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Verklemmt und prüde Schlüpfriges Dilemma: Warum mich nackt duschen zum Außenseiter macht

Zwei Jungs duschen mit Unterhose
Unser Autor hat das Gefühl, dass ohne-Unterhose-Duschende in seinem Alter eine aussterbende Spezies sind
© Westend61/Getty Images
Duschen mit Unterhose? Kennt unser Autor nur aus der Pubertät. Umso größer der Schock in der Fußballumkleide. Von einem Dilemma, das es vor 20 Jahren so garantiert noch nicht gab.

"Warum ist deine Unterhose so nass?“ Ich kann mich ganz genau an diese Frage meiner Mutter erinnern, als ich ihr im Alter von zwölf Jahren meine Sportsachen zum Waschen in die Hand drückte. "Wir duschen alle mit Unterhose", antwortete ich. "Ihr duscht was?", reagierte sie völlig entsetzt. Das sei doch komplett unhygienisch, erklärte sie mir. Aber für mich als jungen Teenager war das völlig normal. Schließlich duschte keiner in meiner Fußballmannschaft unten ohne. 

Heute, mit 22, denke ich mir: "Wie konnte ich bloß so verklemmt sein?“ Doch in der Pubertät ist das anders. Da heißt es: Bloß nicht peinlich auffallen. Dementsprechend hatte ich keine andere Wahl, als mit Boxershorts zu duschen. In gewisser Weise verfolgte mich auch immer die Angst, mir könnte es wie meinem besten Freund ergehen. Der bekam in der sechsten Klasse den Spitznamen "Tic-Tac-Pimmel" verpasst, eben weil er ohne Unterhose geduscht hatte. Ja, Kinder - vor allem pubertierende - können wirklich grausam sein. 

Mittlerweile ist es für mich ganz normal, nach dem Training alle meine Klamotten von mir zu schmeißen und mich splitterfasernackt in die Dusche zu stellen. Wieso auch nicht? Immerhin schwitzt man ja nicht nur an den Körperstellen, die in FSK-12-Filmen zu sehen sind. Allerdings macht mich das in meiner Fußballmannschaft zu einem Aufständischen. Ich bin, ob man es glaubt, oder nicht, einer von wenigen, die ohne Unterhose duschen. Ja, ihr habt richtig gelesen. In der jüngeren Generation ist der Unten-ohne-Duschende tatsächlich eine bedrohte Spezies. 

Mit der Unterhose zu duschen wird zum Normalzustand  

Laut Stammtisch-Parolen à la Jens Spahn liegt das vor allem an einer schleichenden Anpassung an die neuen Mitbürger aus anderen Kulturkreisen. "Bei mir im Fitnessstudio gibt es jetzt Hinweisschilder, die das Duschen in Badehose ausdrücklich erlauben", sagte der CDU-Politiker kürzlich in einem Interview mit der "Welt". "Zu viele arabische Muskelmachos standen da vorher mit ihrer Unterhose drunter, weil sie sich nackt genierten."

Es allein daran festzumachen, greift sicherlich zu kurz. Die Gründe sind vielfältiger und nehmen ihren Anfang in der Pubertät. Für viele ist es ein beklemmendes Gefühl, vor anderen Leuten nackt zu sein. Sie fühlen sich damit nicht wohl. Wenn dann auch noch Gleichaltrige aus diesem Grund mit Unterhose duschen, wird das Verhalten schnell normal.

"Ich habe mich einfach dran gewöhnt"

Mich wundert es dennoch, wenn ein ebenfalls Anfang 20-jähriger Mitspieler neben mir in der Dusche steht und seine noch vollgeschwitzten Boxershorts trägt. "Duschst du Zuhause auch mit Unterhose?", habe ich mal einen Kollegen gefragt. "Nein, aber ich habe mich hier einfach dran gewöhnt", sagte er mir.

Trotzdem: Es hat für mich etwas Konservatives, sexuell Verklemmtes und in gewisser Weise auch Homophobes. "Ne, vor anderen Männern ziehe ich mich nicht aus", schwingt da für mich mit. Ich würde sogar so weit gehen zu behaupten, dass die Jugend von heute, anders als viele es wahrscheinlich vermuten, ganz schön verklemmt ist – zumindest wenn es um Nacktheit und Sexualität geht. Ansonsten wäre es nicht so ein Problem, auch mal die Hosen runterzulassen.


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