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Karriere-Portal: Billige Anmache auf Linkedin: Nasa-Forscherin postet sexistischen Chatverlauf

Sie hat Tattoos und ihre Haare leuchten rot wie ein Feuerwehrauto – für einen Mann war das offenbar Grund genug, Stephanie Suarez auf Linkedin erst plump anzugraben und dann zu beschimpfen. Die Wissenschaftlerin teilte die sexistischen Nachrichten im Netz und bekommt viel Zuspruch. 

Wissenschaftlerin Stephanie und die sexistischen Textnachrichten

Wissenschaftlerin Stephanie und die sexistischen Textnachrichten

Wer bei Google nach "Business-Look Frauen" sucht, stößt auf viele dünne und meist brünette Frauen in gedeckten Farben. Schwarz, taupe oder grau ­– das scheint die Farbpalette eines angemessenen Arbeitsoutfits für eine Frau zu sein. Was für ein Bullshit! Das findet offenbar auch die Wissenschaftlerin Stephanie Suarez, die mit ihren Tattoos und den roten vielleicht ein bisschen anders aussieht als man sich die klassische Nasa-Forscherin vorstellen würde. Von der Nachricht, die sie auf der Job-Plattform Linkedin erhielt, war sie trotzdem schockiert.

Einen Screenshot der Nachricht, die definitiv nicht auf diese Plattform und auch sonst nirgendwohin gehört, teilte sie auf Twitter. 

Es geschieht also Folgendes: Ein Mann, der sich in seinem Profil als Ingenieur zu erkennen gibt, schickte ihr demnach zunächst eine plumpe Anmache: "Eigentlich siehst du ganz süß aus ...". 

"Deine Haare sind unprofessionell"

Nachdem die Wissenschaftlerin ihm mitteilt, dass Linkedin nicht der richtige Ort sei, um Frauen anzuflirten und dass es sehr unprofessionell von ihm sei, schlägt seine Stimmung um: "Ich flirte nicht mit dir", schreibt er. "Was erbärmlich und unprofessionell ist, ist deine Haarfarbe. Denk lieber mal drüber nach, sie zu färben, bevor du zu einem Bewerbungsgespräch gehst." (Es ist immer wieder schön zu sehen, wie eine Abfuhr manche Männer dazu bewegt, beleidigend zu werden.)

"Arbeite ich deshalb für die Nasa?", antwortet Stephanie daraufhin schlagfertig. Doch er legt noch einen drauf: "Du siehst aus wie eine Kellnerin. Sorry. Bin nur ehrlich." 

"Ich bin Isotopengeochemikerin"

Als sie ihm sagt, dass sie Isotopengeochemikerin sei, reagiert er beleidigt und sagt ihr, sie solle doch wenigstens versuchen, nicht unhöflich zu werden, nur weil sie gebildet sei. "Versuche du doch bitte, das Aussehen von Frauen nicht zu beurteilen!", kontert sie. "Es wirkt unprofessionell und gruselig! Hab einen schönen Tag!" Der Ingenieur lässt aber nicht locker und beteuert erneut, ihre Haarfarbe sei unprofessionell: "Tut mir leid. Ich musste meine aufrichtigen Gefühle mitteilen", schreibt er. 

Als sie die Nachrichten auf Linkedin öffentlich macht, bekommt sie viele beleidigende Nachrichten und wird von noch mehr Usern als unprofessionell bezeichnet. "Ich habe Linkedin gelöscht, weil ich mich dort nicht mehr sicher fühlte", schreibt sie auf Twitter.

So viel an diesem Fall ist einfach nur falsch: Linkedin als Datingplattform zu missbrauchen, jemanden wegen seines Aussehens als unprofessionell zu bezeichnen, oder auch nur der Satz: "Ich musste meine aufrichtigen Gefühle mitteilen" – nach denen ja augenscheinlich keiner gefragt hat. (Die Frau arbeitet für die Nasa!!!)

Viel Frauenpower in den Kommentaren

Stephanie reagierte mit der Veröffentlichung des Vorfalls auf einen Aufruf der Umweltforscherin Joleah Lamb. Sie hatte bei Twitter Frauen dazu aufgerufen, ihre Erfahrungen mit "Joboutfits" zu teilen. Die Idee kam ihr nach eigener Aussage, nachdem sie einer ihrer Studentinnen ein Kompliment für ihre Ananas-Ohrringe gemacht hatte. Die Studentin erzählte ihr, dass ihr immer wieder gesagt werde, sie solle nichts tragen, was auffällt – wie zum Beispiel Muster, große Ohrringe oder grelle Farben.

Zum Glück teilen in den Kommentaren zu Joleah Lambs Twitter-Posting auch viele Frauen Bilder und Geschichten, die richtig empowernd wirken – von Fotos in knallgelben Hosenanzügen bis hin zu einer TV-Vulkanologin aus Kalifornien: 

Stephanie Suarez beendet ihre Geschichte auf Twitter mit folgenden Worten: "Ihr könnt mich wegen meinen Haaren oder Tattoos nicht einstellen, wenn ihr wollt. Aber ich bezweifle, dass es eine Menge Menschen gibt, die mitten in der Nacht eine Problembehandlung bei einem Massenspektrometer durchführen können." Das glauben wir auch nicht, liebe Stephanie.

Quelle: Twitter