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Geschreddertes Kunstwerk: Banksy-Prank: Was wusste das Auktionshaus Sotheby's?

Der Künstler Banksy schreddert sein bekanntestes Werk und führt damit den Wahnsinn auf dem Kunstmarkt vor: Genialer Prank oder einfach gute PR? 

Banksy: Künstler meldet sich wegen geschreddertem Werk

Ein Piepton ertönt. Das kleine Mädchen schaut dem roten Herz-Luftballon hinterher und scheint dabei langsam aus dem Rahmen zu rutschen. Doch statt zu fallen, verwandelt sich das Papier in tausend kleine Streifen. Dieser Anblick bot sich am Freitag den Käufern und Verkäufern im weltbekannten Londoner Auktionshaus Sotheby's. Bei einer Auktion zerstörte sich das Bild des berühmten Streetartkünstlers Banksy selbst – nachdem es für 1,04 Millionen Pfund versteigert worden war. Was für ein Abend für den Kunstmarkt! Auch wenn es absurd klingt: Eigentlich hätte es für Sotheby's kaum besser laufen können. Die gesamte Auktion an diesem Abend erzielte 90 Millionen Pfund für die verkauften Gemälde – und nach der Schredder-Aktion war dem Londoner Auktionshaus darüber hinaus die Aufmerksamkeit der gesamten medialen Öffentlichkeit sicher. 

Sotheby's will nichts gewusst haben

War es also ein Streich, der die Untiefen des Kunsthandels vorführen sollte? Nämlich einen Kunstmarkt, auf dem Bilder zu immer utopischeren Preise ver- und gekauft werden? Der Künstler zerstört sein Werk und nimmt es vom Markt, genau dann, wenn es sprichwörtlich zu Geld wird? 

Doch Aktion und Auktion werfen einige Fragen auf: Wieso bemerkte niemand den , den Banksy angeblich installiert hatte? War das Ganze eher ein großer PR-Coup, der Künstler und Auktionshaus in noch abwegigere Dimensionen der Kunstszene beförderte? Zur letzten Vermutung passen einige Details: Das Gemälde wurde während der Auktion an die Wand gehängt. So blieb genug Platz für den Schredder, um sein volles Werk zu entfalten – normalerweise werden Werke eher auf einem Podest präsentiert. Als letztes Bild der Versteigerung war "Mädchen mit Luftballon" das Highlight des Abends – gleichzeitig blieb so der totale Eklat und ein Chaos aus, das die Schredder-Aktion möglicherweise zu Beginn der Auktion verursacht hätte.

Außerdem ist kaum vorstellbar, dass in einem der renommiertesten Auktionshäuser für Kunst niemand den Schredder im Rahmen bemerkte. Auf Nachfrage von NEON bei Sotheby's verweist das Auktionshaus nur auf die Pressekonferenz im Anschluss der Versteigerung und will sich nicht konkret dazu äußern, ob das Gemälde im Voraus untersucht wurde. Alex Branczik, Leiter der Abteilung für zeitgenössische europäische Kunst bei Sotheby's, sagt nach der Auktion: "Es scheint, als ob wir gerade 'gebanksyt' wurden". Man habe von dem Vorhaben jedoch absolut nichts gewusst.

Bild gewinnt an Wert

Es liegt also nah, einen werbewirksamen Coup von Künstler und Auktionshaus zu vermuten. Am Tag der Versteigerung selbst verbreitet sich die Nachricht rasend schnell auf allen Social-Media-Kanälen, Nachrichtenportale berichteten, die Artikel über Banksy und die Auktion gehörten zu den meistgelesenen am Wochenende. Auch dem Käufer muss das "kaputte" Werk keine Sorgen bereiten – sein Wert wird sich wahrscheinlich drastisch erhöhen.

Sicher ist: Banksy ist ein Künstler für jedermann. Vermutlich Anfang der 70er in England geboren, wurde er mit Graffiti-Kunst im Schablonenstile weltweit bekannt. Doch seine Identität hält er seitdem weitestgehend geheim. Die Bilder des Streetartkünstlers aus Bristol sind keine wilden Farbenspiele auf Leinwand oder moderne Kunst aus Autoscheinwerfern und Klebeband. Sie fallen nicht, wie moderne Kunst für die Meisten, in die Kategorie "Ist das Kunst oder kann das weg?", sondern sind für den allgemeinen Markt. Banksy schafft Bilder mit einer klaren Message, mit denen jeder sich irgendwo identifizieren kann.

PR-Profi Banksy

Und Banksy ist ein PR Profi - auch wenn er seine Bilder nicht selbst kommerziell vermarktet. So lehnt er beispielsweise Ausstellungen seiner Werke ab. Hinter dem Künstler scheint jedoch eine riesige Logistik zu stehen, mit deren Hilfe er sich und seine Kunst inszeniert. So erschien kurz nach der Aktion am Freitag ein Video  auf seiner Homepage, das zeigte, wie er den Schredder in den Bilderrahmen einbaute. Eine Absprache mit Sotheby's, Selbstironie aber auch Selbstvermarktung würden daher sehr gut zur Marke Banksy passen. 

Banksy: Künstler meldet sich wegen geschreddertem Werk
lau
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