VG-Wort Pixel

Caritas verrät Wasser, Sonnencreme und Co.: Wie wir Obdachlosen in der Hitze helfen können

Obdachloser auf Parkbank
Obdachlose leiden besonders unter der Hitze
© serikbaib / Getty Images
Obdachlosigkeit ist zu jeder Jahreszeit ein schweres Los, ganz besonders aber, wenn die Temperaturen stark in die eine oder andere Richtung ausschlagen. Wir haben die Caritas gefragt, was wir während der Hitzewelle für Obdachlose tun können.

Dass der Winter für Obdachlose besonders schwer ist, ist uns allen bekannt. Je kälter es wird, desto gefährlicher wird das Leben auf der Straße. Allerdings: Auch Hitzewellen, wie die, die zurzeit über Deutschland zieht, können für Wohnungslose eine echte Gefahr darstellen. Schließlich ist es ihnen häufig nicht möglich, der Hitze zu entfliehen und sich in gekühlten Räumen aufzuhalten, oder sich zwischendurch einfach mal ein Glas Leitungswasser zu besorgen.

Zwar gibt es zur kalten Jahreszeit jede Menge Hilfestellung für Obdachlose (Unterkünfte, Kältebusse und Co.), auch wenn es dringend noch mehr braucht, aber im Sommer sind viele Wohnungslose größtenteils auf sich gestellt. Wir haben Julien Thiele, Straßensozialarbeiter bei "Straßenvisite", einem Projekt der Caritas in Hamburg, gefragt, was man tun kann, um zu helfen.

Caritas verrät: Das hilft Obdachlosen während der Hitzewelle

"Es ist gut, wenn dieses Problem erkannt wird. Im Winter werden die Hilfen sehr stark hochgefahren, im Sommer lassen sie dann aber wieder extrem nach." Am Besten, das weiß Thiele von den vielen Obdachlosen, mit denen er täglich zusammenarbeitet, wäre es natürlich, wenn Unterkünfte geschaffen würden, die kühl sind – "und wo man auch duschen kann." Er sei gerade in einer Arztpraxis gewesen, wo genau das noch einmal thematisiert worden sei: "Der Schweiß ist alles andere als förderlich für die Wundheilung."

"Ansonsten ist es der Klassiker", sagt Thiele, "ein paar Leute, mit denen ich heute gesprochen habe, hatten Eis geschenkt bekommen, beziehungsweise Gutscheine, um sich Eis kaufen zu können. Ein Kiosk hatte angeboten, dass sie sich reinsetzen und vor dem Ventilator abkühlen könnten." Wasser sei außerdem auch eine große Hilfe, die eigentlich niemand vorbeibringen würde. "Da besteht dieses Stigma, die würden ja ohnehin kein Wasser trinken, sondern nur Alkohol. Obwohl die meisten gerade jetzt im Sommer sehr viel Wasser trinken. Wir von der Straßensozialhilfe tragen gerade auch immer viel Wasser bei uns."

Außerdem wichtig und häufig unterschätzt: "Sonnencreme. Im Sommer haben wir ganz viele Menschen, die Verbrennungen haben. Das ist für Obdachlose schon fast ein Luxusprodukt, weil es nicht gespendet wird und im Kauf aber wirklich teuer ist."

Schnellhilfe-Tipps

  • Wasser
  • Gekühlte Räume
  • Eis oder ähnliches
  • Sonnencreme
  • Feuchttücher und Desinfektionsmittel für Körperhygiene und Wundenreinigung
  • Handtücher

Hitzewelle in Deutschland: Was tun, wenn ich jemanden sehe, der in Gefahr sein könnte?

Aber was tun, wenn ich jemanden sehe, der eingeschlafen ist, nun in der prallen Sonne liegt und überhaupt nicht mehr gut aussieht? "Sowohl im Winter, als auch im Sommer, versuchen wir, die Leute erst einmal anzusprechen – nicht anzufassen! Es ist total blöd, wenn man mit einem Schock aufwacht. Man kann jemanden mehrmals laut ansprechen: 'Hallo, können Sie mich hören? Ich mache mir Sorgen. Können Sie einmal die Augen aufmachen?' Wenn die Person reagiert, kann man einmal fragen, wie es ihr geht, ob sie schon etwas getrunken hat und so weiter. Wenn sich herausstellt, dass Hilfebedarf besteht, kann man den Krankenwagen rufen. Die nehmen die Leute gerne mal mit und geben Infusionen."

Wenn jemand nicht aufwache, könne man außerdem noch prüfen, ob sich unter der Kleidung der Bauch bewege, oder es einen hörbaren Atem gebe. "Wenn jemand in der Nähe von Geschäften liegt, was ja häufig vorkommt, kann man auch ruhig mal die Geschäfte fragen, ob die ein Auge auf die Person haben."

Übrigens solle man keine Scheu haben, den Krankenwagen zu rufen: "Wenn man keine Zeit hat und weiter muss, kann man zur Not sehr explizit beschreiben, wo sich die Person befindet und weiterziehen. Manche haben Angst, dass sie mit reingezogen werden oder müssen zum nächsten Termin. Man kann da trotzdem einmal anrufen – lieber einmal mehr angerufen."

jgs

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker