HOME

Kanada: Wie der Traum vom perfekten Selfie Bauern zwang, ihr Sonnenblumenfeld für immer zu schließen

Die kanadischen Samenbauern von Bogle Seeds dachten, sie könnten mit ihrem riesigen Sonnenblumenfeld ein paar Dollar extra verdienen. Dann wurden sie von Instagrammern, Snapchattern und anderen Selfie-Fans überrannt.

"Es war wie eine Zombie-Apokalypse", sagte Brad Bogle, Sohn der Landwirte Marlene und Barry Bogle, zu der kanadischen Nachrichtenseite "The Globe and Mail". Doch wer über das Sonnenblumenfeld von Bogle Seeds herfiel, war nicht untot, sondern höchst lebendig. Dabei hatte noch vor drei Jahren alles ganz harmlos begonnen. Damals waren die Bogles auf die Idee gekommen, ihr wunderschönes Feld für Fotografen freizugeben. Einige hundert Menschen waren über den Sommer hinweg vorbeigekommen, die Bogles nahmen 7,50 Dollar Eintritt pro erwachsenen Besucher. Ein nettes Zubrot für die Farmer, die neben Sonnenblumen auch Mais, Hirse, Hafer und Gerste anbauen und die Samen in ihrer großen roten Scheune verkaufen.

In diesem Jahr öffneten sie ihr Feld am 20. Juli, als die Sonnenblumen in voller Blüte standen. Die Bogles hatten sich durchaus auf Besuch vorbereitet: Ihr Parkplatz bietet Raum für 300 Autos, mobile Toiletten waren aufgestellt und acht Helfer engagiert, die ankommende Gäste an die richtigen Orte dirigieren und den Eintritt kassieren sollten. In der ersten Woche lief alles prima. Menschen aus Australien, New York und sogar Dubai kamen vorbei, man lachte, alle hatten Spaß.

Dann kam das Wochenende

Die Apokalypse begann am 28. Juli. "Plötzlich kam ganz Toronto", erzählte Barry Bogle dem kanadischen Blatt. Einige Bilder von Leuten, die in dem Feld aus 1,4 Millionen Sonnenblumen standen, waren bei Instagram viral gegangen. Um viertel vor sechs morgens begann der Ansturm. "Wir ahnten, dass irgendwas passiert war", so Barry.

Um neun Uhr kamen sie aus allen Richtungen, die Autos parkten schon in kilometerlangen Schlangen vom Haus entfernt. Die Menschenmassen begannen, die engagierten Helfer zu ignorieren und stürmten ins Feld, ohne zu zahlen. Die Bogles riefen die Polizei. Die Polizisten berichteten, dass Eltern die vierspurige Straße mit Kinderwagen überquerten, sich Auffahrunfälle häuften und einem Autofahrer von einem vorbeifahrenden Wagen die Fahrertür abgerissen worden war. Ein Polizist sagte den Bogles, sie müssten mit einer Geldstrafe rechnen.

View this post on Instagram

The sunflowers were gorgeous 🌻

A post shared by (@kayley.qi) on

Die Farm musste schließen

Es kam noch mehr Polizei, um den Verkehr zu regeln. Gegen zwei Uhr mittags jedoch wiesen sie die Landwirte an, die Farm zu schließen. Anschließend sperrten sie die Straße, die das Feld umgibt. Ein Polizist hatte 7000 Autos gezählt. In der Nacht auf Sonntag kriegten die Bogles kein Auge zu, die Angst, was sie am Sonntag erwarten würde, war zu groß.

Brad Bogle verbrachte den Sonntag damit, die Straße auf und ab zu gehen und die Autofahrer zur Weiterfahrt zu bewegen. Er wurde beschimpft, er hätte ihnen den Ausflug versaut. Einige Nachbarn begrüßten ihn mit erhobenem Mittelfinger, total genervt von dem Verkehrsaufkommen. Dienstag ließ der Ansturm nach, doch die Bogles standen weiterhin Wache. Die Besucher ignorierten die Schilder, die das Betreten und Fotografieren der Felder untersagten. Sonnenblumen sind empfindliche Pflanzen, sind die unteren Blätter beschädigt, werden sie anfällig für Trockenheit und Krankheitserreger. Den angerichteten Schaden können die Bogles erst bei der Ernte ermitteln, Ende September.

"Ich habe Sonnenblumen immer geliebt", sagt Marlene Bogle. "Jetzt kann ich sie nicht mehr ausstehen."

Die Bogles werden ihre Felder nie wieder für Besucher öffnen.

SUNFLOWER UPDATE AS OF JULY 28, 2018: Due to the overwhelming turn out today, the Hamilton Police have been called and...

Gepostet von Bogle Seeds am Samstag, 28. Juli 2018
bal