Männer im Zuge der Gleichberechtigungsdebatte einsetzen. Eine viertägige Reise nach "Sex Island", angeboten von einem Veranstalter, der wirklich existiert. Auch wenn man es nicht sofort glauben will, wenn man zum ersten Mal davon liest. Zu sehr klingt das Gebotene nach platter Satire, einem ganz schlechten Film oder zumindest einem ziemlich billigen Porno.

Doch "Sex Island" ist kein Witz, sondern leider bitterer Ernst. Denn der Name ist Programm. 30 Männern werden 60 Prostituierte zur freien Verfügung gestellt. Ergibt zwei Damen pro Teilnehmer. Das ist die Kernbotschaft des Werbevideos, mit dem der Veranstalter wirbt (und das ihr oben sehen könnt). Dabei lässt der Reiseanbieter wenig Raum für Spekulationen, sondern wirbt sehr offen mit dem Hauptziel des Ausflugs: "Unlimited Sex Included", flimmert über den Bildschirm. "Sex Island" findet tatsächlich bereits zum zweiten Mal statt, dieses Jahr vom 14. bis zum 17. Dezember, auf einer Insel vor Kolumbien, irgendwo in der Karibik.

Und je mehr man sich mit diesem Urlaubsangebot beschäftigt, desto schwerer fällt es, Worte dafür zu finden, mit welcher Wucht es jeglichen Rahmen sprengt, der moralisch akzeptabel sein könnte. Also starrt man nur ungläubig auf seinen Bildschirm und denkt: "Das ist jetzt BITTE nicht euer Ernst?!"

Leider kein Scherz: Die "Sex Island Experience"

Es ist ihr Ernst. 60 "Latina"-Frauen, eine Jacht, Live-Sex-Shows, luxuriöses Essen, Partys, ein wenig Sport, natürlich ein Strand. Und "drug friendly" sei das Ressort, drogenfreundlich also. Im Klartext: An Koks wird es nicht mangeln. Und weil man sich ja sonst nichts gönnt, winkt auf dem Golfplatz der Jackpot. Wem ein "Hole in One" gelingt, bekommt die 60 Frauen für 30 Minuten für sich alleine. Kann man sich nicht ausdenken.

Der Veranstalter behauptet in einem anonymen Interview auf einer Seite namens "Scam Detector", dass nur noch fünf Tickets verfügbar seien. 5.000 Dollar kostet der Trip, also rund 4.300 Euro. Geld spielt offensichtlich keine Rolle bei Menschen, die sich für solche Angebote begeistern können.

Der genaue Ort wird geheim gehalten

Es verwundert nicht, dass kolumbianische Offizielle empört waren vom Urlaubsangebot im vergangenen Jahr. Es würde nicht den Tourismus repräsentieren, den man sich für das Land vorstelle, sagten sie 2017. Die Veranstalter hinderte das nicht, eine Neuauflage zu organisieren. Die genaue Urlaubsdestination wird geheim gehalten – sie werden schon wissen, warum ...

Eigentlich könnte man ja glauben, dass einen heutzutage nicht mehr so viel schocken kann. Selbst Sex- und Pornopartys sind fast schon in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Doch es gibt entscheidende Unterschiede zu diesem perfiden Angebot. Bei Sexpartys, wie sie beispielsweise regelmäßig in Berlin stattfinden, werden keine "Frauen zur freien Verfügung" angeboten, sie sind Teil des Ganzen. Auf Augenhöhe und freiwillig. Und Firmenpartys, die für schmierige Manager mit sogenannten "Hostessen" organisiert werden, finden zwar statt; aber hinter verschlossenen Türen, im Geheimen. 

Wer sind diese Menschen, die so einen Urlaub buchen?

Ich behaupte von mir, dass ich bei sehr vielen Dingen eine sehr entspannte Haltung an den Tag lege. Und grundsätzlich sage ich eigentlich: Soll doch jeder sein Geld für das ausgeben, was er möchte. Und doch drängt sich mir eine Frage auf: Wer sind diese Menschen, die einen solchen Sexurlaub buchen? Mit 60 Prostituierten, die man sich mit den anderen 29 Urlaubern teilt? Und haben sie wenigstens ein BISSCHEN eine Ahnung davon, wie widerlich, billig, sexistisch und frauenverachtend das ist?

Manchmal freut man sich ja, dass sich unsere Gesellschaft im Kampf gegen Sexismus und Frauenverachtung Schrittchen für Schrittchen in die richtige Richtung entwickelt. Wenn beispielsweise Sexismus in der Werbung eingedämmt wird. In Zeiten von #Metoo hoffte man dann wirklich, dass die Gesellschaft schon weiter wäre; dass etwas wie "Sex Island" unmöglich ist. Und doch wird das Angebot zur Verfügung gestellt. Und – was vielleicht noch schlimmer ist – es wird angenommen.

Über die Auswahl der Frauen auf der Insel wissen wir nichts. Haben sie sich beworben? Was verdienen sie? Warum tun sie es? Bei allem Kopfschütteln bleibt die letzte Hoffnung, dass wenigstens alle 60 Frauen freiwillig dort sind, offiziell arbeiten, volljährig sind. Es wäre ein schwacher Trost, würde die Sache aber immerhin legal machen.

Was nichts daran ändert, dass es im 21. Jahrhundert nicht möglich sein sollte, als Reiseanbieter einen derartigen Trip auf den Markt zu werfen. Aus moralischen Gründen, aus menschlichen Aspekten. Und weil ich nicht glauben will, dass es viele Menschen gibt auf dieser Welt, denen beim Konzept von "Sex Island" nicht das kalte Kotzen kommt. So viel Hoffnung muss sein.

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