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1000 Euro extra: Bedingungsloses Grundeinkommen: "Ein Jahr ist zu kurz, um etwas zu wagen"

Alexander Weischedel, 33, wohnt bei Heidenheim an der Brenz und ist Maschinenführer in einer Etikettenfabrik. Seit Januar 2017 bekommt er das bedingungslose Grundeinkommen. Hier erzählt er, wie sich das anfühlt.

Protokoll: Lisa Muckelberg

1000 Euro im Monat: Wie funktioniert das bedingungslose Grundeinkommen?

"Ich hab als Erstes Karten für ein Bruno-Mars-Konzert gekauft. Meine Freundin wollte echt gern hin, und so oft ist er ja nicht in Deutschland auf Tour. Eigentlich waren uns die Karten zu teuer, über 100 Euro. Aber als dann klar war, am 1. Januar sind da 1000 Euro auf meinem Konto, einfach so, hab ich die Karten gekauft.

Sonst hat sich nicht viel verändert in meinem Leben. Ich arbeite immer noch in einer Fabrik, die Etiketten herstellt, nur dass es sich jetzt besser anfühlt, weil am Ende des Monats mehr auf dem Konto ist. Man verbindet Geld ja automatisch mit Arbeit, deswegen fühlt sich das Grundeinkommen wie eine Lohnerhöhung an.

Alexander Weischedel

Alexander arbeitet trotz Grundeinkommen weiter in einer Fabrik

Schöne Erlebnisse sind das Beste

Wenn ich das Grundeinkommen für eine längere Zeit bekäme, über zwei oder drei Jahre, würde ich richtig was ändern. Ich wollte schon immer gern im Fitnessbereich arbeiten; dann hätte ich umgeschult. Aber ein Jahr ist zu kurz, um solche großen Veränderungen zu wagen. Also gebe ich das Geld vor allem für Dinge aus, die im Kopf bleiben. Meine Freundin und ich sind nach Ägypten geflogen, wir waren in der Schweiz und spontan in Berlin. Schöne Erlebnisse sind das Beste, was ich für das Geld bekommen kann.

Normalerweise kann ich mir das nicht in dem Maße leisten, ich zahle Unterhalt für meine zwei Kinder. Ein bisschen Geld will ich auch zurücklegen. Mit Kleinigkeiten versuche ich meine Lebensqualität zu verbessern: Ich kaufe nicht mehr die 99-Cent-Wurst von Lidl, sondern gehe zum Metzger.

Ich kaufe Bio, achte bei Eiern auf Freilandhaltung. Aber ob ich das durchziehe, wenn mir das Grundeinkommen wieder fehlt, weiß ich noch nicht. So was summiert sich schnell. Es stimmt, was man sagt: Mit steigenden Einnahmen steigen auch die Ausgaben. Man gewöhnt sich schnell an das Geld. Da muss man aufpassen.“