Appell an Minister Rainer: Tierärzte fordern Ende der Anbindehaltung von Rindern

Rinder im Stall
Rinder im Stall
© AFP
Vor der Grünen Woche in Berlin haben Tierärzte ein rasches und verbindliches Ende der Anbindehaltung von Rindern gefordert. Diese Haltungsform schränke die artgemäße Bewegungsfreiheit der Tiere erheblich ein, sie führe zu physischen und psychischen Belastungen, heißt es in einem offenen Brief von 350 Tierärztinnen und Tierärzten an Landwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU), der AFP am Montag vorlag. Sie kritisierten, die Bundesregierung blockiere ein Anbindeverbot auf Bundesebene. 

In Deutschland werden rund eine Million Rinder in Anbindehaltung gehalten, vor allem in Süddeutschland, wie es in dem Brief heißt. Als Tierärzte sei es "unsere Pflicht, Leiden zu verhindern", begründeten sie ihren Appell. "Maßnahmen, die den Tieren unnötiges Leid zufügen, verstoßen nicht nur gegen das Tierschutzrecht, sondern widersprechen auch grundlegenden Prinzipien der Tiermedizin."

Die Tierärzte forderten einen klaren gesetzlichen Rahmen mit realistischen Übergangsfristen und gezielten Förderprogrammen für tiergerechtere Haltungsformen, um die Anbindehaltung zu beenden. "Die Anbindehaltung darf nicht länger Teil der Nutztierhaltung in Deutschland sein." Rainer müsse dies wichtige Anliegen im Sinne einer zukunftsfähigen Landwirtschaft voranbringen. 

Auch die Verbraucherorganisation Foodwatch forderte am Montag erneut ein Ende der Anbindehaltung. Zuletzt hatten mehr als 55.000 Menschen eine entsprechende Online-Petition an Minister Rainer unterzeichnet. "Kühe, die ihr ganzes Leben in Ketten gehalten werden und sich kaum bewegen können - damit muss Schluss sein", sagte Annemarie Botzki von Foodwatch. 

Die Ampel-Regierung und Rainers Vorgänger Cem Özdemir (Grüne) hatten sich im Mai 2024 auf einen Gesetzentwurf mit strengeren Vorgaben beim Tierschutz geeinigt. Die ganzjährige Anbindehaltung von Rindern sollte nach einer Übergangszeit von zehn Jahren gänzlich verboten sein. Für kleinere Betriebe sollte die saisonale Anbindehaltung aber möglich bleiben. Der Tierschutzbund hatte die geplante Regelung damals als "weitgehend bedeutungslos" kritisiert. 

AFP