VG-Wort Pixel

Ausstellung in Wien Porträts von Holocaust-Opfern zerschnitten: Jetzt will die Muslimische Jugend sie überwachen

Wien: Ausstellung "Gegen das Vergessen"
Die beschädigten Porträtfotos von Überlebenden der Nazi-Verfolgung im Rahmen der Ausstellung "Gegen das Vergessen" in Wien
© Lukas Huter/APA/DPA
Die Freilicht-Ausstellung "Gegen das Vergessen" in Wien erinnert an NS-Opfer. Rund ein Dutzend der 80 Porträtfotos wurde nun zur allgemeinen Erschütterung beschädigt. Als Reaktion sind drei Mahnwachen angekündigt.

Zum dritten Mal binnen weniger Tage ist eine Freilicht-Ausstellung zur Erinnerung an die Opfer der NS-Verfolgung mitten im Zentrum von Wien beschädigt worden. Nach Angaben eines AFP-Fotografen wurde in der Nacht zum Montag rund ein Dutzend von rund 80 großen Porträtfotos von Überlebenden der NS-Verbrechen zerschnitten. Ihr Fotograf zeigte sich ebenso wie die Organisatoren der Ausstellung sowie Österreichs Präsident Alexander Van der Bellen und Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) erschüttert.    

Die Porträts stehen seit dem 7. Mai vor dem Heldenplatz entlang der Ringstraße, die Wiens historisches Zentrum umrundet. Schon wenige Tage nach Eröffnung der Ausstellung hatten Unbekannte mehrere der Tafeln mit Messern beschädigt, in der vergangenen Woche wurde dann ein Teil der Ausstellung mit Hakenkreuzen beschmiert.    

Österreich: Staatschef "tief betroffen"

Staatschef Van der Bellen äußerte sich "tief betroffen". "Ich weiß, dass der allergrößte Teil der österreichischen Gesellschaft einen klaren, ablehnenden Standpunkt zu den NS-Gräueltaten hat. Dass es welche gibt, die mit der Wahrheit und dem Mahnen, das diese Fotos ausdrücken, nicht umgehen können, ist erschütternd", erklärte er. Die Organisation Esra als Initiatorin der Ausstellung in Wien bezeichnete die Serie von "antisemitischen" Akten der Zerstörung als "äußerst besorgniserregend".    

Der deutsch-italienische Fotograf Luigi Toscano, der die Porträts gemacht hat, sagte, seine Ausstellung "Gegen das Vergessen" sei bereits in mehreren Ländern gezeigt worden, doch noch nie habe er derartige Angriffe auf sie erlebt. "Es ist jetzt die 13. Ausstellung, es gab auch schon vorher kleine Zwischenfälle, doch waren sie nie politisch motiviert und hatten nicht dieses Ausmaß", sagte Toscano AFP. "Hier äußert sich der rechte Radikalismus", fügte er hinzu.    

Bundesaußenminister Maas schrieb im Kurzbotschaftendienst Twitter, die Attacke auf die Porträts sei "ein Angriff auf das jüdische Leben und die Kunstfreiheit - ein Angriff auf uns alle". "Es sind auch wir alle, die gefragt sind, uns dem entgegenzusetzen", appellierte der Minister.    

Wien: Pausenlose Mahnwachen angekündigt

Mehrere Freiwilligen-Organisationen in Österreich kündigten Mahnwachen rund um die Uhr zum Schutz der Ausstellung an: Künstler, die Caritas und auch die Muslimische Jugend Österreich, die während des Ramadan Nachtwachen organisieren will.    

Der österreichischen Plattform Forum gegen Antisemitismus wurden im Jahr 2017 insgesamt 503 antisemitische Vorfälle gemeldet, doppelt so viele wie noch 2014.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker