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Rezo-Video: Youtuber Rezo will die CDU "zerstören" – warum das schlimmer klingt, als es gemeint ist

Das Netz diskutiert über das Youtube-Video "Die Zerstörung der CDU". "Zerstören" sei das absolut falsche Wort, sagen viele, inklusive der CDU. Aber will Rezo wirklich etwas kaputt machen – oder was meint er?

Rezo: Der Youtuber hat die Politik und vor allem die CDU aufgemischt

Hat mit seinem politischen Video die CDU in Verwirrung gestürzt: Youtuber Rezo

DPA

Mehr als fünf Millionen Menschen haben bisher das Video des Yotubers Rezo gesehen – in seinem fast einstündigen Clip rechnet der junge Mann mit den blauen Haaren mit der Politik der CDU, aber auch der CSU und der SPD ab. Er hat das Video "Die Zerstörung der CDU" genannt. Und darüber wird mittlerweile genauso heftig diskutiert, wie über die Fakten, die Rezo in seinem Video mit Grafiken und Quellen zu belegen versucht.

"Lieber Rezo, lass uns miteinander reden. Wir machen das in der CDU seit 70 Jahren: Wir zerstören einander nicht, sondern wir hören einander zu, wir reden miteinander, wir finden gemeinsame Lösungen," schrieb CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak diese Woche auf Twitter, als Reaktion auf das Video. Und auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Philipp Amthor sagte gegenüber der Welt: "Aber wenn es um ein Wording wie ‘Zerstörung der CDU‘ geht, dann kann man jedenfalls sagen: Uns geht es nicht darum, jemanden zu zerstören, sondern gute Argumente auszutauschen." Schaut man in den Duden, bedeutet "zerstören": "etwas sehr stark beschädigen, zunichtemachen, ruinieren." 

So erklärt Rezo "zerstören"

Bezieht man sich nur darauf, mag die Kritik an Rezos Worten nicht unberechtigt sein. Erst einmal ist der Versuch, jemanden zunichte zu machen, nicht gerade die Grundlage für eine gute Diskussion. Denn es wäre der einseitige Versuch, jemanden mit Macht niederzuringen, anstatt mit ihm in Dialog zu treten. Und auch, wenn die Geschichtskeule nicht immer ausgepackt werden muss – vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte und zwei Weltkriegen ist es vielleicht nicht unbedingt passend, von der "Zerstörung der CDU" zu sprechen.

Doch Rezos Wortwahl geht ein bisschen weiter als das. Zuerst einmal sucht er in seinem Video keinen Dialog mit der CDU, sondern legt lediglich dar, warum die etablierten Parteien aus seiner Sicht nichts für die junge Generation tun und in den letzten Jahren getan haben. Zudem begründet er in den ersten Minuten des Videos seine Wortwahl: Er nenne das Video "die Zerstörung der CDU", "nicht weil ich aktiv versuche, jemanden zu zerstören, sondern weil die Fakten und Taten einfach dafür sprechen, dass die CDU sich selbst, ihre Wahlergebnisse und ihren Ruf zerstört." Es scheint Rezo also eher um den Aspekt des Ruinierens zu gehen – und zwar nicht im aktiven Sinne, sondern vielmehr darum, dass sich die Parteien selbst in den Ruin getrieben hätten, ganz ohne das Zutun von Außen. Sonst müsste das Video wohl auch "Wie ich die CDU zerstörte" heißen.

Einfluss der Jugendsprache

Bedeutsamer ist aber noch ein anderer Aspekt: Rezo bewegt sich auf Youtube. Einem von jungen Zuschauern genutzten Medium, dass von Zuspitzung und Klicks lebt. Sein Titel zeigt, dass er weiß, wie er die Aufmerksamkeit seiner User lockt – und das sind Übertreibung und Worte, die neugierig machen, was wohl dahinter steckt. Das mag man traurig finden, es entspricht aber der Realität. Außerdem steht unter Jugendlichen und im Gaming-Bereich das Wort "zerstören" vielmehr für eine Form von "fertig machen" oder "dissen", also quasi für eine verbale und abgeschwächte Version von "zerstören". Schaut man in den Bereich der Sprachwissenschaften wird Jugendsprache zudem oft als provokant oder beleidigend charakterisiert. Es wird verkürzt, überspitzt und übertrieben, denn man will sich von der Sprache der Eltern abgrenzen. Ein gutes Beispiel ist das Jugendwort des Jahres 2018: "Ehrenmann/Ehrenfrau" – die Jugendversion von "auf dich kann man sich verlassen".

Die Kritik am Titel von Rezos Video ist damit wohl genauso gerechtfertigt, wie die Kritik am Inhalt. Er verkürzt und polemisiert – und sein Titel hat eindeutig das Ziel, Klicks zu fördern. Andererseits spielt er nach den Regeln seiner Community (die immer noch fleißig auf reißerische Zeilen klickt) und ist eine Privatperson, die es immerhin geschafft hat, fünf Millionen junge Menschen vor der Europawahl für Politik zu interessieren.

Der YouTuber Rezo
lau
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