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Australien: Er schlug einem rechten Politiker ein Ei auf den Kopf – nun spricht er über seine Gründe

Nach dem Attentat von Christchurch haute der 17-Jährige Will Connolly dem rechtskonservativen australischen Senator Fraser Anning ein Ei auf den Kopf. Nun sprach er über seine Beweggründe.

Die Nervosität ist Will Connolly anzumerken, als er vor wenigen Tagen sein erstes Interview gibt. Etwas steif sitzt er auf dem Hocker eines TV-Studios in der australischen Fernsehsendung "The Project". Seine Hände hat er auf seiner dunkelbeigen Hose abgestützt. Seine ersten Worte wirken fast etwas schüchtern: "Schön hier zu sein", nuschelt er in sein Ansteckmikro.

Dass Will in den ersten Sekunde des Gespräches nicht gerade vor Selbstbewusstsein strotzt, ist verständlich. In der Woche zuvor ist viel passiert. Zu viel für einen Jungen in seinem Alter. Der gerade einmal 17-Jährige wurde über Nacht weltbekannt, weil er dem australischen Senator Fraser Anning wegen dessen islamophoben Äußerungen vor laufenden Kameras ein Ei auf den Kopf geschlagen hatte.

Heldentat oder Fehlverhalten?

Der Vorfall sorgte für weltweite Schlagzeilen. Will Connolly wurde für Millionen von Menschen zum "Egg Boy". Der britische Moderator John Oliver huldigte der Aktion. Sie sei fantastisch, sagte er in seiner Sendung "Last Week Tonight". Die Basketballer Ben Simmons und Jonah Bolden, Philadelphia 76ers, würdigten ihn, indem sie auf ihre Schuhe "Egg Boy" schrieben. Will war plötzlich ein Meme, wurde auf T-Shirts gedruckt, und aus dem Clip wurden Remix-Videos gemacht.

Es feierten allerdings nicht alle die Aktion. Immerhin handelte es sich um eine Form von Gewalt, die Will einem Politiker zuteil werden ließ. Deshalb wurde er nach der Tat sogar verhaftet. Nach kurzer Zeit jedoch wieder freigelassen. Im TV-Interview sprach er nun erstmals über all das. Und gab direkt zu, dass die vergangenen Tage schon verrückt gewesen seien. Missen möchte er sie aber nicht, so der junge Australier: "Ich weiß: Was ich getan habe, war nicht richtig. Nichtsdestotrotz hat dieses Ei Menschen vereint. Und: Es wurde sogar Geld gesammelt."

Tatsächlich sammelten viele seiner Anhänger unter dem Titel "Money for EggBoi" über eine GoFundMe-Kampagne Geld, um bei einer etwaigen Gerichtsverhandlung die Anwaltskosten finanzieren zu können. Dabei kamen mehrere Zehntausend Dollar zusammen. Diese Geld, das bestätigte Will nun, möchte er an die Opfer und die Hinterbliebenen der Terrorattacke von Christchurch weitergeben.

"Egg Boy": "Davon war ich wirklich angewidert"

Aber viel wichtiger – Will erklärt auch, warum er den Senator mit einem Ei attackierte: "Nach der Tragödie von Christchurch dachte ich, die Welt sollte all die Opfer unterstützen, indem wir ihnen Liebe und Leidenschaft geben. Aber er (Fraser Anning, Anm. d. Red.) hatte eine Rede gehalten, die nur Hass streute. Er wollte den Opfern die Schuld für die Attacke geben. Davon war ich wirklich angewidert."

Dennoch sei er zu jener Pressekonferenz gekommen, um Senator Anning zuzuhören und ihm die Möglichkeit zu geben, seine Einstellung zu ändern. "Eigentlich bin ich eine verzeihende Person", sagt er. "Ich wollte ihm vergeben, aber dann hat er angefangen, noch mehr Dinge zu sagen, die ich hier nicht zitieren möchte."

Das sei Will endgültig zu viel gewesen: Er klatschte dem Senator ein Ei auf den Kopf. Mit der darauf folgenden Reaktion von Fraser, der ihm mit der Faust ins Gesicht schlug, habe er nicht gerechnet. "Ich dachte nicht, dass er reagiert. Ich dachte, ich würde da einfach wieder rausgehen und nicht, dass es eskalieren würde", gibt Will ein wenig naiv zu. Er wünsche sich nun aber, dass wieder über die Opfer geredet werde. "Wir sollten uns auf sie konzentrieren."

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rpw