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Parookaville: Kleinwüchsige schenken in "Minibar" Kurze aus - Kritik an Festivalaktion läuft ins Leere

Zurschaustellung oder Inklusion? Auf dem Parookaville-Festival in Weeze feiern Kleinwüchsige mit den Gästen an einer "Minibar". Ein Verband sieht darin ein großes Problem.

Die Künstlergruppe Timebandits mit ihrer "Minibar"


Zehntausende Menschen feiern auf dem Parookaville-Festival in Weeze (Kreis Kleve, Nordrhein-Westfalen) an diesem Wochenende: die Musik von Megastars wie David Guetta, Robin Schulz oder Alle Farben, das Wetter bei bis zu 30 Grad und sicher auch sich selbst.

Flüssigkeit nachladen können die Musikfans unter anderem in der "Minibar" und die sorgte schon im Vorfeld des Events für Ärger. Denn wer in der "Minibar" Kurze bestellt, bekommt sie von Kleinwüchsigen serviert - als eine Art Kunstprojekt. Daran stört sich der Bundesverband Kleinwüchsige Menschen und ihre Familien e.V. (BKMF). "Wir denken, dass die hier geplante Darstellungsform den Menschen auf die Behinderung 'Kleinwuchs' reduziert und unsere jahrelange Arbeit für Akzeptanz und vollwertige Inklusion torpediert. Da es insgesamt wenige Kleinwüchsige gibt, wird das Bild in der Öffentlichkeit durch solche Aktionen negativ beeinflusst", so der Verband in einer Stellungnahme, die er auch auf Facebook veröffentlicht hat. "Wir sehen darin einen Missachtung der Menschenwürde."

Parookaville-Macher verteidigen die Aktion

Philip Christmann von der Parookaville GmbH sieht die Sache naturgemäß anders: "Uns geht es nicht darum, hier jemanden zur Schau zu stellen", sagte er der "Rheinischen Post" (RP). Bei den teilnehmenden kleinwüchsigen Künstlern handele es sich "um Menschen, die offen und offensiv mit ihrer Kleinwüchsigkeit umgehen. Sie verstecken sich nicht, sondern gehen damit nach außen, auch um Berührungsängste abzubauen". Christmann hofft, dass die Aktion zu einem entkrampfteren Umgang mit Kleinwüchsigkeit führt.

Dennoch: Der BKMF hat sich für eine Überprüfung der "Minibar" durch das zuständige Gewerbeamt in Weeze stark gemacht, denn in Paragraph 33a der Gewerbeordnung heißt es: "Wer gewerbsmäßig Schaustellungen von Personen in seinen Geschäftsräumen veranstalten oder für deren Veranstaltung seine Geschäftsräume zur Verfügung stellen will, bedarf der Erlaubnis der zuständigen Behörde. (...) Die Erlaubnis ist zu versagen, wenn (...) zu erwarten ist, dass die Schaustellungen den guten Sitten zuwiderlaufen werden." Allerdings heißt es weiter auch: "Dies gilt nicht für Darbietungen mit überwiegend künstlerischem, sportlichem, akrobatischem oder ähnlichem Charakter."

Das Gewerbeamt ist zu dem Schluss gekommen, dass die Aktion klargeht. "Gerade wenn man nach dem Leitsatz 'Respekt, Toleranz und Akzeptanz' geht, muss man doch sehen, dass jeder Mensch ein Recht auf Teilhabe hat“, sagte ein Sprecher der Stadt der RP. Das gelte auch für Shows auf Festivals. "Wir haben mit den Künstlern gesprochen, und sie haben das auf vielen anderen Festivals schon gemacht."

Die kleinwüchsigen Künstler von der "Timebandits-Minibar" gehen mit ihrem Anderssein jedenfalls humorvoll um und sprechen davon, dass ihre Aktion keine Zurschaustellung sei, sondern "aktive Inklusion". Die Diskussion sei ein "Sommerloch"-Thema. Ohnehin messe der BKMF mit "zweierlei Maß". Andere vergleichbare öffentliche Auftritte von Kleinwüchsigen in der Vergangenheit habe der Verband nicht kritisiert.

Die Party scheint jedenfalls nicht unter der Kritik gelitten zu haben. "Selten so einen Abriss erlebt", kommentieren die Künstler den ersten Abend in der "Minibar".