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Meinung

Workshop in der Kritik: Shitstorm für "Vulven malen" beim Evangelischen Kirchentag – dabei sieht so moderner Glaube aus

Die Evangelische Kirche zeigt sich modern und offen gegenüber Sexualität und dem weiblichen Körper - und erntet dafür Kritik. So verklemmt sind viele Deutsche wohl immer noch.

Tweets und Reaktionen auf den Workshop Vulva malen

Über 400 Kommentare unter einem Tweet des Deutschen Evangelischen Kirchentages, das gab es wohl so noch nie

Unsplash

Der Evangelische Kirchentag ist in vollem Gange: Die fünftägige Veranstaltung lockt mehr als 100.000 Besucher noch bis Sonntag nach Dortmund. Ein Workshop sorgte jetzt allerdings für ordentlich Empörung: Das "Zentrum für Geschlechterwelten" bietet vor Ort den Kurs "Vulven malen" an. 

Für diesen Tweet ernteten die Veranstalter heftige Kritik, sogar aus der Kirche austreten wollen daraufhin einige User.

 

Besonders die männlichen Twitter-User scheinen sich fast schon persönlich angegriffen zu fühlen von diesem kleinen Workshop. Das goldene Kalbsschnitzel anbeten also? Klingt doch gar nicht mal so schlecht.

Viele User sehen zwischen dem Workshop und dem Glauben keinen Zusammenhang:

 

Nein, lieber Peter, das klingt nach einer Veranstaltung, zu der vor allem Männer wie du hingehen sollten, damit euer patriarchalisches  "Superchristenverhalten" keine Störungen des Selbstwertgefühls bei Frauen auslöst. Genau solche Kommentare schüren nämlich die Tabuisierung des weiblichen Geschlechtsorgans nur an: Frauen sollen doch bitte zu ihren Körpern stehen - wenn sie sich aber damit öffentlich auseinandersetzen wollen, haben sie Bindungsstörungen? Das ist paradox, merkt Peter vielleicht selbst.

Jahrhundertelang wurde in der Kirche weibliche Sexualität tabuisiert. Dass der Kirchentag nun versucht, sich modern damit auseinanderzusetzen, sogar dem Ganzen entgegenzuwirken ist den Veranstaltern hoch anzurechnen. Und auch, dass sie dem Shitstorm mit Humor begegnen.

Eine ernsthafte Erklärung für den Workshop liefern sie allerdings auch: Ziel des Workshops sei es, sich kreativ mit dem eigenen Körper auseinanderzusetzen und Teilnehmer sollen so sprachfähiger gemacht werden. Das Ganze würde auch in Zusammenhang mit der lebensbejahenden Botschaft des Schöpfungsberichtes im Buch Genesis stehen. "Vulven malen" sei nur ein kleiner Teil des Angebots des Kirchentages und spezifisch des "Zentrums Geschlechterwelten". Auch Themen wie Familienbilder, Gewalterleben von Männern oder Geschlechtergerechtigkeit seien vertreten. Insgesamt gebe es mehr als 2000 Veranstaltungen.

Die Social-Media-Verantwortlichen des Kirchentages nehmen sich sogar die Zeit, Usern, die offenbar komplett humorbefreit sind, einen kleinen Nachhilfekurs zu geben:

Unerhört, bieten die Christen da schon so einen gotteslästernden Workshop an und dann bewerben sie es auch noch mit Humor! Liebe twitternutzende Christen: Einige von euch scheinen wirklich in der Zeit stehen geblieben zu sein. Danke, lieber Evangelischer Kirchentag, bzw. liebes Social-Media-Team des Evangelischen Kirchentages, dass ihr es nicht seid.

Für alle die noch hinwollen: Der Workshop findet am Freitag, 21. Juni um 14:30 bis 16:30 Uhr statt. Auch interessant könnte das Podium "Schöner kommen" sein. Viel Spaß! 

Quelle: "Twitter

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