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Verkleidung mit Bart: So clever trotzen fünf Frauen dem Stadionverbot im Iran

Stadionbesuche sind für Frauen im Iran verboten. Damit sie ein Fußballspiel live sehen können, müssen sie erfinderisch werden – so wie fünf weibliche Fans. Die verkleideten sich als Männer mit Bärten, um die Polizisten und Ordnungskräfte vor der Arena zu überlisten.

Im gibt es von Geburt an eine Zweiklassengesellschaft. Die bezieht sich einzig und allein aufs Geschlecht. Frauen sind mit Männern rechtlich nicht gleichgestellt. Zum Beispiel dürfen sie kein Fußballstadion betreten. Seit der "Islamischen Revolution" 1979 ist ihnen das untersagt.

Dennoch gibt es einige, die sich dagegen wehren – so wie fünf Frauen am vergangenen Freitag. Die wollten unbedingt beim Spiel ihres Lieblingsvereins Persepolis gegen Sepidrood Rasht dabei sein. Deshalb verkleideten sie sich als Männer und schmuggelten sich so in das Teheraner Azadi-Stadion. Die Fotos und Videos der fünf gehen gerade bei Twitter und Reddit rum.

Zahra Khoshnavaz war eine der fünf Frauen. Der Iranerin ist es bereits mehrfach gelungen, die Polizisten und Ordnungskräfte vor den Stadien zu überlisten. Immer wieder postet sie Fotos und Videos davon bei Instagram. "Nach dem Erdbeben in Teheran habe ich mich gefragt: Warum sollte ich bei einem Erdbeben sterben, ohne meine Träume zu verwirklichen? Warum sollte ich nicht in ein Stadion gehen dürfen?", sagte sie vor kurzem im Interview mit Euronews.

Und die Fifa macht mal wieder nichts 

Wenn in gut sechs Wochen die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland beginnt, wird der Iran der einzige Teilnehmer sein, der für Frauen hat. Die Fifa scheint das herzlich wenig zu interessieren. Als Präsident Gianni Infantino Anfang März ein Spiel zwischen Persepolis und Esteghlal besuchte, wurden mehrere Frauen, die ins Stadion gelangen wollten, festgenommen. Zwar habe er laut der DPA Zusagen bekommen, dass Frauen im Iran demnächst Zutritt zu den Fußballstadien gewährt wird. Kritische Worte äußerte Infantino damals aber nicht – weder zum Stadionverbot, noch zu den Festnahmen. 

Dass man auch anders reagieren kann, zeigte nicht zuletzt der Volleyball Weltverband FIVB. 2015 entzog er dem Iran die Ausrichtung der U-19-WM 2015. Zudem werden in Zukunft keine internationalen Turniere in der Islamischen Republik stattfinden – so lange Frauen nicht in Volleyballhallen dürfen. 

Sportministerium ist gegen ein Stadionverbot

Ob solche Konsequenzen die Islamische Republik zum Umdenken bringen könnten, ist fraglich. Immer wieder berichten Zeitungen über mögliche Überlegungen, ändern tut sich aber nichts. Laut der DPA habe sogar das Sportministerium eine Familientribüne vorgeschlagen, der einflussreiche iranische Klerus blockiere dies aber. Ihrer Ansicht nach hätten islamische Frauen in Fußballstadien, wo vulgäre Slogans gerufen werden, nichts zu suchen.

rpw