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"Hippie, Gras und Chakren": Schweden hat jetzt eine junge Kulturministerin – doch es geht nur um ihre Haare

Amanda Lind ist das jüngste Mitglied im neuen schwedischen Parlament. Sie trägt Dreadlocks, liest Comics und war als Umweltaktivistin aktiv. Doch gesprochen wird vor allem über ihre Haare.

Schwenden Amanda Lind Frisur

Amanda Lind auf dem Göteborg Filmfestival

Picture Alliance

Tochter eines Pfarrers und einer Apothekerin, aufgewachsen auf dem Land, studierte Kinder- und Jugendpsychologin, seit 2016 Parteisekretärin und nun Ministerin für Kultur und Demokratie: Amanda Linds Lebenslauf klingt nach einer normalen politischen Karriere. Doch selbst für Schweden, ein Land, das als äußerst liberal gilt, ist die 38-Jährige scheinbar zu hipp. Denn Lind trägt Dreadlocks und gab öffentlich zu, schon einmal gekifft zu haben.

Amanda Lind ist die jüngste Ministerin im zweiten Kabinett von Ministerpräsident Stefan Lövfen. Sie ist seit 1999 in der Politik aktiv, bis zum Wechsel in das Kulturressort war sie Generalsekretärin der Grünen und davor in der Kommunalpolitik aktiv. "Ich bin über kirchliche Aktivitäten darauf gestoßen. Mein Vater ist Pfarrer", zitiert sie die Tageszeitung "taz". Neben Sport, vor allem Tennis und Eihockey, spielt sie gern LARP (Live Action Role Playing).

"Ein Hippie, Chakra-Übungen und tonnenweise Gras im Kulturministerium"

Die 38-Jährige, die seit dem 21. Januar im Amt ist, ist politisch noch gar nicht groß in Erscheinung getreten. Doch Ministerkollegen und zahlreiche Medien haben schon eine klare Meinung: "Ab sofort ein Hippie, Chakra-Übungen und tonnenweise Gras im Kulturministerium", twitterte der konservative Abgeordnete Hanif Bali. "Die Zusammenarbeit wird bestimmt enger als mit ihrer Vorgängerin."

Auch schwedische Zeitungen äußerten sich: Der "Göteborgs-Posten" vermutet, dass die Regierung die Kulturpolitik wohl nicht ernst nehme. Von einer "Provokation" sprach der Kulturchef des "Dagens Nyheter". Auch die "Neue Zürcher Zeitung" berichtet von Linds erstem Radio-Interview, bei dem es hauptsächlich um ihre Frisur gegangen sei – bei einer Person, die doch eigentlich kein schwergewichtiges Ressort habe. Das Schweizer Online-Medium "Nau.ch" titelte mit "Schwedens Kulturministerin umarmt gern Bäume", und bezieht sich dabei auf ein Foto bei Twitter, auf dem Lind ihre Arme um einen Baum legt.

Amanda Lind zeigt sich unbeeindruckt

Schaut man sich diesen Diskurs an, fühlt man sich doch leicht an die 70er Jahre erinnert, als die ersten Politiker der Grünen in Deutschland in den Bundestag einzogen und für ihre (heute wahrscheinlich kultigen) Strickpullover und ihre langen Haare kritisiert wurden. Nur war das vor 30 Jahren – in einer Gesellschaft, die sich gerade aus dem konservativen Mantel der Nachkriegszeit befreien wollte.

Ganz unabhängig von ihrem Erscheinungsbild hat Amanda Lind auch eine politische Agenda: Sie will sich für die Unabhängigkeit des Journalismus und die Rechte von nationalen Minderheiten einsetzen. "Ich freue mich darauf, mit den Themen zu arbeiten, für die ich mich leidenschaftlich engagiere", sagte sie dazu bei einer Pressekonferenz bei der Vorstellung des neuen schwedischen Kabinetts.

Quellen: taz, Nau.ch, Neue Zürcher Zeitung

Schwedin Sandra

lau
Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?